Hautkrebs-Symposium: Erfolge bei der Früherkennung – Behandlung in zertifizierten Zentren ausbauen

Mit dem Dermascanner wird die Hautoberfläche des Patienten aus verschiedenen Positionen gescannt. © Dirk Mahler/Fraunhofer IFF
Mit dem Dermascanner wird die Hautoberfläche des Patienten aus verschiedenen Positionen gescannt. © Dirk Mahler/Fraunhofer IFF

Berlin -Als einen großen Erfolg sehen Experten die seit gut vier Jahren laufende Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs. Zugleich geben neue Medikamente zur Behandlung des schwarzen Hautkrebses (malignes Melanom) Hoffnung auf verbesserte Prognosen der bösartigsten Hautkrebsform. Aber Herausforderungen bleiben: So steigt die Zahl der Neuerkrankungen beim malignen Melanom seit Jahrzehnten stetig. Zudem ist die Datenlage zu den übrigen Tumoren der Haut derzeit noch unbefriedigend. Ferner sollten künftig noch mehr Betroffene in zertifizierten, interdisziplinär arbeitenden Zentren behandelt werden. Zu diesem Fazit kommen Experten auf dem 2. Symposium „Brennpunkt Haut – Was wollen wir als Gesellschaft leisten“ am Berliner IGES Institut, an dem rund 30 Fachleute aus Krankenkassen, Forschung, Versorgungsinstitutionen sowie Fach- und Selbsthilfeverbänden teilnahmen.

Die frühe Diagnose einer Hautkrebserkrankung erhöht die Heilungschancen und die Lebensqualität Betroffener. Aus diesem Grund wurde 2008 für alle gesetzlich Versicherten ab dem Alter von 35 Jahren ein Hautkrebs-Screening als Krankenkassen-Leistung eingeführt. „Eine bisherige Teilnahmequote von 30 Prozent ohne eine große Kampagne erreicht zu haben, ist ein hervorragendes Zeichen und zeugt von einem gestiegenen Bewusstsein der Menschen für Hautkrebs“, sagte Prof. Eckhard Breitbart, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e.V. Das Pilotprojekt des deutschen Hautkrebsscreenings, SCREEN[1], 2003/04 in Schleswig-Holstein habe bereits gezeigt, dass sich so langfristig die Sterblichkeit bei Hautkrebs verringern lässt. Wichtig bleibe es aber, mit einem integrierten Kommunikationskonzept noch mehr über die Untersuchung zu informieren.

Insgesamt ist Hautkrebs mit etwa 180.000 Neuerkrankungen pro Jahr häufiger als Brustkrebs und Prostatakrebs zusammen, wenngleich Todesfälle mit jährlich rund 3.000 Fällen vergleichsweise selten sind. Etwa 80 Prozent gehen dabei auf das maligne Melanom zurück, das jährlich bei ca. 18.000 Menschen diagnostiziert wird. In den meisten bevölkerungsbezogenen Krebsregistern werden die übrigen Hauttumoren immer noch unvollständig erfasst, betonte Dr. Klaus Kraywinkel, Leiter des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut (RKI). Verlässliche Aussagen etwa über Trends der Erkrankungshäufigkeiten seien daher derzeit kaum möglich. Daten aus epidemiologischen Krebsregistern könnten auch zur Beurteilung der Effektivität des Hautkrebs-Screenings beitragen, so Kraywinkel.

Von einem Wandel der medikamentösen Therapie des Melanoms sprach Prof. Stephan Grabbe, Direktor der Hautklinik des Mainzer Universitätsklinikums. „Die Aussichten von Patienten mit metastasiertem Melanom auf einen zeitweiligen oder gar dauerhaften Rückgang der bislang tödlich verlaufenden Erkrankung haben sich deutlich verbessert.“ So genannte zielgerichtete Therapien sowie die Immuntherapie seien „eine grundlegende Revolution, weil Nebenwirkungen seltener werden und die Therapie spezifisch auf den Patienten angepasst wird.“

Diese Fortschritte spiegelten sich auch in den Ergebnissen der frühen Nutzenbewertung wider, erläuterte Dr. Ariane Höer, Bereichsleiterin Arzneimittel am IGES Institut. „Die neuen Arzneimittel gegen das maligne Melanom waren bisher die einzigen Krebsmittel, bei denen für alle Patienten ein beträchtlicher Zusatznutzen konstatiert wurde.“ Sie erreichten bessere Ergebnisse für das Überleben der Patienten als bestehende Vergleichstherapien.

Wie wichtig für den Behandlungserfolg und das Patientenwohl zudem eine koordinierte enge Begleitung sei, betonte Dr. Simone Wesselmann, Leiterin des Bereichs Zertifizierung bei der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG). Diese interdisziplinäre, multiprofessionelle und sektorenübergreifende Behandlung würden zertifizierte Zentren bieten, in denen aber bisher nur die Hälfte aller Patienten mit schwarzem Hautkrebs behandelt wird. „Ziel ist eine flächendeckende Versorgung in zertifizierten Hautkrebs-Zentren, so wie etwa beim Brustkrebs, wo dies in 90 Prozent der Fälle erfolgt.“ Einen weiteren Schub für eine Qualitätsverbesserung der Versorgung werden laut Wesselmann die Qualitätsindikatoren der neuerstellten, evidenzbasierten Leitlinie für das Melanom bringen, die in Kürze erstmals veröffentlicht wird.

Die Sicht der gesetzlichen Krankenkassen brachte Klaus Rupp, Leiter des Bereichs Versorgungsmanagement der Techniker Krankenkasse ein: Bislang gibt es zahlreiche Verträge, damit Versicherte schon vor dem Alter von 35 Jahren an einem Screening teilnehmen können. Darüber hinaus sei auf Basis steigender Prävalenzen bei Hautkrebs sicherlich zu überlegen, inwieweit bereits erkrankte Patienten von Versorgungsverträgen profitieren können.

Für mehr Förderung der Selbsthilfe bei Hautkrebs sprach sich Dr. Dietrich Buhisan, Leiter der Selbsthilfegruppe Hautkrebs an der Charité Berlin, aus. Die Finanzierung über die Krankenkassen sei zu gering, obwohl dafür ein gesetzlicher Auftrag bestehe. „Erfahrungen zeigen, dass Betroffene in allen Stadien einer Hautkrebserkrankung von einem Austausch und der Hilfe untereinander profitieren – und damit den Krankenkassen wiederum Geld sparen.“

Das IGES Institut initiiert regelmäßig Fachtagungen zu aktuellen Fragen der Gesundheitsversorgung. Das 2. Symposium „Brennpunkt Haut“ wurde gemeinsam mit dem Unternehmen Bristol-Myers Squibb veranstaltet.

Über das IGES Institut: Forschen – Entwickeln – Beraten für Infrastruktur und Gesundheit

Das IGES Institut wurde 1980 als unabhängiges Institut gegründet. Seither wurde in über 1.000 Projekten zu Fragen des Zugangs zur Versorgung, ihrer Qualität, der Finanzierung sowie der Gestaltung des Wettbewerbs im Bereich der Gesundheit gearbeitet. In jüngerer Zeit wurde das Spektrum auf weitere Gebiete der öffentlichen Daseinsvorsorge ausgeweitet: Mobilität und Bildung. Das IGES Institut gründet seine Arbeit auf hohe Sach- und Methodenkompetenz und bietet in allen Arbeitsgebieten einen breiten Zugang zu eigenen und zu Datenquellen anderer Institutionen. Zusammen mit den Unternehmen CSG und IMC (beide Berlin) sowie HealthEcon (Basel) beschäftigt die IGES-Gruppe mehr als 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

[1] Skin cancer research to provide evidence for effectiveness of screening in Northern Germany

Pressemitteilung iGES, Gisela Angerer


Krebszeitung

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    Wie DNA-Defekte bei der Krebstherapie helfen können

    Um zu verhindern, dass DNA-Schäden zu Mutationen, also zu bleibenden Veränderungen der Erbinformation führen, verfügt der Körper über eine Vielzahl an Reparatursystemen. Diese helfen, Schäden zu erkennen und zu beheben. Je nachdem, wie groß der Schaden ausfällt, löst er unterschiedliche Programme aus: Die Zellen werden zunächst „kalt gestellt“, also an der Zellteilung und somit an der Vervielfältigung der fehlerhaften DNA gehindert. Geringere Defekte werden repariert, bei Zellen mit irreparablen Schäden startet der programmierte Zelltod, die Apoptose, oder das Zellalterungsprogramm, die Seneszenz. Die Zellen sterben ab oder verlieren dauerhaft ihre Fähigkeit, sich zu teilen.

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