Hirn- und Krebserkrankungen durch stärkere Magnetfelder früher erkennen

MRT-Thermoeffekt während der Laserung einer Lebermetastase, gekühlter Applikator, 23 Watt (Prof. Vogl, Frankfurt a.M.)
MRT-Thermoeffekt während der Laserung einer Lebermetastase, gekühlter Applikator, 23 Watt (Prof. Vogl, Frankfurt a.M.)

Köln – Dank technischer Fortschritte werden Magnetresonanztomographen (MRT) immer leistungsstärker. So kommen Geräte mit einer Magnetfeldstärke von 3 Tesla mittlerweile auch im klinischen Alltag zum Einsatz. Im Vergleich zu herkömmlichen 1,5-Tesla-Geräten verkürzt sich damit nicht nur die Untersuchungszeit. Auch die Auflösung der Bilder ist höher. Hirnerkrankungen lassen sich so oft besser und früher erkennen. Aber auch bei der Suche nach kleinsten Krebsherden und der Darstellung von Gefäßen bietet die 3-Tesla-MRT Vorteile. Technische Fortschritte in der MRT-Diagnostik sind ein Schwerpunkt von neuroRAD, der 44. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR).

Tesla ist die Einheit der magnetischen Feldstärke. „Durch die Verdopplung der Feldstärke können wir entweder die Dauer einer Untersuchung verkürzen oder – bei konstanter Untersuchungszeit – deutlich schärfere Bilder erzeugen“, erläutert Professor Friedhelm Zanella, Direktor des Instituts für Neuroradiologie an der Goethe- Universität Frankfurt am Main. Schnellere Untersuchungen sind vor allem bei Kindern und unruhigen Patienten von Vorteil. Meist entscheiden sich Neuroradiologen jedoch für eine möglichst detaillierte Darstellung. „Vieles lässt sich mit 3-Tesla-Geräten besser und vor allem früher erkennen. Das können die Entzündungsherde bei Multipler Sklerose oder Metastasen bei Krebserkrankungen sein. Bei Patienten mit Epilepsien können wir künftig häufiger die Ursache feststellen“, erklärt Zanella im Vorfeld der DGNR-Jahrestagung.

Der Experte verspricht sich von den neuen Geräten zudem eine bessere Früherkennung von sogenannten Aneurysmen. Diese Aussackungen in der Wand von Blutgefäßen können tödliche Hirnblutungen auslösen. Vorteile sieht Professor Zanella auch bei einer Reihe von Spezialuntersuchungen wie der sogenannten „1H MR-Spektroskopie“ und der funktionellen MRT.

Erstere erlaubt es Ärzten, den Stoffwechsel von Hirntumoren zu untersuchen. Die funktionelle MRT wiederum erleichtert die Abgrenzung von funktionell wichtigen Hirnarealen, die bei einer Hirnoperation geschont werden sollen.

Professor Zanella ist überzeugt, dass 3-Tesla-Geräte die Ärzte bei vielen Fragestellungen voranbringen werden. „Dennoch muss die Frage stets lauten: Ändert sich durch die Untersuchung auch die Therapie des Patienten? Verbessern sich seine Heilungschancen?“ So belegen zwar erste Studien die Vorteile der 3-Tesla-MRT, doch Geräte mit geringeren Magnetfeldern haben deshalb nicht ausgedient: „Eine Schlaganfalldiagnostik ist auch mit 1,5-Tesla-Geräten sehr gut möglich“, so Zanella.

Negative Folgen für den Patienten haben die neuen leistungsstärkeren Geräte nicht. Erst bei noch höheren Feldstärken von 7 Tesla spüren die Patienten gelegentlich die Auswirkungen des Magnetfelds. Solche Geräte kommen in Deutschland allerdings erst an wenigen Forschungsinstituten zum Einsatz. „Es kann hier zu spontanen Nervenerregungen kommen, die die Patienten zum Beispiel als Lichtblitze wahrnehmen“, berichtet Zanella, der die technischen Fortschritte in der MRT-Diagnostik auch mit seinen Kollegen auf der DGNR-Jahrestagung diskutieren wird. Der Kongress findet vom 8. bis zum 10. Oktober 2009 im Kölner Gürzenich statt.

Weitere Informationen finden Sie unter
www.neurorad.de

Pressemitteilung Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften


Krebszeitung

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