Hirntumoren bei Kindern individuell behandeln

MRT-Bildgebung des Gehirns (C) Klaus Scheffler / Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, Tübingen
MRT-Bildgebung des Gehirns (C) Klaus Scheffler / Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, Tübingen

Wie sieht die optimale Therapie bösartiger Hirntumoren bei Kindern aus? Welche Merkmale der Tumorzellen sind relevant für den Ausgang der Erkrankung? Für seine herausragende Forschung zu diesen Fragen ist Dr. Stefan Pfister, Kinderonkologe am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg, am 5. Mai 2008 mit dem Dr. Hella Bühler-Preis ausgezeichnet worden. Der Preis wurde in diesem Jahr zum dritten Mal vergeben und ist erstmalig mit 100.000 Euro dotiert.

Mit Hilfe von Tumormarkern kann Therapie individuell angepasst werden

Der häufigste bösartige Hirntumor im Kindesalter ist das Medulloblastom: Mehr als 100 Kinder erkranken jährlich in Deutschland an diesem Tumor des Kleinhirns, rund 40 Kinder sterben daran. Häufig treten die ersten Symptome im Grundschulalter auf; allerdings erkranken auch Säuglinge an dem Tumor, der bereits während der Entwicklung im Mutterleib angelegt sein kann. Die aggressive Radiochemotherapie nach der Operation kann das Gehirn der Heranwachsenden dauerhaft schädigen und z.B. zu Koordinationsstörungen und eingeschränktem Wachstum führen.

Früher und zielstrebiger Einstieg in die Krebsforschung

Der bei Tübingen aufgewachsene Stefan Pfister (33) absolvierte sein Studium in Hamburg und Tübingen und beschäftigte sich bereits im Rahmen seiner Promotion in Tübingen mit Krebserkrankungen bei Kindern.

Während eines Forschungsaufenthaltes am Dana Farber Cancer Institute an der Harvard Medical School in Boston, (USA) vertiefte er seine Kenntnisse auf dem Gebiet der Tumorimmunologie und begann schließlich am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Peter Lichter mit seinen Forschungen am Medulloblastom.

„Stefan Pfister hat sich schon sehr früh und konsequent der Krebsforschung verschrieben und sich ein beachtliches Netzwerk mit universitären und außeruniversitären Einrichtungen aufgebaut“, sagte Professor Dr. Jochen Tröger, Ärztlicher Direktor der Abteilung Kinderradiologie am Universitätsklinikum Heidelberg, im Rahmen seiner Laudatio. Seit 2007 wird Stefan Pfister im Rahmen des „Eliteprogramms für Postdoktoranden“ von der Landesstiftung Baden-Württemberg unterstützt und hat allein im Jahr 2007 sechs wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht.

Ziel der Forschung von Stefan Pfister ist es, etablierte Therapien im Medulloblastom individuell anzupassen und neue, gezielte Therapieoptionen zu entwickeln. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung gelang dem Mediziner, der in der Abteilung für Pädiatrische Onkologie am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin (Ärztlicher

Direktor: Professor Dr. Dr. Andreas Kulozik) und in der Abteilung Molekulare Genetik am Deutschen Krebsforschungszentrum (Leiter: Professor Dr. Peter Lichter) forscht, mit der Identifizierung neuer molekularer Marker im Medulloblastom: Mit ihrer Hilfe lässt sich präziser als mit gängigen Methoden vorhersagen, wie ein Patient auf die Therapie anspricht.

Auf die charakteristischen Veränderungen in der Erbinformation stieß der Wissenschaftler beim Vergleich von mehr als 400 Tumorproben: „Mit diesen Markern können wir Patienten mit schlechter Prognose zuverlässig identifizieren und von Anfang an intensiver behandeln“, so Dr. Stefan Pfister. „Gleichzeitig können wir die Therapieintensität bei den Patienten senken, die voraussichtlich besonders gut auf die Radiochemotherapie ansprechen. So verringern wir Folgeschäden und das Risiko von weiteren Tumoren.“ Gleichzeitig untersucht Stefan Pfister mit seiner Arbeitsgruppe, wie diese genetischen Veränderungen das Tumorwachstum beeinflussen: „Nur wenn wir die molekularen Vorgänge verstehen, können wir mit maßgeschneiderten Medikamenten gezielt in diese Mechanismen eingreifen“, erklärte der Mediziner.

Dr. Hella Bühler: Zahnärztin mit gesellschaftlicher Verantwortung

Der Preis ist nach seiner Stifterin, der Heidelberger Zahnärztin Dr. Hella Bühler (1910 – 2002) benannt. Sie vermachte der Universität Heidelberg ihr Vermögen mit der Auflage, jährlich einen Preis für besondere wissenschaftliche Leistungen in der Krebsforschung zu vergeben.

„Der Dr. Hella Bühler-Preis steht zum einen für einen großmütigen Fördersinn und zum anderen für die hochklassige Wissenschaft, der die Universität Heidelberg verpflichtet ist“, sagte Professor Dr. Thomas Pfeiffer, Prorektor der Universität Heidelberg, bei der feierlichen Preisverleihung.

Ansprechpartner:

Dr. Stefan Pfister
Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg Klinik für Onkologie, Hämatologie, Immunologie und Pneumologie

Tel.: 06221 / 56 45 55

E-Mail: stefan.pfister@med.uni-heidelberg.de

Pressemitteilung Universitätsklinikum Heidelberg, Dr. Annette Tuffs


Krebszeitung

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  • Der Weg des Katheters bei der Selektiven Internen Radiotherapie - Quelle: SIRT
    Leberkrebs

    Netzwerk der Expertengruppe Selektive Interne Radiotherapie nun im gesamten deutschsprachigen Raum verfügbar

    Der Weg des Katheters bei der Selektiven Internen Radiotherapie - Quelle: SIRTBerlin, 29. Januar 2013. Seit einem Jahr informiert die Expertengruppe Selektive Interne Radiotherapie über die Behandlung von Tumoren und Metastasen in der Leber mit der SIRT. Bislang bündelte sie auf ihrer Webseite www.leberkrebstherapie.org vor allem Informationen für Patienten und Ärzte aus Deutschland. Ab heute stehen die Experten auch Ärzten und Patienten aus Österreich und der Schweiz für Fragen rund um die Selektive Interne Radiotherapie (SIRT) zur Verfügung. Unterstützung erhalten sie dabei vom Neu-Mitglied und Schweizer SIRT-Experten PD Dr. Niklaus Schäfer vom UniversitätsSpital Zürich.

    Krebs in der Leber wird oftmals erst dann entdeckt, wenn er nicht mehr operativ entfernt werden kann. Viele Klinken setzen dann auf die Selektive Interne Radiotherapie (SIRT) – eine Behandlung, bei der winzige, radioaktive Kunstharzkügelchen den Tumor gezielt im Inneren des Körpers bestrahlen und ihn so stark verkleinern können.

    Bislang waren präzise und zuverlässige Informationen zur Therapie für Patienten und zuweisende Ärzte schwer zu finden. Um dem abzuhelfen, hat die Expertengruppe Selektive Interne Radiotherapie im vergangenen Jahr das Webportal www.leberkrebstherapie.org ins Leben gerufen – bislang mit dem Schwerpunkt Deutschland.

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    Krankenkassen

    Koblenz – In diesen Tagen haben rund 445.000 Debeka-Mitglieder eine Beitragsrück­erstattung von 361 Millionen Euro für das Jahr 2012 erhalten. Das sind pro Versichertem durchschnittlich mehr als 800 Euro und insge­samt nochmals zwölf Millionen Euro mehr als im letzten Jahr.

    Die Debeka, Marktführer in der privaten Krankenversicherung, zahlt ihren vollversicherten Mitgliedern einen großen Teil ihrer Beiträge zurück, wenn sie in einem Kalenderjahr keine Leistungen zur Erstattung einreichen.

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