Hoffnungen und Hindernisse auf dem Weg zur vorbeugenden Impfung gegen humane Papillomviren (HPV)

Risiko der Krebserkrankung bei einer Infektion mit HPV - Quelle: Institut für Mikroökologie

Experten sind optimistisch, dass mit der Verfügbarkeit von HPV-Impfungen die Zahl der Frauen, die sich diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen zur Behandlung von Krebsvorstufen im Bereich des Gebärmutterhalses unterziehen müssen, innerhalb einer Dekade deutlich zurückgehen wird. Mehrere Multicenterstudien dazu sind unterwegs, mit Ergebnissen ist in wenigen Jahren zu rechnen, betonte Professor Laura Koutsky, University of Washington, Seattle, bei einer Pressekonferenz am 5. Oktober im Deutschen Krebsforschungszentrum.

Mindestens 13 verschieden Typen humaner Papillomviren (HPV) spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs und anderen Tumoren im Genitalbereich (Vaginal- und Vulvatumoren, Anal- und, Penistumoren) sowie bei Tumoren im Bereich der oberen Luftwege und des Verdauungstraktes. Weltweit ist der Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) der zweithäufigste Tumor bei Frauen, die Mehrzahl der Fälle tritt in Entwicklungsländern auf.

In Deutschland und anderen industrialisierten Ländern zählt das Zervixkarzinom zwar nicht mehr zu den führenden Krebstodesursachen, weil hier Frauen die Möglichkeit der Krebsvorsorge in Anspruch nehmen. Krebsvorstufen werden im Abstrich mit Hilfe des so genannten Pap-Tests erkannt und dann gezielt behandelt. Doch auch hier zu Lande sorgt die Diagnose präkanzeröser Veränderungen im Bereich des Gebärmutterhalses für erhebliche Beunruhigung der betroffenen Frauen, die zahlreiche weitere Maßnahmen nach sich zieht, z. B. HPV-DNS-Tests, Scheidenspiegelungen (Kolposkopie), Biopsien und diverse Therapien. Eine schützende Vakzine würde daher nicht nur Leben retten, sondern auch kostenaufwändige medizinische Prozeduren vermeiden helfen.

1991 erzielten australische Wissenschaftler einen wichtigen Fortschritt auf dem Weg zur Entwicklung einer Vakzine: Durch Expression von nur zwei Genen des HPV-Typs 16 (L1 und L2) in tierischen Zellen stellten sie dreidimensionale virusartige Partikel (virus-like patricles: VLPs) für die Immunisierung her. Später zeigten andere Wissenschaftler, dass sogar nur durch L1 kodierte VLPs ausreichen, um eine intensive Immunantwort beim Menschen auszulösen. Probanden, denen diese VLPs injiziert wurden, entwickelten hohe Titer neutralisierender Antikörper.

Da HPV-Typ 16 für etwa 50 % der menschlichen Tumoren verantwortlich ist, wurde zunächst eine prophylaktische HPV16(L1 VLP)-Vakzine geprüft. Frauen zwischen 18 und 23 Jahren erhielten entweder ein Placebo oder 3 Dosen der Vakzine zu den Zeitpunkten 0, 2 und 6 Monate. Nach einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 17,4 Monaten hatte keine der 768 geimpften Frauen eine anhaltende HPV16-Infektion, dagegen 41 der 765 mit einem Placebo behandelten Frauen. Alle 9 festgestellten Krebsvorstufen traten in der Placebogruppe auf. Bei 6 Frauen der Vakzinegruppe und 26 der Placebogruppe war der HPV16-Nachweis bei einer einzelnen Nachuntersuchung positiv. Damit hatte die Vakzine HPV16-Infektionen zu 91 % verhindert. Die Zahl der Frauen mit einer ausreichenden Immunantwort auf die Impfung (Serokonversionsrate) war mit 99,7 % sehr hoch. Die Vakzine wurde gut vertragen, ernsthafte Nebenwirkungen traten nicht auf.

Inzwischen läuft eine internationale Multicenter-Phase-III-Studie, die eine tetravalente Vakzine prüft, die neben HPV16 auch HPV18 abdeckt (beide zusammen sind für 70 % der Gebärmutterhalskrebsfälle verantwortlich), sowie HPV6 und HPV11 (die ca. 90 % der Genitalwarzen verursachen, ebenfalls Präkanzerosen). Insgesamt könnten mit dieser Kombination ca. 90 % aller Gebärmutterhalskrebsfälle vermeidbar werden. Mit ersten Ergebnissen ist in wenigen Jahren zu rechnen. Wenn sich die erwartete hohe Schutzwirkung bestätigt, wird die Vakzine bald danach auf dem Markt verfügbar sein. Im Juni 2004 begann eine weitere Studie mit einer anderen, bivalenten Vakzine, die HPV16 und HPV18 abdeckt.

Die weitere Forschung wird sich der Einbeziehung von Männern in das Impfprogramm widmen, der Frage des Langzeit-Impfschutzes, der Integration der Impfungen in laufende Vorsorgeuntersuchungen und der allgemeinen Aufklärung dazu.

Prof. Dr. Laura A. Koutsky,
School of Public Health, University of Washington, Seattle

Pressemeldung des dkfz Heidelberg


Krebszeitung

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