Hormone und Brustkrebs

Brustkrebszellen - Quelle: Dr. Lutz Langbein, Deutsches Krebsforschungszentrum

Die Entwicklung von Brustkrebs wird von weiblichen Sexualhormonen wie den Östrogenen beschleunigt. Das Verständnis der genauen Mechanismen ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Brustkrebs-Therapie. Aus diesem Grund erforscht die Arbeitsgruppe Treeck am Lehrstuhl für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Uni Regensburg die Bedeutung verschiedener Rezeptoren, die das Östrogensignal aufnehmen und weiterleiten.

Diese Rezeptoren, auch Östrogenrezeptoren genannt, befinden sich im Zellinneren und steuern das Wachstum von Brustkrebszellen. Daher sind sie auch heute bereits Ziele einer gerichteten Brustkrebs-Therapie mit sogenannten Antiöstrogenen, die dieses Wachstum hemmen können.

Allerdings haben nicht alle Brustkrebs-Patientinnen Karzinome, deren Zellen Östrogenrezeptoren aufweisen. Daher wird vor dem Einsatz einer Antiöstrogentherapie überprüft, ob diese Rezeptoren vorhanden sind.

Östrogenrezeptoren sind also wichtig für die Therapie von Frauen mit Brustkrebs.

Auf der anderen Seite gibt der Nachweis dieser Rezeptoren im Tumor auch Aufschluss über die Prognose, also den erwarteten Krankheitsverlauf von Brustkrebs-Patientinnen. Hierbei gilt, dass das Fehlen von Östrogenrezeptoren mit einer eher ungünstigen Prognose für die Patientin verbunden ist. Auch aus diesem Grund wird heute bei jeder Brustkrebs-Patientin der sogenannte Hormonrezeptorstatus bestimmt.

In der letzten Zeit wurde allerdings ein weiterer Östrogenrezeptor (ER-beta) entdeckt, dessen Bedeutung für Therapie und Prognose beim Brustkrebs nicht verstanden wird. Ausserdem wurden mehr als 40 Varianten dieser Rezeptoren entdeckt. Bei einigen dieser Varianten wurde bereits gezeigt, dass sie eine andere, zum Teil sogar gegensätzliche Funktion, in Brustkrebszellen ausüben. In der heutigen klinischen Routine wird weder das Vorhandensein von ER-beta noch dieser Varianten untersucht.

In Brustkrebszellen ist nicht nur jeweils einer dieser Rezeptortypen vorhanden, sondern immer eine Kombination verschiedener Rezeptoren (auch Rezeptor-Profil genannt). Diese Kombination unterscheidet sich jedoch bei verschiedenen Brustkrebs-Patientinnnen. Das Ziel des von der Wilhelm-Sander Stiftung geförderten Projektes der Arbeitsgruppe Treeck ist es nun, die Bedeutung verschiedener Hormonrezeptor-Profile für die Prognose und Therapie beim Brustkrebs zu untersuchen. Da die verschiedenen Rezeptortypen nicht nur unterschiedliche Effekte auf die Brustkrebszelle ausüben, sondern auch noch miteinander interagieren, ist es wichtig, nicht nur -wie bisher- das Vorhandensein eines Rezeptortyps zu untersuchen, sondern alle für Prognose und Therapie relevanten Rezeptoren.

Diese Untersuchung soll es ermöglichen, jeder Patientin eine maßgeschneiderte Therapie, zugeschnitten auf ihr individuelles Rezeptorprofil, zukommen zu lassen. Ein weiteres Resultat des nun angelaufenen Projektes soll es sein, Rezeptoren zu identifizieren, die sich als Zielmoleküle für neue Therapeutika eignen könnten, um die Therapie von Frauen mit Brustkrebs noch weiter zu verbessern.

Kontakt:

PD Dr. rer. nat. Oliver Treeck, Lehrstuhl für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität Regensburg.

Telefon: 0941-7827520,
E-mail: treeck@caritasstjosef.de

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 90.000 €.

Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Weitere Informationen zur Stiftung: www.sanst.de

Pressemitteilung Wilhelm Sander-Stiftung, Bernhard Knappe


Krebszeitung

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  • Strahlentherapie eines Patienten in der Charité Berlin
    Radiologie

    Etwa 5.000 Menschen in Deutschland werden in jedem Jahr mit der Diagnose Schilddrüsenkrebs konfrontiert, zudem ist eine stetige Zunahme der Erkrankung zu erkennen. Diese Tumorart ist damit die häufigste Form bösartiger Veränderungen der hormonproduzierenden Drüsen. Die große Herausforderung besteht darin, den Tumor frühzeitig zu entdecken. Hierbei kommen nuklearmedizinische Diagnose- und Therapieverfahren zum Einsatz. Sie machen es möglich, die Schilddrüsentumore bereits in frühen Stadien zu erkennen und zu behandeln und so die Sterblichkeit an dieser Erkrankung deutlich zu senken. Mit Ausnahme der Operation übernimmt die Nuklearmedizin hier praktisch die gesamte Diagnose und auch Therapie.

    Knotige Veränderungen der Schilddrüse finden sich bei etwa einem Viertel der bundesdeutschen Bevölkerung. Hintergrund ist der langjährige Iodmangel, der zu einem vermehrten Wachstum des Organs und zur Bildung von Knoten führt. Die große Mehrzahl dieser Schilddrüsenknoten ist jedoch gutartig. Hat sich aber Schilddrüsenkrebs gebildet, muss der Schilddrüsentumor – und damit auch die gesamte Schilddrüse – operativ entfernt werden. Aufgrund zu befürchtender Komplikationen, wie etwa einer möglichen Verletzung des Stimmbandnervs, kann die Schilddrüse oft jedoch nicht komplett entfernt werden. Vielmehr ist es nach der Operation die Aufgabe der risikoarmen, nuklearmedizinischen Radioiodtherapie, das verbliebene Schilddrüsengewebe und darin eventuell noch enthaltene Tumorzellen komplett auszuschalten.

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  • Genetisch markierte (gelb) und nicht markierte (rot) Stromazellen in Tumorgewebe. Blutgefäß in blau. - Quelle: AG Ludewig
    Forschung

    Genetisch markierte (gelb) und nicht markierte (rot) Stromazellen in Tumorgewebe. Blutgefäß in blau. - Quelle: AG LudewigUm Tumorerkrankungen besser verstehen und behandeln zu können, gehen Prof. Dr. Ludewig und sein Team am Kantonsspital St. Gallen (Schweiz) einen neuen Weg: Sie wollen das Versorgungssystem von Krebsgeschwüren gezielt schwächen und den Tumor damit aushungern. Die Forschenden am Institut für Immunbiologie haben eine Methode entwickelt, mit der sie die entsprechenden Zellen genetisch markieren. Das könnte Ärzten künftig die Möglichkeit eröffnen, Versorgungsleitungen des Tumors gezielt anzugreifen und zu zerstören – und damit den Therapieerfolg zu verbessern.

    Neben den eigentlichen Tumorzellen finden sich im Tumorgewebe sogenannte Stromazellen, die das strukturelle Grundgerüst des Tumors bilden und die entarteten Tumorzellen mit Nährstoffen und Überlebensfaktoren versorgen. Das Tumorstroma besteht aus unterschiedlichen Zelltypen.

    Im Labor des Instituts für Immunbiologie des Kantonsspitals St. Gallen wurden Modellsysteme entwickelt, mit denen die Tumorstromazellen markiert und charakterisiert werden können. Ziel des von der Wilhelm Sander- Stiftung geförderten Projekts ist es nun, neue Erkenntnisse über die unterschiedlichen Tumorstromazellen zu gewinnen. Darüber hinaus testen die Mediziner, ob ein gezielter Angriff auf die Zellen einen therapeutischen Vorteil mit sich bringt.

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