Hormontherapie bei Prostatakrebs

Mit der Echtzeit - Elastographie werden Tumorareale in der Prostata genauer sichtbar - Quelle: Hitachi Medical
Mit der Echtzeit - Elastographie werden Tumorareale in der Prostata genauer sichtbar - Quelle: Hitachi Medical

Berlin – Patienten mit nicht operablem Prostatakrebs erhielten bisher häufig ausschließlich eine Hormontherapie. Diese soll das Wachstum des Tumors bremsen, indem sie die Freisetzung des männlichen Geschlechtshormons Testosteron hemmt. Eine begleitende Strahlentherapie kann die Überlebenschancen der Patienten jedoch deutlich verbessern. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich einer Studie hin, die kürzlich im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht wurde.

Begleitende Bestrahlung verbessert Überlebenschancen

Bei Patienten mit fortgeschrittenem Krankheitsverlauf breitet sich ein Tumor in der Prostata auch auf benachbarte Organe, zum Beispiel die Samenblasen, aus. Auch wenn noch keine Lymphknoten befallen waren, erschien eine Heilung vielen Ärzten bisher aussichtslos. Ziel der Behandlungsansätze war es daher häufig nur, das männliche Geschlechtshormon Testosteron auszuschalten. Denn dieses fördert das Krebswachstum. Vor 20 Jahren entfernten die Ärzte den Betroffenen deshalb noch die Hoden. Heute können sie die Testosteronproduktion auch medikamentös stoppen. „Eine Bestrahlung ergänzt diese Hormontherapie in idealer Weise. Denn während eine Hormongabe lediglich das Tumorwachstum hemmt, zerstört die Strahlentherapie die Krebszellen in der Prostata“, erklärt DEGRO-Präsident Professor Dr. med. Volker Budach, Chefarzt an der Klinik für Radioonkologie an der Berliner Charité.

In einer Studie aus Skandinavien konnte jetzt erstmals belegt werden, dass die Kombination von Hormon- und Strahlentherapie den Patienten tatsächlich nutzt. 875 Männer aus Schweden, Norwegen und Dänemark hatten an ihr teilgenommen. Nach zehn Jahren waren 24 Prozent der Patienten, die nur Hormone erhielten, an dem Prostatakarzinom gestorben. Unter den Patienten, die zusätzlich bestrahlt wurden, waren es nur halb so viele. „Das ist ein klarer Vorteil, der keinem Patienten vorenthalten werden sollte“, fordert Budach. „Die Strahlentherapie bietet Patienten, deren Lymphdrüsen noch nicht befallen sind, zudem durchaus die Aussicht auf eine Heilung. Erfolgt die Behandlung nur mit Hormonen, besteht diese Chance nicht.“

Für die begleitende Strahlentherapie sprechen auch die geringen Nebenwirkungen. Probleme beim Wasserlassen, Durchfallerkrankungen oder Potenzstörungen traten nur unwesentlich häufiger auf als bei dem ausschließlichen Einsatz einer Hormontherapie. Dass Bestrahlungen in den letzten Jahren immer weniger Nebenwirkungen mit sich bringen, liegt an den großen technischen Fortschritten auf diesem Gebiet. „Mit modernsten Geräten sind wir heute in der Lage, einen Tumor ganz präzise und auf den Millimeter genau zu bestrahlen“, berichtet Budach.

Dies ermöglicht es den Ärzten auch, eine höhere Strahlendosis einzusetzen. Umliegendes Gewebe bleibt weitgehend verschont.

Quelle:

Widmark A, Klepp O, Solberg A, Damber JE, Angelsen A, Fransson P, Lund JA, Tasdemir I, Hoyer M, Wiklund F, Fosså SD; Scandinavian Prostate Cancer Group Study 7; Swedish Association for Urological Oncology 3.

Endocrine treatment, with or without radiotherapy, in locally advanced prostate cancer (SPCG-7/SFUO-3): an open randomised phase III trial.

Lancet 2009; 373: 301-8

Pressemitteilung Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Medizin – Kommunikation


Krebszeitung

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    Die „Haut-Typen“ des Papillomavirus lassen Warzen entstehen und spielen möglicherweise bei bestimmten Hautkrebsarten eine Rolle. Die „Schleimhaut-Typen“ des Papillomavirus können unterschiedlich gefährlich sein: die Niederrisiko-Typen verursachen Warzen im Genitalbereich, die Hochrisiko-Typen können dagegen Gebärmutterhalskrebs auslösen.

    Neben dem Genitalbereich können die humanen Papillomaviren auch andere Schleimhautbereiche befallen. Zum Beispiel gehen auch Krebsarten im Mundrachenraum auf das Konto der Viren. Insgesamt verursachen die humanen Papillomaviren jedes Jahr 530.000 neue Krebsfälle, 275.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen.

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