Immer mehr Blasenkrebskranke

Atlas der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister - Quelle: GEKID
Atlas der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister - Quelle: GEKID

Nach neuesten Schätzungen des Robert-Koch Instituts (RKI) für das Jahr 2004 erkrankten etwa 28.750 Menschen in Deutschland neu an Harnblasenkrebs und etwa 6.194 Menschen starben an dem Krebs der Harnblase. Demnach erkrankt etwa alle 18 Minuten ein Mensch in Deutschland an Blasenkrebs und etwa jede Stunde stirbt jemand bei uns an diesem Krebs, dessen Neuerkrankungsrate im Gegensatz zu anderen Krebsarten immer weiter ansteigt. Denn vergleicht man diese Statistik mit der aus dem Jahr 2000, dann ergibt sich ein Anstieg der Neuerkrankungen von etwa 4.000 Menschen innerhalb von vier Jahren. Da in den letzten Jahren nichts für die rechtzeitige Früherkennung von Harnblasenkrebs im Gesundheitssektor getan wurde, ist zu befürchten, dass die Neuerkrankungsrate von Harnblasenkrebs in diesem Jahr bei etwa 32.750 Menschen liegen dürfte.

Urologen fordern ein risikoadaptiertes Screening

Harnblasenkrebs ist eine Krebsart, die oft bei solchen Menschen auftritt, die während ihres Lebens häufig mit krebserregenden Stoffen zu tun hatten. Dabei kann der Zeitpunkt bis zum Ausbruch der Krankheit Jahrzehnte zurückliegen. Leider wissen immer noch zu wenige Menschen über die Risiken, die zu Harnblasenkrebs führen können Bescheid.

Der wichtigste Risikofaktor für Blasenkrebs ist das Rauchen. Ein erhöhtes Risiko für Blasenkrebs haben wegen des häufigen Umgangs mit krebsauslösenden Substanzen außerdem Industrie- und Bauarbeiter, Berufskraftfahrer und Tankstellenbedienstete, Feuerwehrleute, Druckereibeschäftigte und Frisöre. Ein weiterer Risikofaktor kommt fast nur bei Frauen zum Tragen: Haare färben. Wer etwa 15 Jahre lang regelmäßig die Haare mit dauerhaften Mitteln gefärbt hat, bei dem verdreifacht sich die Blasenkrebsgefahr. Und wer in Afrikanischen Gewässern baden geht, dem droht neben der Bilharziose (auch Schistosomiasis), eine bakterielle Infektionskrankheit, auch der Harnblasenkrebs. Auch eine familiäre Disposition führt zu einem erhöhten Harnblasenkrebsrisiko.

Männer sind nach der veröffentlichten Schätzung des Robert-Koch Instituts (RKI) etwa drei Mal so häufig betroffen als Frauen, wobei rauchende Frauen stärker gefährdet sind als Männer. Aber eine Früherkennungsuntersuchung erhalten sogar Risikogruppen nur selten, denn sie gibt es bei den gesetzlichen Krankenkassen erst gar nicht. Denn bereits in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden Urinuntersuchungen von der Früherkennungsliste gestrichen. Fatal, wie es sich jetzt bei den ständig steigenden Neuerkrankungszahlen zeigt. Hier würde ein risikoadaptiertes Screening der betroffenen Bevölkerungsgruppen helfen.

Denn ein Drittel der Betroffenen leidet bereits an einem invasiven Tumor, wenn die Diagnose gestellt wird. Das beeinträchtigt die Heilungs- und Überlebenschancen erheblich. Experten wie der Urologe Professor Arnulf Stenzl von der Universitätsklinik Tübingen fordern seit längerem, Menschen mit erhöhtem Risiko routinemäßig auf Blasenkrebs zu untersuchen.

Für eine günstige Prognose ist es entscheidend, dass das Blasenkarzinom rechtzeitig erkannt wird. Doch Frühsymptome gibt es nicht. Der Tumor kann jahrelang unbemerkt wachsen. „Symptome treten beim Blasenkrebs erst auf, wenn der Tumor zerfällt und es blutet, oder wenn der Tumor sich im Blasenausgang verfängt“, erläutert dazu Prof. Dr. med. Jens Erik Altwein.

Und: „Wir können die Diagnostik des Harnblasenkarzinoms durch eine struktuelle Neuorientierung verbessern. Risikoadaptiertes Screening ist in der Krebsvorsorge sicherlich eines der wichtigsten Punkte, um Kosten- und Nutzeneffektivität zu erhalten. Ein Marker dazu wäre der UBC Rapid Test als urinlöslicher Marker. Damit hätte man eine Vermeidungspotenz von 3.000 bis 5.000 Menschen pro Jahr, die bei Diagnosestellung nicht mit einem invasiven Blasentumor diagnostiziert werden“, so auch Dr. med. Gerson Lüdecke, Urologe.

Denn die Kosten für unser Gesundheitssystem, die sich für zu spät diagnostizierte Harnblasenpatienten ergeben, sind immens. Hier würde sich ein riskoadaptiertes Screening wirklich lohnen, ganz zu schweigen von der erhöhten Lebenserwartung und Lebensqualität der betroffenen Patienten! Und um diese sollte es doch gehen oder irre ich mich da?

Aufklärung der Bevölkerung tut Not

Seit 2006 fahre ich nun in ganz Deutschland mit unserem Blasenkrebs-Mobil herum, um die Bevölkerung unseres Landes über Harnblasenkrebs und dessen Risiken, Vorsorgemaßnahmen und Früherkennungsuntersuchungen zu informieren. Jedes Jahr habe ich zwei Deutschlandtouren quer durch unsere Städte und Ortschaften durchgeführt. So auch dieses Jahr, wo ich Mitte August die Reise mit unserem Blasenkrebs-Mobil von Berlin aus antrete, bis hin zu den südlichsten und nördlichsten Zipfel unserer Republik.

Ende September werde ich in Stuttgart während des diesjährigen DGU-Kongresses mit dem Blasenkrebs-Mobil vor Ort sein, um das Bewusstsein der Bevölkerung über Harnblasenkrebs zu stärken.

An den gestiegenen Neuerkrankungsraten kann ich leider nichts ändern, aber ich und die Selbsthilfe Harnblasenkrebs e.V. mit ihrem Blasenkrebs-Mobil, das Forum für an Blasenkrebs erkrankte und der Selbsthilfe-Bund Blasenkrebs e.V. können und werden mithelfen, die Bevölkerung weiter über Harnblasenkrebs, über Vorsorge und Früherkennungsmaßnahmen und der Diagnostik und Therapie aufzuklären.

Weblinks:

>www.selbsthilfe-harnblasenkrebs.de
www.forum-blasenkrebs.de

Pressemitteilung der Selbsthilfe Harnblasenkrebs e.V., Detlef Höwing


Krebszeitung

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