Impfung gegen Brustkrebs

Impfen gegen Gebärmutterhalskrebs - Quelle: 16.05.13_foto sanofi pasteur msd

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Jedes Jahr erkranken rund 46.000 Frauen in Deutschland neu daran. Nicht alle Betroffenen können mit Operation, Bestrahlung und Chemotherapie geheilt werden. Jetzt gibt eine klinische Studie neue Hoffnung: Durch eine Impfung soll die körpereigene Abwehr die Brustkrebszellen gezielt vernichten. Professor Dr. Diethelm Wallwiener, Studienleiter und Direktor der Universitäts-Frauenklinik Tübingen, untersucht zusammen mit Heidelberger Wissenschaftlern die Wirksamkeit dieses Therapie-Ansatzes bei Brustkrebs-Patientinnen. Die Deutsche Krebshilfe fördert die Studie mit über 400.000 Euro.

Impfung soll Brustkrebszellen gezielt vernichten

Deutsche Krebshilfe fördert klinische Studie

Das Abwehrsystem ist die „Polizei“ des Körpers. Seine Aufgabe: Eindringlinge wie krank machende Bakterien, Viren und Parasiten zu erkennen und zu vernichten. Auch Brustkrebszellen tragen auf ihrer Oberfläche Strukturen, so genannte Tumor-Antigene, welche die Abwehrzellen als „fremd“ erkennen. Die Reaktion des Immunsystems ist jedoch meist zu schwach, um den Kampf gegen die Krebszellen zu gewinnen. Die Immunantwort zu verstärken ist somit das Ziel der Impfung, die im Rahmen der klinischen Studie durchgeführt wird.

„Die Impfung erfolgt ergänzend zur Standardtherapie im Anschluss an oder in Kombination mit allgemein anerkannten Therapieverfahren“, erklärt Dr. Brigitte Gückel, Studienkoordinatorin an der Universitäts-Frauenklinik Tübingen. Insgesamt sollen etwa 30 Brustkrebs-Patientinnen nach dem Protokoll der klinischen Studie behandelt werden.

Sie werden engmaschig überwacht und die Ergebnisse der Behandlung systematisch erfasst und ausgewertet.Als Impfstoff kommen verschiedene Brustkrebs-Antigene zum Einsatz, die bereits entschlüsselt wurden. Diese Tumor-Antigene werden im Labor hergestellt und mit speziellen Immunzellen aus dem Blut der Patientin gemischt. Dabei handelt es sich um so genannte dendritische Zellen, die eine zentrale Bedeutung für die Stimulation der Immunantwort haben: „Die dendritischen Zellen nehmen die Antigene „huckepack“ und wandern nach der Injektion des „Zell-Cocktails“ unter die Haut mit ihrer Antigenfracht zu den Lymphknoten“, erläutert Dr. Gückel das Prinzip der Immuntherapie. „Dort aktivieren sie gezielt spezifische Abwehrzellen, die alle Zellen im Körper vernichten, auf denen die Brustkrebs-Antigene sitzen. Dies betrifft insbesondere das Tumorgewebe und die Metastasen.“

Das Ziel der Studie sei es, die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Impfung zu untersuchen sowie die optimale Dosierung für eine solche Immuntherapie zu finden. So soll diese Studie dazu beitragen, die Behandlungserfolge bei Brustkrebs weiter zu verbessern und Betroffenen die bestmögliche Therapie zu ermöglichen.„Die klinische Studie befindet sich in der Phase I/II der klinischen Arzneimittelprüfung. Sie steht somit erst am Anfang eines langen Weges hin zum zugelassenen Medikament“, bremst die Koordinatorin der Studie zu frühe Hoffnungen. Um auf dem Gebiet der Immuntherapie möglichst bald Fortschritte zu erzielen, ist die Durchführung von klinischen Studien unerlässlich. Nur so können Krebspatienten von neuen und besseren Therapien profitieren.

Infokasten: Klinische Studien
In klinischen Studien, auch Therapiestudien genannt, werden Behandlungsverfahren an einer größeren Zahl von Patienten statistisch geplant, systematisch überprüft und sorgfältig ausgewertet. Grundsätzlich unterscheidet man:
  • Präklinische Studien: Im Labor werden die physikalischen und chemischen Eigenschaften eines neuen Wirkstoffes oder einer neuen Behandlungstechnik untersucht.Klinische Arzneimittelprüfungen in den Phasen I, II und III: In Deutschland dürfen nur Arzneimittel verschrieben und verkauft werden, deren Wirksamkeit und Unbedenklichkeit nachgewiesen sind. Für die Zulassung müssen alle drei Phasen der Reihe nach durchgeführt werden. Phase-IV-Studien überprüfen bereits zugelassene Medikamente.
  • Therapie-Optimierungs-Prüfungen: Etablierte Behandlungsmethoden werden zum Beispiel in anderer zeitlicher Abfolge oder mit anderen Dosierungsschemata angewendet oder neu kombiniert.

Eine Ethikkommission überprüft, ob alle Schutzbestimmungen eingehalten werden und erteilt den Studienärzten die Zustimmung für ihr Vorhaben.

Die Broschüre „Klinische Studien“ der Deutschen Krebshilfe, die weiterführende Informationen enthält, können Sie kostenlos anfordern bei Deutsche Krebshilfe, Postfach 1467, 53004 Bonn, oder im Internet unter www.krebshilfe.de herunterladen. Projekt-Nr.: 70-2917

Pressemitteilung der Deutschen Krebshilfe, Bonn, 05. April 2004

Weitere Informationen dazu:

https://mensch-und-krebs.de/category/krebsthemen/brustkrebs/

https://mensch-und-krebs.de/category/deutsche-krebshilfe/


Krebszeitung

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