Individuelle Wirksamkeit von Chemotherapien

Chemosaturation-Kreislauf -Quelle: Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M.

Neuherberg, 10.05.2013. Die Funktion der Mitochondrien – auch als Kraftwerke der Zellen bezeichnet – ist entscheidend dafür, ob und wie einige Chemotherapeutika im Gewebe wirken. Damit haben Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München ein entscheidendes Zellmerkmal entdeckt, das den Therapieerfolg vorhersagen könnte. Ihre Ergebnisse wurden kürzlich in der Fachzeitschrift ‚The Journal of Pathology‘ veröffentlicht.

Das Ansprechen auf eine Chemotherapie bei Krebspatienten kann individuell sehr unterschiedlich sein. Die Gründe hierfür sind vielfältig und weitgehend unbekannt. Wissenschaftlern der Abteilung Analytische Pathologie (AAP) am Helmholtz Zentrum München ist es nun gelungen, einen beteiligten Mechanismus aufzudecken. Dr. Michaela Aichler und ihre Kollegen fanden heraus, dass die Funktion von Enzymen in der Atmungskette, die in den Mitochondrien der Zellen stattfindet, die Empfindlichkeit der Zellen für Cisplatin-basierte Chemotherapeutika steuert.

Dazu untersuchten die Wissenschaftler das Gewebe von Tumoren der Speiseröhre, des Magens und der Brust von insgesamt 428 Patienten. Mittels bildgebender Verfahren (sogenanntes MALDI-Imaging und LC-MS/MS) konnten Proteinmuster der Zellen erstellt und die dargestellten Enzyme identifiziert werden. Diese Muster von vorhandenen bzw. fehlenden Enzymfunktionen verglichen die Wissenschaftler mit dem klinischen Ansprechen der Patienten auf eine Cisplatin-enthaltende Chemotherapie.

Lag in den Tumorzellen ein Defekt in den Komplexen der Atmungskette – insbesondere an Untereinheiten der spezifischen Cytochrom C Oxidase (COX) – vor, war eine verbesserte Wirkung der Chemotherapie zu beobachten. Diese Korrelation ließ sich auch in nachfolgenden Experimenten an den Gewebeproben nachweisen. Bei fehlender COX-Funktion kam es zu einem schnelleren Zelltod unter Gabe von Cisplatin oder verwandten Stoffen. Zellen mit intakter Atmungskette dagegen zeigten sich resistent gegen die verabreichten Substanzen.

„Die Erkenntnis dieser Zusammenhänge trägt dazu bei, eine verbesserte Vorhersage über die Wirksamkeit bestimmter Chemotherapien treffen zu können“, erklärt Prof. Dr. Axel Walch, Leiter von AAP. „ Möglicherweise lassen sich Mitochondrien bzw. ihre Funktionsenzyme künftig als Biomarker für personalisierte Therapieansätze nutzen.“

Der Schwerpunkt der Gesundheitsforschung am Helmholtz Zentrum München liegt auf den großen Volkskrankheiten. Neben Diabetes und Lungenerkrankungen zählen dazu auch Krebserkrankungen. Ziel des Helmholtz Zentrums München ist es, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung schnell weiterzuentwickeln, um konkreten Nutzen für die Gesellschaft zu erbringen.

Weitere Informationen

Original-Publikation:
Aichler, M. et al. (2013), Clinical response to chemotherapy in oesophageal adenocarcinoma patients is linked to defects in mitochondria, Journal of Pathology, doi: 10.1002/path.4199

Link zur Fachpublikation:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/path.4199/abstract;jsessionid=09E2B1EA2C3EBFD63CCFC132A6DF12A7.d01t02

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.100 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz- Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch- biologische Forschungszentren mit rund 34.000 Beschäftigten angehören. www.helmholtz-muenchen.de

Die Abteilung Analytische Pathologie (AAP) entwickelt wissenschaftlich in Ergänzung zu klinischen und grundlagenorientierten Forschungseinheiten die translationale Forschung von Erkrankungen, die sich in Geweben manifestieren. AAP beschäftigt sich mit der Übersetzung von z.B. in-vitro- Modellen oder Tiermodellen in die Anwendung am Menschen. So verzahnt AAP gemeinsam mit dem Institut für Pathologie (PATH) die grundlagenorientierte Forschung und die diagnostische Anwendung und übersetzt die Erkenntnisse der experimentellen und molekularen Pathologie in Verfahren der Krankheitstypisierung und prädiktiven Diagnostik am Gewebe.

Ansprechpartner für die Medien
Abteilung Kommunikation, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH),
Ingolstädter Landstr. 1,
85764 Neuherberg
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Fax: 089-3187-3324
E-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de

Fachlicher Ansprechpartner
Prof. Axel Walch, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Abteilung Analytische Pathologie,
Ingolstädter Landstr. 1,
85764 Neuherberg
Tel.: 089-3187-3349
E-Mail: axel.walch@helmholtz-muenchen.de


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