Integration der SIRT in das Behandlungskonzept inoperabler Lebertumoren

Der Weg des Katheters bei der Selektiven Internen Radiotherapie - Quelle: SIRT

Die Selektive Interne Radiotherapie (SIRT) ist mittlerweile fester Bestandteil palliativer Behandlungskonzepte von nicht resektablen Lebermetastasen und primärem Leberzellkrebs und gewinnt zunehmend auch im Rahmen der Leberchirurgie an Bedeutung. Durch Injektion radioaktiver Mikrokügelchen in die Leberarterie wird das Tumorgewebe direkt im Körperinneren bestrahlt. Entscheidend für die Wirksamkeit der Therapie ist eine effiziente Patientenselektion im Rahmen eines fächerübergreifenden Tumorboards. Experten stellten die Auswahlkriterien auf dem diesjährigen Chirurgenkongress einem Fachpublikum vor.

Die Selektive Interne Radiotherapie kann die Prognose bei zielgenauer Patientenauswahl signifikant verbessern, war das Fazit von Experten auf dem diesjährigen DGCH-Kongress. Die Therapie wird besonders beim nicht resektablen hepatozellulären Karzinom sowie bei Lebermetastasen aus Darm- und Brustkrebs oder neuroendokrinen Tumoren eingesetzt. Aber auch Cholangiokarzinome und Metastasen aus dem Pankreas oder des okulären Melanoms zeigen nach SIRT gute Ansprechraten.

„Bei der SIRT ist eine sorgfältige Patientenselektion Voraussetzung für den Therapieerfolg. Die Indikation sollte stets im Rahmen eines interdisziplinären Tumorboards aus erfahrenen Onkologen, Leberchirurgen, Nuklearmedizinern und interventionellen Radiologen gestellt werden“, empfiehlt Prof. Dr. Christiane Bruns, leitende Oberärztin der Chirurgischen Klinik und Poliklinik am Klinikum der Universität München in Großhadern und Mitglied der Expertengruppe Selektive Interne Radiotherapie. Um für die Therapie in Frage zu kommen, sollte ein guter Performance-Status gegeben sein. Zudem muss der Bilirubinspiegel unter 2 mg/dl liegen, um das Risiko einer Strahlenhepatitis gering zu halten. Vor der Behandlung ist auch eine signifikante extrahepatische Metastasierung auszuschließen. Ein hepato-pulmonaler Shunt über 20 Prozent ist als Kontraindikation anzusehen und Experten empfehlen, eine radiosensibilisierende Chemotherapie mindestens zwei Wochen vor und nach der SIRT auszusetzen. Zudem sollte die Leber zuvor nicht perkutan bestrahlt worden sein.

Erfüllt der Patient die grundsätzlichen Voraussetzungen, wird er stationär aufgenommen. Bei der Behandlung injiziert ein Team aus Radiologen und Nuklearmedizinern Millionen radioaktiver Kunstharz-Mikrosphären, sogenannte SIR-Spheres, über einen Katheter in die Arteria hepatica. Die mit dem Betastrahler Yttrium-90 angereicherten Kügelchen sammeln sich im Tumorgewebe und geben dort punktgenau ihre Strahlung ab. Gesunde Zellen und angrenzende Organe werden weitestgehend geschont.

Aufgrund der geringen Nebenwirkungen ist die SIRT in der Regel gut verträglich. „Schwerwiegende Komplikationen wie ein strahleninduziertes Leberversagen sind bei adäquater Patientenselektion sehr selten. Zudem kann eine sequentielle Behandlung des rechten und linken Leberlappens mit SIRT in einem Abstand von etwa vier bis sechs Wochen das Risiko einer Strahlenhepatitis entscheidend minimieren“, erläutert Prof. Dr. Jens Ricke, Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Magdeburg und Mitglied der Expertengruppe Selektive Interne Radiotherapie.

Patienten können mithilfe der Therapie von einer längeren Überlebenszeit1,2,3,4 und einer gesteigerten Lebensqualität5 profitieren. Zudem ist die SIRT in einigen Kliniken Bestandteil von Leberresektionsprotokollen und wird dort zum Downsizing der Lebertumoren eingesetzt. Auf diese Weise kann in Einzelfällen eine anschließende Operation oder Transplantation ermöglicht werden. Derzeit überprüfen die drei prospektiven randomisierten Phase-IIIStudien „SIRFLOX“, „FOXFIRE“ und „FOXFIRE global“ die Effizienz der SIRT in Kombination beziehungsweise im Vergleich mit systemischer Chemotherapie bei Patienten mit kolorektalen Lebermetastasen. Für Patienten mit hepatozellulärem Karzinom ermittelt die Phase IIStudie „SORAMIC“ die Wirksamkeit der Kombination von Sorafenib und SIRT. „SARAH“ und „SIRveNIB“ stellen hingegen SIR-Spheres und Sorafenib direkt gegenüber und untersuchen, mit welchen der beiden Therapien sich ein höheres progressionsfreies Intervall realisieren lässt. All diese Studien werden fundierte Aussagen zum Gesamtüberleben und zur Leberresektionsrate zulassen.

Referenzen

  1. Seidensticker R et al. Cardiovasc Interv Radiol 2012; 35; 1066‒1073.
  2. Hendlisz A et al. J Clin Oncol 2010; 28: 3687–3694.
  3. Bester L et al. J Vasc Interv Radiol 2011; D0I: 10.1016/j.jvir2011.09.028
  4. Sangro B et al. Hepatology 2011; 54(3): 868-878.
  5. Van Hazel G et al. Journal of Surgical Oncology 2004; 88; 78-85.

Zur Selektiven Internen Radiotherapie

Die Selektive Interne Radiotherapie ist eine interdisziplinäre Strahlentherapie zur Behandlung primärer Lebertumoren und Lebermetastasen. Ein Ärzteteam bringt dabei mit einem Katheter Millionen winziger radioaktiver Mikrokügelchen in die Leberarterie ein. Diese wandern mit dem Blutstrom direkt zum tumorösen Gewebe in der Leber. Dort können die mit dem Beta-Strahler Yttrium-90 angereicherten Kügelchen ganz gezielt die bösartigen Zellen bestrahlen. Im Lebergewebe reicht die Strahlung über eine geringe Entfernung von etwa einem Zentimeter. Folglich kann bei der SIRT – im Vergleich zur Bestrahlung des Körpers von außen – eine sehr viel höhere Dosis gegen die Krebszellen gerichtet werden. Gesunde Zellen und angrenzende Organe werden dabei weitestgehend geschont und das erkrankte Gewebe gezielt bestrahlt.

Weitere Informationen und Bildmaterial zur Selektiven Internen Radiotherapie und Expertengruppe finden Sie auf www.leberkrebstherapie.org. Gern stehen wir Ihnen für Interviews zur Verfügung.

Bei Fragen kontaktieren Sie bitte das Pressebüro:
Expertengruppe Selektive Interne Radiotherapie
c/o ipse Communication
Anita Urban
Albrechtstraße 14 B
10117 Berlin
Tel. 030 288846-14
Fax 030 288846-46
E-Mail a.urban@leberkrebstherapie.org

Pressemitteilung von Expertengruppe Selektive Interne Radiotherapie c/o ipse Communication, Anita Urban

Neu entdecktes Enzym fördert Metastasierung


Krebszeitung

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  • Histologischer Schnitt durch eine Prostata mit normaler Drüsenstruktur (links) und Tumorzellherden (rechts). Farblich unterscheidbar sind Zellkerne (braun), Bindegewebe (blau) und Drüsenlumen (weiße Bereiche). Maßstab/ Vergrößerung: 200-fach Quelle: NGFN
    Prostatakrebs

    Berlin – Die besten Behandlungsergebnisse beim lokalisierten, also auf die Prostata beschränkten, Prostatakarzinom werden mit einer Strahlentherapie erreicht. Entweder als Brachytherapie (einer Strahlentherapie „von innen“) oder als Kombination von Brachytherapie und externer Strahlentherapie. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich einer kürzlich im British Journal of Urology International (BJUI) publizierten, systematischen Analyse von mehr als 52 000 Erkrankungsfällen hin.

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  • v.links n.rechts: Bernd Schmidt, Friedrich Carl Janssen, Prof. Dr. Otmar D. Wiestler, Gerd Nettekoven - Foto: D.Höwing
    Deutsche Krebshilfe

    Berlin (ct) – „Gemeinsam wirken, Synergien nutzen, Expertise bündeln“ – das ist das Ziel der verstärkten Kooperation von Deutscher Krebshilfe und Deutscher Krebsgesellschaft, die auf der Jahres-Pressekonferenz der Deutschen Krebshilfe am 2. Juli 2012 in Berlin vorgestellt wurde. „Damit findet ein Schulterschluss zweier Organisationen statt, die sich seit Jahrzehnten auf unterschiedlichen Ebenen für Krebs-Patienten engagieren: die Deutsche Krebsgesellschaft als Medizinische Fachgesellschaft und wir als Hilfs- und Förderorganisation“, sagte Hans-Peter Krämer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe, in Berlin. Das Spendenergebnis der Deutschen Krebshilfe im Jahr 2011 betrug 88,2 Millionen Euro. Damit hat die Organisation 155 neue Projekte gefördert und so die Versorgung krebskranker Menschen in Deutschland weiter verbessert.

    Starkes Bündnis von Deutscher Krebshilfe und Deutscher Krebsgesellschaft

    „Nach Angaben des Deutschen Spendenrats ist die Spendenbereitschaft in Deutschland im letzten Jahr gesunken. Umso mehr freut es uns, dass wir unsere Einnahmen auch in diesem Jahr wieder auf einem hohen Niveau halten konnten“, sagte Dr. Fritz Pleitgen, Präsident der Deutschen Krebshilfe, auf der Jahres-Pressekonferenz der Organisation in Berlin.

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