Integrative Medizin in der Onkologie

Immunzellen in einem Dickdarmtumor (Gewebepräparat). T-Helfer-Zellen (rot) liegen zwischen den Drüsenstrukturen der Tumorzellen (Zellkerne blau gefärbt). - Quelle: Klaus-Peter Janssen
Immunzellen in einem Dickdarmtumor (Gewebepräparat). T-Helfer-Zellen (rot) liegen zwischen den Drüsenstrukturen der Tumorzellen (Zellkerne blau gefärbt). - Quelle: Klaus-Peter Janssen

Vor allem in der Behandlung von Nebenwirkungen und bei der Tumornachsorge gibt es Potenzial für komplementäre Methoden und Naturheilkunde. So lautet das Fazit einer Fachtagung über integrative Onkologie am Tempelhofer Darmzentrum, St. Joseph Krankenhaus Berlin, gefördert von der Karl und Veronica Carstens-Stiftung.

Die Akutbehandlung von Krebserkrankungen des Dickdarms hat inzwischen ein erstklassiges Niveau erreicht. Doch eine Krankengeschichte ist mit Operation und Krankenhausaufenthalt nicht zu Ende. „Wir stellen immer wieder fest, dass bei vielen Patienten im ersten oder zweiten Jahr nach der Operation Beschwerden auftreten“, sagt Prof. Dr. Reiner Kunz, Leiter des Tempelhofer Darmzentrums.

Die Symptome werden dabei in den meisten Fällen nicht vom Tumor verursacht, sondern sind Folge der Nebenwirkungen oder psychisch bedingt – eine somatische Therapie greift daher nicht. Der Patient hat häufig das Vertrauen in seinen Körper verloren, empfindet die Erkrankung möglicherweise als soziales Stigma und verliert seine Zukunftsperspektive.

„Eine Depression erhöht die Mortalitätsrate bei Krebspatienten um bis zu 40 Prozent“, so Andreas Michalsen, Professor für klinische Naturheilkunde an der Charité und Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin. Die psychoonkologische Betreuung während und nach der Akutphase sei zentral für den Behandlungserfolg. Vier von zehn Patienten benötigen eine solche Unterstützung.

Komplementärmedizin in der Onkologie

Neben einer Psychotherapie kann die Komplementärmedizin eine tragende Rolle spielen, um Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie abzumildern. Am häufigsten leiden Patienten beispielsweise an Fatigue, einem chronischen Erschöpfungssyndrom. Dies wiederum kann eine Depression auslösen oder verstärken. Akupunktur-Sitzungen sind in der Lage, die Ausprägung zu verringern; regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung wirken sich günstig auf die Lebensqualität aus. Trainings in achtsamkeitsbasierter Stressreduktion unterstützen Patienten darin, mit ihrer Angst umzugehen und im Alltag wieder Fuß zu fassen.

Oft machen derartige Supportiva eine intensive schulmedizinische Therapie überhaupt erst möglich. Eine Studie gibt erste Hinweise darauf, dass kurzzeitiges Fasten vor einer Chemotherapie Krebszellen empfänglicher für die Therapie macht und gleichzeitig gesunde Körperzellen schützt.

Perspektiven und Hindernisse integrativer Onkologie

Die Evidenz ist vorhanden – das Wichtigste ist die Frage, wie die Umsetzung in die Praxis erfolgen kann“, resümiert Prof. Andreas Michalsen. Denn es gibt durchaus Hindernisse: Akupunktursitzungen müssen beispielsweise mehrmals in der Woche wiederholt werden, um eine Wirkung zu erzielen – das macht Ressourcen nötig. Ambulanzen für Integrative Onkologie, in denen Onkologen, Komplementärmediziner und Psychologen gemeinsam arbeiten, sind derzeit auf die Unterstützung von Stiftungen und anderen Mittelgebern angewiesen. Eine breitere Anerkennung durch das Gesundheitssystem wäre daher wünschenswert.

Die Versorgungsforschung in der integrativen Onkologie müsse ferner ausgebaut werden um Qualität und Kosteneffizienz komplementärer Verfahren sicherzustellen und den Bedarf zu ermitteln. Die von der Carstens-Stiftung geförderte Konferenz am Tempelhofer Darmzentrum konnte hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten.

Ansprechpartner
Prof. Dr. med. Andreas Michalsen
Charité Universitätsmedizin Berlin und Immanuel Diakonie Group Berlin
Stiftungsprofessur für Klinische Naturheilkunde der Charité Immanuel Krankenhaus Berlin
Königstrasse 63
14109 Berlin
Tel.: 030 80505 691
a.michalsen@immanuel.de
http://naturheilkunde.immanuel.de

Prof. Dr. Reiner Kunz
St. Joseph Krankenhaus
TeDaZett (Tempelhofer Darmzentrum)
Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie
Wüsthoffstraße 15
12101 Berlin
Tel. 030 7882 2282
reiner.kunz@sjk.de
www.sjk.de

Michèl Gehrke
Karl und Veronica Carstens-Stiftung
Kommunikation und Medien
Am Deimelsberg 36
45276 Essen
Tel: 0201 56305 61
m.gehrke@carstens-stiftung.de
www.carstens-stiftung.de

Pressemitteilung Karl und Veronica Carstens-Stiftung, Frederik Betsch


Krebszeitung

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    Professionelle Hilfe ist immer dann erforderlich, wenn die eigenen Ressourcen für die Krankheitsbewältigung nicht ausreichen. Betroffene, die unter Depressionen leiden, brauchen dringend Unterstützung. Und auch sozialer Rückzug, Schlafstörungen, Ängste oder andere psychische Störungen sind Hinweise dafür, dass psychoonkologische Hilfe notwendig sein könnte. Eine umfassende pychoonkologische Betreuung hat das Ziel, dem Betroffenen zu helfen, seine Krankheit aktiv zu bewältigen und zu lernen, mit den Symptomen und den Therapienebenwirkungen besser umzugehen. Eine adäquate psychoonkologische Hilfe umfasst die enge Zusammenarbeit eines Teams von Fachkräften: Ärzte, Psychologen, Pflegende, Sozialarber, Seelsorger und Physiotherapeuten sind notwendig. Selbsthilfegruppen können die Leistungen des professionellen Versorgungssystems sinnvoll ergänzen.

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