Können antike Viren bei der Behandlung von Tumoren helfen?

Der HDAC-Inhibitor verstärkt deutlich die Wirkung eines Chemotherapeutikums in Prostatakrebszellen. - Quelle: Prof. James Beck, Universitätsklinikum Jena
Der HDAC-Inhibitor verstärkt deutlich die Wirkung eines Chemotherapeutikums in Prostatakrebszellen. - Quelle: Prof. James Beck, Universitätsklinikum Jena

Für neue Ansätze in der Krebstherapie könnten antike Viren künftig bedeutsam sein. Vor Millionen Jahren infizierten sich die Vorfahren des Menschen mit Viren, welche die Herstellung körpereigener Eiweiße beeinflussen. In der Arbeitsgruppe von Professor Matthias Dobbelstein an der Uniklinik Göttingen wurde das Eiweiß Tumorsuppressor p63 gefunden, das durch ein „endogenes“ Virus reguliert wird. Das Besondere daran: Die Herstellung dieses speziellen Eiweißes lässt sich durch bestimmte Substanzen, sogenannte HDAC-Hemmstoffe, herbeiführen. Im laufenden Forschungsprojekt wird untersucht, ob die antiken Viren nützlich sind, um Tumorsuppressoren „anzuschalten“ und Tumorzellen zu schädigen.

Jede Zelle des menschlichen Körpers enthält die Baupläne für alle körpereigenen Eiweiße. Neben diesen „Bauanleitungen“ enthält das menschliche Erbgut allerdings auch einen hohen Anteil an Virusinformation. Vermutlich steckten sich unsere Vorfahren vor vielen Millionen Jahren mit den damaligen Viren an, welche seit dem im menschlichen Erbgut verankert sind. Natürlich stellt sich die Frage, ob die viralen Baupläne nur durch Zufall im Laufe der Evolution erhalten blieben, oder ob es einen Grund für ihre Aufbewahrung gibt. Könnten die Virusbausteine vielleicht sogar eine Rolle für unser gesundes Leben spielen?

Von Bedeutung könnten hier virale Regulatoren sein, die sich im Genom finden. Diese sogenannten Long Terminal Repeats (LTR)-Regulatoren sind entscheidend für die Menge und Gestaltung des Eiweißes. In der von Professor Matthias Dobbelstein geleiteten Arbeitsgruppe fand Dr. Ulrike Beyer nun einen solchen viralen LTR aus der Familie der Endogenen Retroviren 9, der die Herstellung des Tumorsuppressors p63 organisiert. Tumorsuppressoren werden auch als „Bremsen“ in der Tumorentwicklung bezeichnet. Sie veranlassen ein Anhalten der Zellvermehrung oder den kontrollierten Zelltod und verhindern dadurch die unkontrollierte Vermehrung.

Durch Behandlung mit bestimmten Substanzen lässt sich nun die Herstellung dieser viral regulierten Variante gezielt herbeiführen. Bei diesen Substanzen handelt es sich um Hemmstoffe für Histon-Deazetylasen (HDAC), welche durch das Entfernen von Acetylresten von bestimmten Eiweißen die Aktivität und Zugänglichkeit des Erbguts beeinflussen können. Ein solcher HDAC Hemmstoff (Vorinostat) ist bereits für die Behandlung bestimmter Lymphome zugelassen.

Mit Hilfe moderner Sequenzierungsmethoden wurden in Vorarbeiten bereits weitere potentielle Tumor-Suppressoren identifiziert, die durch einen LTR der ERV9 Familie reguliert werden. In einem von der Wilhelm Sander- Stiftung geförderten Forschungsprojekt wollen die Wissenschaftler nun die ERV9 LTR-abhängige Herstellung der Eiweiße nachweisen und untersuchen, ob sich eine vergleichbare Aktivierung durch HDAC-Hemmstoffe erzielen lässt.

Darüber hinaus soll im Zellkultursystem geklärt werden, wie die starke Aktivierung der ERV9 LTR-regulierten Gene durch HDAC-Hemmstoffe funktioniert. Unter anderem sollen Acetylierungen an Eiweißen, die an der Organisation des Genoms beteiligt sind, mithilfe biochemischer Methoden untersucht werden. Dies soll klären, ob die massive Aktivierung der ERV9 LTR-regulierten Gene zur Anti-Tumor-Wirkung von HDAC-Hemmstoffe beiträgt.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 160.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Millionen Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt (Projektleitung):
Prof. Dr. med. Matthias Dobbelstein,
University of Göttingen,
Telefon: +49 (0)551 39-13840;
E-Mail: mdobbel@gwdg.de

Weitere Informationen zur Stiftung: http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Pressemitteilung Wilhelm Sander-Stiftung, Bernhard Knappe

Gefahr weißer Hautkrebs


Krebszeitung

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  • Abb. 1: Gesamtüberleben in der Studie COU-AA-301 unter Abirateronacetat (AAP) vs. Placebo (PP) (jeweils plus Prednison oder Prednisolon) seit der ersten Docetaxel-Dosis (modifiziert nach [2]).
    Prostatakrebs

    Durch die Zulassung von neuen Wirkstoffen und deren sequentiellen Einsatz hat sich die Prognose beim metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC), die lange Zeit sehr schlecht war, in den letzten Jahren erheblich verbessert. So erzielte zunächst Docetaxel plus Prednison (DP) in dessen Zulassungsstudie TAX 327 ein medianes Überleben von 19,2 Monaten1. Im September 2011 wurde dann Abirateronacetet (Zytiga®) in Kombination mit Prednison/Prednisolon (AAP) für die Therapie des mCRPC zugelassen, wenn die Erkrankung während oder nach einer Docetaxel-haltigen Chemotherapie progredient ist. Eine aktuelle Auswertung der Zulassungsstudie von AAP zeigt, dass sich durch den sequentiellen Einsatz von Docetaxel firstline sowie Abirateronacetat mit Prednison/Prednisolon secondline das mediane Überleben der Patienten, gemessen ab der ersten Docetaxelgabe (DP), auf im Median 32,6 Monate verlängerte2.

    mCRPC nach Docetaxel: Neue Auswertungen zum Gesamtüberleben aus der COU-AA-301 Studie

    In der explorativen Post-hoc-Analyse, die im Juni auf dem ASCO Annual Meeting 2012 vorgestellt wurde, untersuchten Goodman et al. den Überlebensvorteil unter Abirateronacetat mit Prednison/Prednisolon (AAP) in Abhängigkeit von der Docetaxel-Vortherapie, um dessen Robustheit zu evaluieren2. Abirateronacetat (n=797) hatte in der Studie COU-AA-301 bei mCRPC-Patienten nach Versagen von ein bis zwei Chemotherapie-Regimen inklusive Docetaxel das mediane Überleben gegenüber Placebo (n=398) (je plus Prednison/Prednisolon: AAP vs. PP) signifikant um 4,6 Monate verlängert (15,8 vs. 11,2 Monate, Hazard Ratio 0,74, p<0,0001)3.

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  • Strahlentherapie eines Patienten in der Charité Berlin
    Krebsthemen

    Ein Drittel der Tumorpatienten leidet zu Beginn der Strahlentherapie unter Angst und Depressivität

    Berlin – Krebspatienten fühlen sich ihrer Krankheit oft ausgeliefert. Mehr als ein Drittel der Patienten, die eine Strahlentherapie antreten, leidet zusätzlich unter Angst und Depressivität. Beide Symptome sind zu Beginn der Behandlung stark ausgeprägt, bessern sich jedoch im Verlauf der Strahlentherapie deutlich. Entscheidend für die positive Angstbewältigung und den Umgang mit Trauer, Niedergeschlagenheit oder Antriebslosigkeit ist eine ausführliche Aufklärung und Betreuung durch den Arzt, betont die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich einer aktuellen Studie des Universitätsklinikums Regensburg.

    Noch immer gehört das Thema Krebs in unserer Gesellschaft zu den Tabuthemen. „Da selten offen darüber gesprochen wird, fühlen sich Tumorpatienten häufig isoliert“, sagt Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Präsident der DEGRO und Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Lübeck. „Das verstärkt die Ängste und macht es noch schwerer, die Krankheit angemessen zu verarbeiten.“ Angst und Depressivität belasten die Patienten und schränken ihre Lebensqualität ein.

    Forscher um Professor Dr. med. Oliver Kölbl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Regensburg und Leitlinien-Beauftragter der DEGRO, untersuchten mithilfe eines standardisierten Fragebogens an 60 Krebspatienten Angst und Depressivität. 95 Prozent von ihnen erhielten erstmalig eine Strahlentherapie. Zu drei Zeitpunkten – zu Beginn, zum Ende und sechs Wochen nach Abschluss der Bestrahlung – beantworteten die Probanden den Fragebogen.

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