Krebs als Stigma?

Schon eine Handykamera reicht aus, um Gewebeproben auf Tumorzellen zu prüfen. Foto: Fraunhofer IAP
Schon eine Handykamera reicht aus, um Gewebeproben auf Tumorzellen zu prüfen. Foto: Fraunhofer IAP

Leipziger Wissenschaftler untersuchen Stigmatisierungserfahrungen von Krebspatienten

Leipzig. In Deutschland sehen sich jedes Jahr rund 500.000 Menschen mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Dies ist für die Patienten häufig mit enormen Belastungen verknüpft – nicht nur medizinischer, sondern auch sozialer und psychischer Art. In der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie am Universitätsklinikum Leipzig untersuchen Wissenschaftler jetzt erstmals die Stigmatisierungserfahrungen von Krebspatienten in einer großen empirischen Studie.

Krebserkrankungen werden in der Öffentlichkeit häufig negativer wahrgenommen als andere ernste Erkrankungen. Sie lösen in besonderem Maße Angst und Unsicherheit aus. Die Stigmatisierung der Erkrankung erleben viele Patienten in Form von Zurückweisung oder Ausgrenzung, sei es im Alltag, am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis.

Neben der Krebserkrankung selbst stellt die Stigmatisierung eine zusätzliche Belastung für die Erkrankten dar – ihre Formen und Mechanismen sind jedoch weitestgehend unerforscht. „Die Stigmatisierung von Krebspatienten wurde bislang kaum untersucht. Die wenigen relevanten internationalen Erhebungen zeigen, dass bis zu 80 Prozent der Krebspatienten Stigmatisierung erfahren haben. Mit dem Projekt möchten wir helfen, diese Wissenslücke zu schließen“, so Soziologe PD Dr. Jochen Ernst, Leiter der Studie am Uniklinikum Leipzig.

Die Studie untersucht die Erfahrungen von Patienten vier unterschiedlicher Diagnosegruppen (Brust-, Prostata-, Darm-, Lungenkrebs) und analysiert die sozialen und berufsbezogenen Auswirkungen ihrer Krebserkrankung. Dafür werden 600 Patienten aus Leipzig und Dresden schriftlich befragt.

„Stigmatisierung kann gravierende Folgen nach sich ziehen. Betroffene erleben erhöhten Stress, ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld zurück oder verspüren eine deutlich verminderte Lebensqualität“, weiß PD Dr. Jochen Ernst. Aus Scham oder Angst würden nicht selten auch notwendige medizinische Behandlungsschritte hinausgezögert und damit schlechtere Heilungschancen und ungünstigere Krankheitsverläufe riskiert. „Die Ergebnisse unserer Studie sollen die Mechanismen der Stigmatisierung bei Krebserkrankungen beleuchten sowie Maßnahmen unterstützen, die zu einer Entstigmatisierung von Krebspatienten beitragen“, so Studienmitarbeiter Peter Esser.

Die Studie läuft von April 2016 bis März 2017 und wird von der sächsischen Roland Ernst Stiftung für Gesundheitswesen gefördert. Neben der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie und dem Universitären Krebszentrum Leipzig (UCCL) ist auch das UniversitätsKrebsCentrum am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden daran beteiligt.

Pressemitteilung
Universitätsklinikum Leipzig AöR, Kathrin Winkler M.A., 06.04.2016


Krebszeitung

--Download Krebs als Stigma? als PDF-Datei --


  • Links: CT-Aufnahme, rechts: PET, Mitte: Kombination; Patient mit Lungentumor vor (oben) und nach (unten) Hochpräzisionsbestrahlung.Der Tumor hat sich bei erhaltener Lunge komplett zurückgebildet. Universitätsklinikum Freiburg
    Forschung
    Berlin – Die stereotaktische ablative Radiotherapie hat in ersten klinischen Studien bei Lungenkrebs im Frühstadium bessere Ergebnisse erzielt als eine Operation. Dabei handelt es sich um eine relativ neue Technik, die eine millimetergenaue Bestrahlung von [...mehr lesen]
  • Krebssymbol - pixabay
    Forschung

    Der Auslöser für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs ist eine chronische Infektion mit humanen Papillomviren. Im fortgeschrittenen Stadium dieser aggressiven Krebserkrankung fehlt es bis dato an gezielten Therapiemöglichkeiten. Forscher des Max-Delbrück-Centrums Berlin und des Helmholtz-Zentrums München wollen nun körpereigene Zellen des Immunsystems auf die Erkennung von virusinfizierten Krebszellen trimmen. Dabei wird den Immunzellen ein Molekül eingepflanzt, das es ihnen ermöglicht, Krebszellen spezifisch zu identifizieren und zu bekämpfen.

    Gebärmutterhalskrebs ist bei Frauen weltweit die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Trotz der Möglichkeit einer vorbeugenden Impfung gegen die krebsauslösenden humanen Papillomviren (HPV) sind bereits erkrankte Frauen auf die Entwicklung neuartiger Behandlungsmethoden angewiesen. Die Möglichkeit, Immunzellen (T-Zellen) zu manipulieren, um bestimmte Krebsarten zu bekämpfen, wurde bei einigen Krebsarten bereits erfolgreich in klinischen Studien getestet. Die Forschergruppen in Berlin und München um Professor Wolfgang Uckert und Professor Dolores Schendel erforschen nun gemeinsam Rezeptoren von Immunzellen, die sich für die spezifische Erkennung von HPV-infizierten Krebszellen eignen.

     

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit