Krebs mit radioaktiven Mikropartikeln besiegen

Foto: Das 3-D-Mikroskopiesystem
Mikropartikel aus Albumin (15 - 25 Mikrometer Durchmesser) im Rasterelektronenmikroskop. - Quele: idw
Mikropartikel aus Albumin (15 – 25 Mikrometer Durchmesser) im Rasterelektronenmikroskop. – Quele: idw

Die Volkskrankheit Krebs kann heute in vielen Fällen geheilt werden, doch Menschen, die etwa an Leberkrebs erkrankt sind, haben immer noch eine schlechte Prognose. Hinzu kommt, dass Metastasen von anderen Krebsarten ebenfalls in die Leber streuen können, und auch hier kann die Leber als äußerst sensibles Organ nur eingeschränkt operiert oder strahlentherapeutisch behandelt werden. Ein neuer Ansatz zur Krebstherapie basiert auf radioaktiven Mikropartikeln, deren Strahlung direkt vor Ort die Krebszellen in der Leber vernichten und das gesunde Gewebe schonen soll.

Die Firma ROTOP Pharmaka AG in Radeberg und das Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD) arbeiten gemeinsam an Mikropartikeln aus dem Eiweißstoff Albumin, die als Trägermoleküle für radioaktive Substanzen eingesetzt werden sollen. Zwei radioaktive Isotope eignen sich hierfür besonders gut: Yttrium-90 und Luthetium-177. Sie können aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften zur Therapie von Krebs verwendet werden.

Die große Herausforderung besteht für die Forscher darin, das jeweilige Radionuklid absolut stabil mit dem Trägermolekül zu verbinden, so dass die radioaktive Dosis nur in der Umgebung der Krebszellen abgegeben wird. Versieht man Mikropartikel mit dem Nuklid Yttrium-86, so lässt sich der Weg der radioaktiven Mikropartikel in kleinen Versuchstieren genau verfolgen. Die ersten Versuche hiermit waren sehr ermutigend, denn auch 48 Stunden nach der Injektion saßen die radioaktiven Partikel an ein und derselben Stelle im Körper fest.

Weitere Versuche können nun mit radioaktiven Mikropartikeln, die mit einem Therapienuklid versehen sind, folgen. Bis zum fertigen Krebsmedikament sind allerdings noch viele Hürden zu überwinden.

Albumin als Ausgangssubstanz für die Mikropartikel ist biokompatibel und baut sich in biologischer Umgebung ab, so dass eine mehrfache Therapie damit möglich wäre. Das Albumin muss allerdings chemisch verändert werden, damit es die Radionuklide festhalten kann. Die Gruppe von Dr. Hans-Jürgen Pietzsch vom Institut für Radiopharmazie des FZD wählte dafür ein spezielles Molekül, das sich dadurch auszeichnet, dass es sehr gut an Radionuklide und gleichzeitig auch an Biomoleküle bindet (im Fachjargon Chelator genannt, wobei „chele“ aus dem Griechischen kommt und die Zangen eines Krebses bezeichnet). Bei der Firma ROTOP können die Mikropartikel aus Albumin für klinische Versuche in speziellen Labors hergestellt werden. Gemeinsam erforschen die Wissenschaftler derzeit, inwieweit Albumin als Trägermolekül für das Therapienuklid Luthetium-177 geeignet ist. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu einem späteren Krebsmedikament. Das könnte dann mit einem Katheter in die Leber injiziert werden, und zwar genau in die Arterien, die den Tumorherd mit Blut versorgen. Dort sollen die radioaktiven Mikropartikel die Krebszellen durch die hohe Dosis direkt vor Ort abtöten.

Weitere Informationen:

Dr. Hans-Jürgen Pietzsch
Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD) Institut für Radiopharmazie

Tel.: 0351 260 – 2706

Email: h.j.pietzsch@fzd.de

Monika Johannsen
ROTOP Pharmaka AG
Geschäftsführerin

Tel.: 0351 26 95 203

Email: m.johannsen@rotop-pharmaka.de

Information:

Das Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD) hat das Ziel, strategisch und langfristig ausgerichtete Spitzenforschung in politisch und gesellschaftlich relevanten Forschungsthemen wie Energie, Gesundheit und Schlüsseltechnologien zu leisten. Folgende Fragestellungen stehen dabei im Mittelpunkt:

  • Wie verhält sich Materie unter dem Einfluss hoher Felder und in winzigen Dimensionen?
  • Wie können Tumorerkrankungen frühzeitig erkannt und wirksam behandelt werden?
  • Wie schützt man Mensch und Umwelt vor technischen Risiken?

Diese Fragestellungen werden in strategischen Kooperationen mit Forschungs- und Industriepartnern bearbeitet. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Betrieb von sechs einmaligen Großgeräten, die auch externen Nutzern zur Verfügung stehen.

Das FZD wird von Bund und Land gefördert und beschäftigt rund 750 Personen. Bei der Auswahl neuer Mitarbeiter stehen Qualität und Internationalität an erster Stelle. Die Ausbildung von wissenschaftlichem und technischem Nachwuchs erfolgt auf hohem Niveau und in enger Zusammenarbeit mit den Hochschulen. Auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf achtet das FZD in besonderem Maße.

Pressemitteilung Forschungszentrum Dresden – Rossendorf e.V., Dr. Christine Bohnet


Krebszeitung

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    Leukämie

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