Krebs-Patienten müssen mitbestimmen

Patientin - pixabay

Bonn / Magdeburg (ct) – Patientenbeteiligung verbessert die Behandlungs-Ergebnisse und spart Kosten im Gesundheitswesen – etwa, weil unnötige Untersuchungen oder Doppelbefunde vermieden werden können. Um eine aktive Partnerschaft zwischen Arzt und Patient im Sinne des so genannten „Shared Decision Making“ zu erreichen, müssen Betroffene jedoch mitbestimmen können. Dies forderten die Frauenselbsthilfe nach Krebs und die Deutsche Krebshilfe auf einer Pressekonferenz am 3. September 2004 in Magdeburg. An den Gemeinsamen Bundesausschuss appellierten sie daher, den Patientenvertretern nicht nur Rede-, sondern auch Stimmrecht einzuräumen. Mit der Einrichtung eines Patientenbeirates trägt die Deutsche Krebshilfe der wichtigen Bedeutung einer Patientenbeteiligung Rechnung. Dieser Beirat fungiert als Sprachrohr und Anwalt für Krebs-Patienten.

Frauenselbsthilfe nach Krebs und Deutsche Krebshilfe fordern stärkere Patientenbeteiligung

„Eine Patientin, die in jede Entscheidung einbezogen wird, ist motiviert, ihr Therapieziel zu erreichen, bereit, Belastungen und Nebenwirkungen zu verkraften sowie Krisenzeiten zu überstehen. Das fördert ihre Zufriedenheit und den Heilungserfolg“, sagte Hilde Schulte, Bundesvorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs und Mitglied des Patientenbeirates der Deutschen Krebshilfe, in Magdeburg. Den Prozess, unter gleichberechtigter Beteiligung von Patient und Arzt zu einer gemeinsam verantworteten Entscheidung zu kommen, bezeichnen Wissenschaftler als „Shared Decision Making“, auch „partizipative Entscheidungsfindung“ genannt. Dass ein solches gemeinsam entschiedenes Handeln einen positiven Effekt auf den Behandlungserfolg hat, ist auch unter Experten mittlerweile unbestritten. Das Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung hat daher bereits im Jahr 2001 einen Förderschwerpunkt „Shared Decision Making“ gegründet mit dem Ziel, Projekte zu unterstützen, in denen insbesondere Patienten mit chronischen Erkrankungen verstärkt in den medizinischen Entscheidungsprozess einbezogen werden.

„Eigeninitiative und Engagement von Betroffenen auch auf gesundheitspolitischer Ebene haben dazu beigetragen, dass sich die Rolle des Patienten geändert hat – vom Unwissenden und passiv Duldenden zu einem informierten und aktiv Handelnden“, sagte Hilde Schulte. Mehr Wissen bedeute aber auch mehr Wollen. So haben sich engagierte Patienten in Selbsthilfeorganisationen zusammengeschlossen und Felder erobert, in denen sie mitreden und ihre Kompetenz einbringen. Dazu gehört etwa die Beteiligung an der Entwicklung von Leitlinien, an der Zertifizierung von Brustzentren, an Disease Management Programmen sowie die Mitarbeit in einzelnen Unterausschüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses. In diesem Ausschuss werden entscheidende Weichen für Patienten gestellt: Er legt fest, welche ambulanten oder stationären Leistungen ausreichend, wirtschaftlich und zweckmäßig sind, und damit letztlich, was die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen. Ihm gehören Vertreter der Ärzte, Zahnärzte, Krankenkassen und Krankenhäuser an.

„So sehr wir gerade die Beteiligung in diesem Ausschuss als Meilenstein in der Entwicklung der Patientenbeteiligung ansehen – für eine wirklich gleichwertige Partnerschaft im Sinne des ‚Shared Decision Makings’ fordern wir gerade in diesem wichtigen Gremium nicht nur ein Rederecht, sondern auch das Recht, mitzuentscheiden“, sagte Schulte in Magdeburg.
„Ein erfolgreiches ‚Shared Decision Making’ stützt sich auf drei Säulen: Aus- und Fortbildung, um ärztliche und pflegerische Gesprächs- und Handlungskompetenz zu fördern, Entwicklung von Entscheidungshilfen, um Information und Förderung der Patientenbeteiligung zu verbessern, und Schulungen, um Patienten auf eine stärkere Beteiligung vorzubereiten“, sagte Professor Dr. Marianne Brieskorn-Zinke, Professorin für Gesundheits- und Pflegewissenschaft an der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt. Brieskorn-Zinke betonte in Magdeburg, dass alle drei Bereiche in der Ausbildung akademischer Pflegekräfte bereits einen zentralen Platz gefunden hätten. Ähnliche Entwicklungen wünsche sie sich im Bereich des Medizinstudiums. Zudem müsse man nach weiteren Möglichkeiten suchen, die Patienten zu selbstbestimmtem Handeln zu motivieren und zu befähigen. „Selbsthilfeorganisationen könnten mehr als bisher zum Träger dieses Prozesses werden“, so Brieskorn-Zinke.

Auch die Deutsche Krebshilfe betonte in Magdeburg die wichtige Rolle, die die Krebs-Selbsthilfeorganisationen von Beginn an für ihre Arbeit eingenommen haben. „Unser Patientenbeirat ist eine institutionelle Anlaufstelle für die Krebs-Selbsthilfe und wurde ganz bewusst in unserer neuen Gremienstruktur verankert. Darüber hinaus wird die Förderung der Selbsthilfeorganisationen auch in Zukunft ein Anliegen der Deutschen Krebshilfe sein“, sagte Gerd Nettekoven, Geschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. In den letzten 30 Jahren hat die Organisation die Krebs-Selbsthilfe bereits mit 23 Millionen Euro unterstützt.

Bonn, 03. September 2004

Pressemitteilung Deutsche Krebshilfe e. V.


Krebszeitung

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  • Lungenkrebszelle bei der Teilung Quelle: Dr. Felix Bestvater, Deutsches Krebsforschungszentrum
    Lungenkrebs

    Medikamente gegen Krebs kann es gar nicht genug geben. Denn immer wieder schaffen es Tumoren, selbst die Wirkung der besten Substanzen gegen bösartiges wucherndes Wachstum auszuhebeln. Professor Reinhard Zeidler von der Münchner Uni-Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde sowie des Helmholtz- Zentrum München und sein Kollege Professor Christoph Renner von der Universität Zürich haben jetzt zwei sogenannte Antikörper entwickelt. Diese Moleküle blockieren zwei Enzyme, die solide Tumoren wie Lungen-, Brust- oder Darmkrebs brauchen, um zu wachsen.

    Die beiden Enzyme sind die Carboanhydrasen 9 und 12. Sie sitzen auf der Oberfläche fast aller Tumorzellen, die bislang darauf untersucht wurden. Wahrscheinlicher Grund: Wenn solide Tumoren wachsen, leiden sie häufig unter Sauerstoffmangel, weil die Blutversorgung nicht optimal ist. Die beiden Carboanhydrasen helfen dem Krebs, mit diesem Problem umzugehen. Folglich sind sie auf den Tumorzellen in hoher Konzentration vertreten.

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    Prostatakrebs

    Welche genetischen Voraussetzungen erhöhen das Risiko, an Krebs der Vorsteherdrüse zu erkranken? Welche molekularen Veränderungen begleiten Entstehung und Ausbreitung dieses Tumors? Welche krebsfördernden Gene sind aktiviert, welche tumorhemmenden ausgeschaltet? Diesen und anderen Fragen versuchen die Mitglieder des Deutschen Prostatakarzinom-Konsortiums (DPPK) – ein interdisziplinärer Verbund von Wissenschaftlern aus den Bereichen Urologie, Pathologie, klinischer Chemie, Genetik und Grundlagenforschungseinrichtungen (Deutsches Krebsforschungszentrum, Max-Planck-Institut) sowie Patientenvertretern – gemeinsam auf den Grund zu gehen.

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