Krebsmythen im Internet – was ist dran?

Krebssymbol - pixabay
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Zum Thema Krebs kursieren im Internet Halbwahrheiten, Missverständnisse und Gerüchte. Was stimmt, was nicht – das ist oft nur schwer zu erkennen. Fördert das Tragen von BHs Brustkrebs? Stimmt es, dass man sich mit manchen Krebsarten doch anstecken kann, weil Viren im Spiel sind? Sollte man Vitamine einnehmen, weil industriell produzierte Lebensmittel keine Vitalstoffe mehr enthalten? Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums ist einigen modernen Krebsmythen auf den Grund gegangen. Hintergründe erläutert der Dienst in seinem „Aktuellen Thema“ vom Dezember, abrufbar im Internet unter www.krebsinformationsdienst.de.

Wer im Internet nach Krebsinformation sucht, stößt auf seriöses Wissen, nicht selten aber auch auf Halbwahrheiten und Missverständnisse: Findige Anbieter preisen ihre Nahrungsergänzungsmittel mit der Begründung an, Obst und Gemüse enthielten heute kaum noch wichtige Schutzstoffe zur Krebsvorbeugung. In Foren wird darüber debattiert, ob man sich nicht doch bei Krebspatienten anstecken könne – vielleicht sind ja Tumorviren im Spiel. Schließlich gibt es regelrechte Verschwörungstheorien. Sie funktionieren meist nach dem gleichen Muster: Das Allheilmittel gegen Krebs sei schon längst bekannt, es werde aber systematisch geheim gehalten.

„Solche Krebsmythen und Gerüchte können sehr verunsichern“, sagt Dr. Susanne Weg-Remers, die Leiterin des Krebsinformationsdienstes im Deutschen Krebsforschungszentrum. „Wir bekommen viele Anrufe und E-Mails von besorgten Menschen. Auslöser sind Aussagen, die sie im Internet gefunden oder im Bekanntenkreis gehört haben. Die meisten sind sehr erleichtert, wenn wir ihnen fundierte wissenschaftliche Fakten zu ihrer Frage bieten können“.

Bei der Informationssuche überprüft der Dienst nicht nur, was an belegbaren Quellen hinter den jeweiligen Aussagen steht. Auch die Frage, wie solche Gerüchte entstanden sein könnten, ist manchmal sehr aufschlussreich. „Wir haben bei unseren Recherchen festgestellt, dass einige moderne Krebsmythen durchaus weltanschauliche Bezüge haben“, erläutert die Ärztin. Dazu gehören beispielsweise Aussagen, die bestimmte Lebensstile als krebserregend brandmarken oder Krebs als Strafe für Eitelkeit und andere vermeintliche Sünden definieren: Beispiele bieten die Diskussionen um Abtreibung, Sterilisation zur Empfängnisverhütung oder sogar um zu enge BHs als Krebsauslöser. Bei anderen Aussagen ist recht gut zu erkennen, dass hier das Geschäft mit der Angst vor Krebs eine Rolle spielt: etwa dann, wenn Nahrungsergänzungsmittel damit beworben werden, mit normalen Lebensmitteln sei ein Schutz vor Krebs heute nicht mehr zu erreichen.

In manchen Gerüchten steckt neben Missverständnissen allerdings auch ein Körnchen Wahrheit: Dass Kartoffeln oder Tomaten für Krebspatienten unverträglich wären, bezieht sich vermutlich auf das schwach giftige Solanin, das in rohen Kartoffeln oder grünen Tomaten enthalten sein kann. Bei richtiger Reifung, Lagerung und Zubereitung stellen aber weder Kartoffeln noch Tomaten ein Risiko für Patienten dar. Vor den „Sutoxinen“ im Schweinefleisch muss sich ebenfalls niemand fürchten: Im 19. Jahrhundert wurde ihre Existenz zwar behauptet, sie konnten bis heute jedoch nicht belegt werden. Auch stimmt es zwar, dass bei einigen Krebsarten Viren eine Rolle spielen. Trotzdem sind Krebspatienten nicht ansteckend – auch nicht bei engem körperlichem Kontakt oder bei der Krankenpflege.

Mehr zu angeblichen Krebsrisiken bietet der Krebsinformationsdienst in seinem „Aktuellen Thema“, abrufbar unter www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/mythen.php. Bei Fragen stehen die Ärztinnen und Ärzte des Dienstes außerdem am Telefon und per E-Mail zur Verfügung.

Der Krebsinformationsdienst beantwortet individuelle Fragen:
am Telefon: 0800 – 420 30 40, täglich kostenlos von 8 bis 20 Uhr
per E-Mail: krebsinformationsdienst@dkfz.de

Der Krebsinformationsdienst ist seit 1986 Ansprechpartner für alle Fragen zu Krebs. Im Internet bietet der Krebsinformationsdienst aktuelles Wissen, nützliche Tipps, Adressen, Linktipps und Hinweise auf Fachquellen. Am Telefon, per E-Mail sowie in Sprechstunden in Heidelberg und Dresden beantwortet der Dienst Fragen von Ratsuchenden. Im sozialen Netzwerk „Facebook“ vermittelt er aktuelle Nachrichten und lädt zur Diskussion ein. Der Krebsinformationsdienst ist ein kostenfreies Angebot des Deutschen Krebsforschungszentrums, finanziert aus öffentlichen Mitteln. Er kann daher unabhängig informieren, frei von Interessenkonflikten und ohne Werbung.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Ansprechpartner für die Presse:
Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Dr. Stefanie Seltmann
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
Tel.: +49 6221 42-2854
Fax: +49 6221 42-2968
E-Mail: S.Seltmann@dkfz.de
www.dkfz.de

Dr. Sibylle Kohlstädt
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
D-69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2843
F: +49 6221 42 2968
presse@dkfz.de

Pressemitteilung vom Deutschen Krebsforschungszentrum

50 Jahre Forschen für ein Leben ohne Krebs


Krebszeitung

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  • Durch die Verdrängung einer spezifischen Peptidsequenz des Tumorsuppressors p53 aus seiner Bindungstasche in MDM2 und MDM4, kann Lithocholsäure (LCA) p53 aktivieren und dadurch den Zelltod in Krebszellen auslösen. - Abbildung: Prof. Frank Böckler
    Forschung

    Durch die Verdrängung einer spezifischen Peptidsequenz des Tumorsuppressors p53 aus seiner Bindungstasche in MDM2 und MDM4, kann Lithocholsäure (LCA) p53 aktivieren und dadurch den Zelltod in Krebszellen auslösen. - Abbildung: Prof. Frank BöcklerWissenschaftler der Universität Tübingen und des MRC Laboratory of Molecular Biology in Cambridge/UK entdecken neuen Zusammenhang zwischen der Gallensäure LCA und der Auslösung des programmierten Zelltodes.

    Gallensäuren besitzen verschiedenste Funktionen im menschlichen Körper. Hauptsächlich verbessern sie die Verdauung von Nahrungsfetten, indem sie deren Aufnahme erleichtern. Primäre Gallensäuren werden vom Körper selbst erzeugt, wohingegen sekundäre Gallensäuren, wie die Lithocholsäure (LCA), von Bakterien im Verdauungstrakt aus entsprechenden Vorstufen gebildet werden.

    Wissenschaftler am Pharmazeutischen Institut der Universität Tübingen haben nun in enger Zusammenarbeit mit dem MRC Laboratory of Molecular Biology in Cambridge gezeigt, dass Lithocholsäure Apoptose, eine Form des programmierten Zelltods, auslösen kann. Dies geschieht durch Bindung und Blockierung von MDM4 und MDM2. Diese beiden Proteine sind Schlüsselfaktoren für die negative Regulation des Transkriptionsfaktors p53 und begrenzen dessen Wirkung. In seiner Funktion als Tumorsuppressor bestimmt p53 entscheidend die zelluläre Antwort auf DNA-Schäden und Zellstress und wirkt damit der Krebsentstehung entgegen. Dr. Simon Vogel, Matthias Bauer und Prof. Frank Böckler von der Universität Tübingen haben in Zusammenarbeit mit Dr. Rainer Wilcken, Dr. Andreas Jörger und Prof. Sir Alan Fersht aus Cambridge einen neuen molekularen Zusammenhang zwischen LCA und einer möglichen Krebspräventation identifiziert.

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