Kunststoffkügelchen lassen Myome schrumpfen

Über die Oberschenkelarterie (Arteria femoralis) führt der Radiologe den Katheter bis an die Gefäße heran, die das Myom mit Blut versorgen. D. Klemm 1998

Berlin im Juli 2008. Etwa jede dritte Frau in Deutschland leidet – meist unbemerkt – unter harmlosen Wucherungen an der Gebärmutter, den Myomen. Bei circa 20 Prozent der Betroffenen führen sie jedoch aufgrund ihrer Größe oder Anzahl zu Beschwerden. Die Folgen sind schmerzhafte, verstärkte und verlängerte Menstruation bis hin zu Sturzblutungen, Druck auf Blase oder Darm sowie Unfruchtbarkeit. Neben monatelangen Hormontherapien und komplizierten operativen Eingriffen galt bisher die komplette Entfernung der Gebärmutter, die Hysterektomie, als erfolgreichstes Verfahren zur Behandlung von Myomen.

Schonende Alternative zur Gebärmutterentfernung

Über die Oberschenkelarterie (Arteria femoralis) führt der Radiologe den Katheter bis an die Gefäße heran, die das Myom mit Blut versorgen. D. Klemm 1998Doch es gibt eine Alternative: Speziell ausgebildete Radiologen wenden die schonende Methode der Embolisation an. „Bei diesem Verfahren bleibt die Gebärmutter vollständig erhalten, die gefürchteten psychischen Folgeerscheinungen der Gebärmutterentfernung wie Depressionen und das Gefühl, keine vollwertige Frau mehr zu sein, treten nicht auf. Zudem handelt es sich um einen minimal-invasiven Eingriff mit deutlich weniger Risiken als bei einer operativen Entfernung der Gebärmutter. Jetzt belegen auch neueste Langzeitstudien die nachhaltige Wirksamkeit“, erklärt Dr. Götz Voshage, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie (DeGIR) und Chefarzt der Abteilung für Radiologie am Robert-Koch-Krankenhaus in Gehrden.

Myome werden „ausgehungert“

Mit der Myomembolisation wird den Myomen die Blutversorgung entzogen – sie werden sozusagen „ausgehungert“. Der Eingriff dauert etwa eine Stunde und findet unter Lokalanästhesie statt. Der Arzt schiebt über einen circa 1 mm kleinen Einschnitt in der Leiste einen dünnen Katheter in die Schlagader der Gebärmutter bis zu den Arterien, die das Myom versorgen. Über den Katheter spritzt der Arzt dann sandkorngroße Kunststoffkügelchen direkt in die feinen Verästelungen der Arterie. Dort setzen sich die Partikel fest, verschließen die Adern dauerhaft und schneiden die Myome von der Blut- und Sauerstoffzufuhr ab. Innerhalb weniger Monate schrumpfen die Geschwülste auf durchschnittlich die Hälfte ihrer Größe, und der Körper wandelt das nicht durchblutete Gewebe in Narbengewebe um. In den allermeisten Fällen verschwinden die Schmerzen, und die Regelblutung verläuft beschwerdefrei.

Erfolgsrate bei 90 Prozent

Da die Kügelchen komplett und dauerhaft die Blutversorgung der Myome unterbinden, ist die Embolisation auch langfristig erfolgreich. Nach dem Eingriff bleiben die Patientinnen nur für zwei bis drei Tage zur Beobachtung im Krankenhaus. Lediglich bei Myomen, die sich weit in die Gebärmutterhöhle hinein entwickelt haben oder aber nur noch mit einem Gewebsstiel mit der Gebärmutter verbunden sind, raten die Mediziner von der Embolisation ab. Zurückhaltend sind die Mediziner auch bei Frauen mit Kinderwunsch, da Effekte der Embolisation auf den Eierstock nicht ausgeschlossen werden können und bislang auch keine größeren Studien zu Schwangerschaften nach Embolisation vorliegen. „Die Erfolgsrate dieser Methode liegt bei über 90 Prozent. In anglo- amerikanischen Ländern und Frankreich wenden Kollegen die Embolisation bei Myomen bereits seit zehn Jahren an“, sagt Dr. Voshage. Prominentes Beispiel: US-Außenministerin Condoleezza Rice ließ sich im Jahr 2004 erfolgreich mit dieser Methode behandeln. Inzwischen zahlen die gesetzlichen Krankenkassen diese Behandlung.

Pressemitteilung Deutsche Röntgengesellschaft e.V., Pressesprecher Florian Schneider


Krebszeitung

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