Lebermetastasen von Patienten mit Dickdarmkrebs streuen intakte Tumorzellen in die Blutbahn

Privatdozent Dr. Nuh Rahbari, Arzt und Wissenschaftler an der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Foto: TU Dresden / Stephan Wiegand
Privatdozent Dr. Nuh Rahbari, Arzt und Wissenschaftler an der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Foto: TU Dresden / Stephan Wiegand
Privatdozent Dr. Nuh Rahbari, Arzt und Wissenschaftler an der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Foto: TU Dresden / Stephan Wiegand
Privatdozent Dr. Nuh Rahbari, Arzt und Wissenschaftler an der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie.
Foto: TU Dresden / Stephan Wiegand

Die Größe der durch einen Dickdarmkrebs gebildeten Lebermetastasen ist dabei entscheidend für das Risiko, ob von dieser Metastase Tumorzellen in die Blutbahn gestreut werden, welche möglicherweise zu Fernmetastasen in weiteren Organen, wie zum Beispiel der Lunge führen können. Das spricht für eine besonders engmaschige Überwachung nach der Operation und gegebenenfalls eine Chemotherapie bei Patienten, denen große Metastasen chirurgisch entfernt wurden. Zu diesen Erkenntnissen kommt ein Forscherteam um die Dresdner Chirurgen PD Dr. Nuh Rahbari, Dr. Ulrich Bork und Dr. Sebastian Schölch von der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus.

Die Studie, für die bei über 100 Patienten zirkulierende Tumorzellen in unterschiedlichen Blutkompartimenten intraoperativ untersucht wurden, fand unter der Leitung von Klinikdirektor Prof. Dr. Jürgen Weitz in Kooperation mit Heidelberger Kollegen der Klinischen Forschergruppe KFO 227 statt. Das angesehene Fach-Journal „Annals of Surgery” veröffentlichte die Studie vorab online.

Metastasen bilden die Todesursache Nummer eins beim Dickdarmkrebs. Das Verständnis der metastatischen Aktivität von Metastasen und welche Patienten ein hohes Risiko für die Verbreitung von Tumorzellen haben können, hat daher maßgeblichen Einfluss auf die individualisierte Krebsbehandlung in der Zukunft.

Durch Blutentnahmen während der Operation konnten die Dresdner Ärzte in ihrer aktuellen Studie die Anzahl von frei zirkulierenden Tumorzellen vor und nach dem Durchfluss der Leber in Pfortader und Lebervene ermitteln. So konnten sie aufzeigen, dass die Lebermetastasen selbst intakte Tumorzellen freisetzen, die ihrerseits auch Fähigkeiten einer metastasierenden Tumorzelle besitzen, und somit möglicherweise zur weiteren Metastasierung des ursprünglichen Darmkrebses beitragen können. Dabei entdeckten die Wissenschaftler auch einen Zusammenhang zwischen der Größe der Metastasen und dem Nachweis freigesetzter Tumorzellen.

„Das spricht in unseren Augen für eine stärkere postoperative Überwachung von Patienten mit großen Lebermetastasen sowie – wegen des besonders hohen Risikos einer weiteren Streuung – gegebenenfalls für eine postoperative Chemotherapie“, unterstreicht Privatdozent Dr. Nuh Rahbari, Erstautor der Studie.

Die Forscher planen deshalb genau dazu Folgestudien, um einen Nachweis für den Vorteil von postoperativen Chemotherapien bei großen Lebertumoren zu erbringen und um zu untersuchen, ob bestimmte Operationstechniken das Risiko für weitere Metastasen bei diesen Patienten senken können.

Publikation
Rahbari NN, Bork U, Schölch S, Reissfelder C, Thorlund K, Betzler A, Kahlert C, Schneider M, Ulrich AB, Büchler MW, Weitz J, Koch M.: Metastatic Spread Emerging from Liver Metastases of Colorectal Cancer – Does the Seed Leave the Soil Again?; in: Annals of Surgery, 2015, Oct 22. [Epub ahead of print]

Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie
Privatdozent Dr. Nuh Nabi Rahbari
Tel.: +49 (0)351 458 19260
E-Mail: Nuh.Rahbari@uniklinikum-dresden.de


Weitere Informationen:

http://www.uniklinikum-dresden.de/vtg

Pressemitteilung
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Holger Ostermeyer

UDE/UK Essen: Metastasierung verstehen


Krebszeitung

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