Leipziger Forscher suchen Ursachen der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung

Immunzellen (T-Zellen) im Bauchspeicheldrüsenkrebs, die ihre Entzündungsstoffe (Zytokine) über den alternativen p38-Signalweg bilden und dadurch das Tumorwachstum fördern. Pathologisches Institut, Universitätsklinikum Heidelberg
Immunzellen (T-Zellen) im Bauchspeicheldrüsenkrebs, die ihre Entzündungsstoffe (Zytokine) über den alternativen p38-Signalweg bilden und dadurch das Tumorwachstum fördern. Pathologisches Institut, Universitätsklinikum Heidelberg

Unter Beteiligung von Wissenschaftlern der Leipziger Universität wurde ein Gen gefunden, dessen Veränderung zu einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) führen kann. In Zusammenarbeit mit einer internationalen Forschergruppe wurde in einem großen internationalen Patientenkollektiv eine Verbindung zur Krankheitsentstehung hergestellt. Das Gen wurde bei fast 2000 Patienten analysiert, die relativ früh an einer Pankreatitis erkrankten. Zur Gruppe der Untersuchten gehörten fast 1000 Patienten aus Deutschland sowie weitere aus Europa, Indien und Japan. Die Ergebnisse konnten vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift Nature Genetics veröffentlicht werden.

Die chronische Pankreatitis ist eine relativ seltene Erkrankung, die etwa fünf bis zehn Menschen auf 100.000 Einwohner trifft. Wie Privatdozent Dr. Jonas Rosendahl, Oberarzt an der Uniklinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie erläutert, umfasst diese Zahl alle Formen der Erkrankung. „Meistens entsteht sie durch langjährigen Alkoholmissbrauch. Wir haben uns in diesem Projekt aber auf die Pankreatitis konzentriert, die ohne Alkoholkonsum entsteht und deutlich seltener vorkommt.“ Professor Joachim Mössner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie, betont die Bedeutung der Forschungsergebnisse: „Es ist für viele Patienten ein Gewinn, wenn sie wissen, warum sie diese Erkrankung getroffen hat. Zugleich bietet sich nunmehr die Möglichkeit an, Patienten auch auf Veränderungen in diesem neuen Pankreatitis-Gen zu untersuchen, um die Krankheitsursache zu erkennen.“

Ausdrücklich verweisen beide auf die exzellente Laborarbeit von Dr. Sebastian Beer, der an der amerikanischen Boston University funktionelle Experimente vornahm und jetzt wieder seine Facharztausbildung in Leipzig fortführt. „Seine Analysen waren zum Gelingen der Forschungsarbeiten genauso entscheidend wie der genetische Teil“, sagt Rosendahl. Er ist auch in der Ambulanz tätig und leitet seit drei Jahren zudem ein Pankreatitis- Projekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt wird und an dem europaweit rund 70 Wissenschaftler mitwirken. „Wir gehen dabei der Frage nach, welche Rolle genetische Risikofaktoren bei der Alkohol- induzierten chronischen Pankreatitis spielen. Man könnte es sich ja einfach machen und sagen: Die Alkoholiker sind ja selbst schuld, wenn sie erkranken. Aber nicht jeder Alkoholiker bekommt die Krankheit. Deshalb muss es noch andere Ursachen geben.“

Auch hier wurde im Verlaufe von drei Jahren das Genom von rund 2000 Patienten analysiert. Die Ergebnisse müssen noch ausgewertet werden, um sicher sagen zu können, welche Gene entscheidend sind. „Klar ist schon: Es gibt genetische Ursachen. Interessant ist dann aber noch, die Funktionskette von der Veränderung des Gens oder der Gene bis zum Ausbruch der Krankheit zu untersuchen. Denn erst damit kommt man zu Erkenntnissen, die möglicherweise therapeutische Ansätze bieten. Es gibt also noch viel zu erforschen.“ (Uwe Niemann)

Fachveröffentlichung:
„Variants in CPA1 are strongly associated with early onset chronic pancreatitis“, Nature Genetics (2013), doi:10.1038/ng.2730

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Joachim Mössner
Telefon: +49 341 97-12200
E-Mail: moej@medizin.uni-leipzig.de
Web: www.uni-leipzig.de/~medkl2

Pressemitteilung Universität Leipzig, Diana Smikalla

Neue Krebstherapie aus alten Medikamenten


Krebszeitung

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  • Krebssymbol - pixabay
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    Berlin – Bei der Behandlung von Blasenkrebs im fortgeschrittenen Stadium verbessert die Kombination von Strahlenbehandlung und gleichzeitiger Chemotherapie die Prognose der Patienten deutlich, wie eine aktuelle Studie aus Großbritannien zeigt. „Die Radiochemotherapie bietet für viele Patienten eine schonende Alternative zu einer Radikaloperation, und eine Entfernung der Blase kann dadurch meistens vermieden werden“, betont Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Lübeck und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO). „Denn gerade für ältere Menschen mit Begleiterkrankungen kann die Operation eine große Belastung darstellen.“

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    Jedes Jahr erkranken in Deutschland fast 16 000 Menschen an Blasenkrebs. Die meisten Blasenkrebsarten wachsen nur oberflächlich in der Schleimhaut und sind relativ harmlos; diese Krebse können meistens bei einer Blasenspiegelung durch die Harnröhre entfernt werden. Die Blase wird dabei erhalten. Doch in jedem fünften Fall hat das Karzinom schon auf die Blasenmuskulatur übergegriffen. Dann versuchen Ärzte gewöhnlich, die gesamte Harnblase zu entfernen, oft samt umliegender Organe wie etwa Prostata oder Gebärmutter. Privatdozent Dr. Christian Weiss, leitender Oberarzt an der Klinik für Strahlentherapie der Universität Frankfurt am Main, erläutert, dass dieses Vorgehen nicht für alle Patienten optimal ist: „Diese sogenannte Zystektomie belastet gerade ältere Menschen, die an weiteren Begleiterkrankungen leiden, schwer.“

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    19. Krebskongress in der Lüneburger Heide

    Wilsede (gb) – Moderne Trends in der Krebsforschung – mit diesem Thema beschäftigte sich das Wilsede-Meeting, das in diesem Jahr bereits zum 19. Mal im Ort Wilsede in der Lüneburger Heide stattfand. Rund 50 renommierte Krebs-Experten aus aller Welt gaben vom 16. bis 20. Juni 2012 einen intensiven Einblick in den aktuellen Stand der onkologischen Grundlagenforschung. Insgesamt nahmen rund 200 Besucher an der Tagung teil, darunter auch viele von der Deutschen Krebshilfe geförderte Nachwuchsforscher.

    „Seit 1973 ist das Wilsede-Meeting ein besonderer Treffpunkt für anregende Diskussionen und Vorträge“, erklärte Professor Dr. Boris Fehse vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der die Veranstaltung in diesem Jahr zum ersten Mal leitete. „In dieser Zeit hat sich die Tagung einen festen Platz in den Terminkalendern weltweit angesehener Krebs-Experten erarbeitet.“

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