Leipziger Wissenschaftler an Entschlüsselung des Genoms von Burkitt- Lymphomen beteiligt

Gewebe- Dünnschnitt eines kutanen T-Zell-Lymphoms. Die Zellkerne sind blau gefärbt, PP4R1 braun. Die unter der Haut liegenden T-Zellen weisen keine braune Färbung und somit kein PP4R1 auf. - Quelle: Dr. Marco Herling, Universität Köln

Ein interdisziplinärer Verbund deutscher Wissenschaftler, an dem auch Forscher der Universität Leipzig beteiligt sind, hat das komplette Erbgut der Krebszellen von Burkitt-Lymphomen entschlüsselt. Sie konnten zeigen, dass das Erbgut der Tumorzellen des Burkitt-Lymphoms an über 2.000 Stellen im Vergleich zu normalen Zellen verändert ist. Dabei entdeckten die Forscher ein Gen, das in über Zweidrittel aller Burkitt-Lymphome mutiert ist, was neue Angriffspunkte für die Diagnostik und Behandlungsstrategien dieser aggressiven Lymphome liefert.

Als Teil des Internationalen Krebs-Genom-Konsortiums haben es sich die Wissenschaftler des Verbundprojektes zum Ziel gesetzt, eine Art „Katalog der Fehler“ im Erbgut von Krebszellen der Burkitt-Lymphome zu erstellen, um deren Ursachen zu entschlüsseln. Das Leipziger Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie (IMISE) sowie das Interdisziplinäre Zentrum für Bioinformatik (IZBI) waren innerhalb des Projektes für die bioinformatorische Auswertung der DNA- und RNA-Sequenzen des Krebs-Gens verantwortlich. Die Ergebnisse wurden vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Genetics“ veröffentlicht.

Lymphome sind Krebserkrankungen, die sich von Zellen des Immunsystems, den Lymphozyten ableiten. Das Burkitt-Lymphom ist die häufigste Form von Lymphomen im Kindesalter, ist aber nicht darauf beschränkt. Betroffene Kinder und Jugendliche in Deutschland haben heute eine Überlebenschance von ca. 80 Prozent, wenn sie mit modernen Kombinations-Chemotherapie- Protokollen behandelt werden. Das Burkitt-Lymphom war das erste Lymphom, bei dem bereits in den 1970er Jahren eine wiederkehrende Genveränderung, die sogenannte Burkitt-Translokation, identifiziert wurde. Dabei handelt es sich um den Austausch von Material zwischen zwei Chromosomen, den Trägern der Erbsubstanz, die zur Aktivierung des Krebsgens MYC führt. Heute ist erwiesen, dass eine solche Burkitt-Translokation in quasi allen Burkitt-Lymphomen auftritt, aber auch in anderen aggressiven Lymphomen. Außerdem reicht die Aktivierung des MYC-Gens nicht für eine Entartung von Zellen aus.

Die neuen Forschungsergebnisse des Forschungsverbundes ICGC MMML-Seq zeigen, dass offensichtlich ganz bestimmte Funktionen der Zelle gestört sein müssen, damit die Aktivierung des Krebsgens MYC zur malignen Entartung führt. In einem sehr umfassenden Ansatz haben die Wissenschaftler nicht nur die Sequenz des Erbguts von vier Burkitt- Lymphomen vollständig entschlüsselt und auf krankheitsrelevante Mutationen untersucht, sondern auch Daten über die veränderte Aktivität der Gene und ihrer Regulation erhoben.

Durch die systematischen Analysen konnten zwischen 1.957 und 5.707 Veränderungen im Erbgut der Burkitt-Lymphome im Vergleich zu normalen Zellen identifizieren werden. „Insgesamt 119 Gene wiesen proteinverändernde Mutationen auf. Die beobachteten Mutationen führten zum Teil zu Veränderungen der Aktivität und der Verarbeitung der Gene“, erklären die Leipziger Bioinformatiker und Ko-Erstautoren der Studie, Dr. Steve Hoffmann (IZBI) und Markus Kreuz (IMISE). „Wir haben damit neue Einblicke in die molekulargenetischen Mechanismen gewonnen, die der Krankheitsentstehung zugrunde liegen“.

In dem Forschungsverbund ICGC MMML-Seq (Analyse Molekularer Mechanismen in Malignen Lymphomen durch Sequenzierung) arbeiten Ärzte und Wissenschaftler unter anderem der Universitäten Leipzig, Berlin, Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Gießen, Göttingen, Kiel, München, Münster, Ulm und Würzburg sowie des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Europäischen Labors für Molekularbiologie in Heidelberg eng zusammen.

Der Forschungsverbund ist Teil des weltweiten Internationalen Krebs- Genomprojektes (International Cancer Genome Consortium, ICGC), dessen Ziel die umfassende Beschreibung von genetischen und epigenetischen Veränderungen in den 50 bedeutendsten Krebsarten ist. Die Arbeiten des ICGC MMML-Seq werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Weitere Informationen im Internet unter www.icgc-lymphome.de und www.icgc.org

Dr. Anne-Katrin Hartinger

Weitere Informationen:
Dr. Steve Hoffmann, Ko-Erstautor der Studie
Universität Leipzig, Interdisziplinäres Zentrum für Bioinformatik
Telefon: +49 341 97-16711
E-Mail: steve@bioinf.uni-leipzig.de

Markus Kreuz, Ko-Erstautor der Studie
Telefon: +49 341 97-16276
E-Mail: markus.kreuz@imise.uni-leipzig.de

Pressemitteilung Universität Leipzig, Susann Huster


Krebszeitung

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  • Der Vortrag zeigt, wie die anatomisch hochauflösenden Darstellungen eines modernen Computertomographen mit der molekularen Bildgebung der Positronen-Emissionstomographie kombiniert werden können. Foto: Jörg Marienhagen, Universitätsklinikum Regensburg
    Kongresse

    Der Vortrag zeigt, wie die anatomisch hochauflösenden Darstellungen eines modernen Computertomographen mit der molekularen Bildgebung der Positronen-Emissionstomographie kombiniert werden können. Foto: Jörg Marienhagen, Universitätsklinikum RegensburgDr. Jörg Marienhagen vom Universitätsklinikum Regensburg hält am Montag, 13. August 2012, ab 19.00 Uhr einen Online-Vortrag zum Thema „Hybride Bildgebung mit PET/CT in der Klinik“. Er stellt neuartige diagnostische Ansätze der klinischen Bildgebung vor, bei denen die anatomisch hochauflösenden Darstellungen eines modernen Computertomographen (CT) mit der molekularen Bildgebung der Positronen-Emissionstomographie (PET) kombiniert werden. Bei der PET werden Stoffwechselvorgänge im Körper dreidimensional abgebildet. Die Hybridbildgebung mit PET/CT nimmt in der bildgebenden Diagnostik von Tumoren, aber auch von neurodegenerativen Erkrankungen einen immer breiteren Raum ein und ist dabei, sich als neuer Standard in der Radiologie und Nuklearmedizin zu etablieren.

    Der Vortrag geht auf die technischen und radiopharmakologischen Grundlagen der Bildgebung mit PET/CT ein. Die klinische Bedeutung der PET/CT- Diagnostik wird an Hand ausgewählter Beispiele aus der Krebsheilkunde erläutert. Die für Krankenkassen im Hinblick auf die Kostenerstattung stets relevante Frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis der Hybridbildgebung wird vor dem Hintergrund der deutschen Gesetzgebung beantwortet. Außerdem wirft der Vortrag einen Blick auf die aktuelle Studienlage zu wichtigen klinischen Krankheitsbildern, bei denen das neue Verfahren hilfreich ist. Als Abschluss erfolgt ein Ausblick auf die Zukunft der hybriden Bildgebung, bei der die PET mit der Kernspintomographie kombiniert wird.

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    10. November 2014 Detlef Hoewing 0
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