Leukämiediagnostik via Mikrochip:

Ein 'Labor' kleiner als eine 1-Euromünze: Der Mikrochip, den die Hochschule Hamm-Lippstadt gemeinsam mit der iX-factory GmbH in einem neu gestarteten Forschungsprojekt entwickelt, um Leukämiediagnostik zukünftig in der Praxis zu ermöglichen. - Copyright: Hochschule Hamm-Lippstadt

HSHL und iX-factory GmbH starten Forschungsprojekt

Ein Mikrochip, der mit Hilfe weniger Bluttropfen die Leukämiediagnose einfach und schnell in der Praxis ermöglicht, ist das Ziel eines neuen Forschungsprojektes der Hochschule Hamm-Lippstadt und des Dortmunder Unternehmens iX-factory GmbH. Die zu entwickelnde Diagnostikmethode könnte die aufwändige Laboranalyse in der Klinik beschleunigen, die für die genaue Bestimmung der Leukämie noch immer erforderlich ist. Mit Hilfe des Mikrochips soll wertvolle Zeit gewonnen werden, denn frühzeitige Diagnose und Therapiebeginn sind entscheidend für den Verlauf der Erkrankung.

Ermöglicht wird das bis Januar 2015 angelegte Forschungsprojekt durch eine Unterstützung des Förderprogramms „Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand“, Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, in Höhe von 175.000 Euro.

In Deutschland erkranken rund 11.400 Menschen jährlich an den verschiedenen Formen von Leukämie. Die akute myeloische (AML) und die akute lymphatische Leukämie (ALL), haben im Vergleich zu den chronischen Formen einen aggressiveren Verlauf und müssen schnell behandelt werden. Rund die Hälfte aller Leukämiepatientinnen und -patienten ist von einer der beiden akuten Formen betroffen. Während sich die Therapieoptionen in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt haben, besteht noch immer Optimierungsbedarf bei den Früherkennungsmethoden. Die erforderliche Untersuchung des Knochenmarks – dem Ort der Blutbildung – muss unter örtlicher Betäubung in einer Klinik durchgeführt werden und zieht eine umfangreiche Laboranalyse nach sich. Genau hier setzt das neue Forschungsprojekt an: Ein Mikrochip soll mithilfe von Biomarkern Zellen im Knochenmark bzw. Blut analysieren. Bei einer Leukämieerkrankung verändern sich diese Zellen – je nach Form der Erkrankung – in unterschiedlicher Weise. Dies sollen die auf dem Chip befindlichen Biomarker zukünftig ‚erkennen‘: Knochenmarkproben bzw. Blut wird auf den Mikrochip gegeben, die Biomarker ‚haften‘ sich an die erkrankten Zellen und lösen ein Signal aus. Das Signal gibt Aufschluss darüber, ob es sich um eine akute myeloische oder eine akute lymphatische Leukämie handelt. Basierend hierauf könnten frühzeitig die erforderlichen Therapien initiiert werden.

Für das gemeinsame Forschungsprojekt haben die beiden Partner Hochschule Hamm-Lippstadt und iX-factory GmbH ihre unterschiedlichen Kompetenzen in den Bereichen Medizin, Biologie und Medizintechnik vereint. In den Laboren der Hochschule werden die Oberflächenmoleküle für den Mikrochip charakterisiert. Projektleiterin Prof. Dr. Lara Tickenbrock an der HSHL, arbeitet gemeinsam mit Prof. Dr. Thomas Kirner, Inhaber der Professur für Chemie und Bio-Mikrostrukturtechnik, und Dr. Antje Hascher, wissenschaftliche Mitarbeiterin, an der Entwicklung des ‚biologischen Identifikationssystems‘ für den Chip. Prof. Tickenbrock, auch Studiengangsleiterin ‚Biomedizinische Technologie‘ an der jungen Hochschule, forschte mehrere Jahre an der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zur akuten myeloischen Leukämie. „Patientinnen und Patienten mit Leukämie profitieren enorm von einer frühzeitigen Diagnose und dem entsprechenden Therapiebeginn. Ich hoffe sehr, dass unsere Forschungsarbeit dazu beitragen wird, die Diagnostik weiter zu verbessern“, so Tickenbrock.

Ein 'Labor' kleiner als eine 1-Euromünze: Der Mikrochip, den die Hochschule Hamm-Lippstadt gemeinsam mit der iX-factory GmbH in einem neu gestarteten Forschungsprojekt entwickelt, um Leukämiediagnostik zukünftig in der Praxis zu ermöglichen. - Copyright: Hochschule Hamm-Lippstadt

Die technische Entwicklung des Mikrochips liegt in den Händen der Dortmunder iX-factory GmbH. Der Anbieter von technischen Dienstleistungen für die Mikro- und Nanotechnologie hat sich mitunter auf das so genannte ‚Lab-on-a-Chip‘ spezialisiert. Gleich mehrere Laboraufgaben werden hierbei auf einem Mikrochip vereint. Dominique Bouwes, Geschäftsführerin der iX- factory GmbH: „Diese Technologie entwickelt sich rapide und verfügt über enormes Potential. Wir sind optimistisch, dass besonders der Bereich der Differentialdiagnostik mit Hilfe der Lab-on-a-Chip Technologie entscheidend weiterentwickelt werden kann.“

Unterstützt wird das Forschungsprojekt durch Univ.-Prof. Dr. med. Carsten Müller-Tidow, der am Universitätsklinikum Münster den Schwerpunkt Leukämien leitet. Er wird das Forschungsteam mit seiner langjährigen Erfahrung begleiten. Auch in die Lehre der Hochschule Hamm-Lippstadt ist das Projekt eingebunden: Studierende der ‚Biomedizinischen Technologie‘ haben die Möglichkeit, Projekt- und Bachelorarbeiten zur Thematik zu verfassen.

Zwischenergebnisse der Forschungsarbeit werden in rund zwölf Monaten erwartet.

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.zim-bmwi.de – Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand
http://www.meda-muenster.de – Leukämiebehandlung Universitätsklinikum Münster
http://www.hshl.de/vita-prof-dr-lara-tickenbrock.de – Vita Prof. Dr. Lara Tickenbrock
http://www.iX-factory.de – Webseite iX-factory GmbH, Dortmund

Pressemitteilung Hochschule Hamm-Lippstadt, Kerstin Heinemann


Krebszeitung

--Download Leukämiediagnostik via Mikrochip: als PDF-Datei --


  • Im Vergleich mit dem natürlichen Wuchs (links) der Versuchspflanze (Arabidopsis thaliana) sind die mutierten Pflanzen deutlich im Wachstum zurück geblieben. An diesen erforschen die Wissenschaftler die Defekte bei der DNA. - Quelle: ZMBP Uni Tübingen
    Deutsche Krebshilfe

    Martinsried (gb) –Das als „Wächter des Genoms“ bekannte Eiweiß p53 verhindert, dass kranke Zellen sich vermehren und Krebs entsteht. Bei der Hälfte aller Krebserkrankungen ist p53 jedoch außer Kraft gesetzt. Der Grund: Ein zelleigenes Kontrollsystem läuft Amok und blockiert das p53-Eiweiß. Forscher des Max-Planck-Instituts für Biochemie in Martinsried haben nun eine Reihe von Wirkstoffen identifiziert, die diese Blockade wieder aufheben. Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, betont: „Diese Forschungsergebnisse sind richtungsweisend und die Basis für neuartige Wirkstoffe gegen unterschiedliche Krebserkrankungen.“ Die Deutsche Krebshilfe hat das Forschungsprojekt mit 340.000 Euro unterstützt.

    Forscher identifizieren potentielle neue Wirkstoffe gegen Krebs

    Eine Zelle ist vergleichbar mit einer gigantischen Fabrik, die eine Vielzahl von verschiedenen Produkten herstellt. Eines der wichtigsten Zellgüter sind Eiweiße. Sie dienen als Baustoffe, verdauen die Nahrung oder schützen den Organismus vor Krankheiten. Eines davon ist das Eiweiß p53, auch Wächter der Erbsubstanz genannt. Es hat im Wesentlichen die Aufgabe, Zellen mit genetischen Schäden davon abzuhalten, sich zu vermehren. Kleinere Reparaturen kann die Zelle selbst ausführen. Ist der Schaden jedoch zu groß, signalisiert p53 der Zelle, sich umzubringen, da sonst die Gefahr besteht, dass sich ein Tumor bildet.

    […mehr lesen]

  • Unter dem Rasterelektronenmikroskop: Hydrogel mit hoher Porendichte als mögliche Basis eines Prostata-Modells (Aufnahme: Dr. Friederike J. Gruhl, KIT)
    Prostatakrebs

    Prostatakrebs ist der häufigste bösartige Tumor bei Männern. Allerdings entwickelt sich der Krebs sehr unterschiedlich: Bei einem großen Teil der Männer über 70 Jahre verändert er sich wenig und bereitet keine Beschwerden; er ruht, bleibt verborgen und bedarf keiner Behandlung.

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit