Magdeburger Forscher sind einem Hemmstoff für Hirnhautkrebs auf der Spur – der microRNA-145

Gliom (rote Pfeile; obere Reihe), das bereits zum Zeitpunkt der ersten Operation begonnen hatte zu entarten. Untere Reihe: Nachgewachsener, jetzt sehr bösartiger Tumor (gelber Pfeil). © Foto: M. Simon/Neurochirurgie/UKB
Gliom (rote Pfeile; obere Reihe), das bereits zum Zeitpunkt der ersten Operation begonnen hatte zu entarten. Untere Reihe: Nachgewachsener, jetzt sehr bösartiger Tumor (gelber Pfeil). © Foto: M. Simon/Neurochirurgie/UKB

Hirnhautkrebs, das sogenannte Meningeom, verläuft in den meisten Fällen gutartig. Patienten sind nach einer Operation jedoch einem erheblichen Wiedererkrankungs-Risiko ausgesetzt. Außerdem besteht bei seltenen bösartiger Formen die Gefahr, dass Sie in das Hirngewebe einwachsen, was für den Patienten eine schlechte Heilungschance bedeutet. Die Entwicklung zu solch einem aggressiven atypischen Tumor könnte durch das kleine Molekül miRNA-145 unterdrückt werden. Prof. Dr. Christian Mawrin und sein Team am Universitätsklinikum Magdeburg untersuchen die Rolle der miRNA-145 daher in einem aktuellen Forschungsprojekt und können bereits erste Ergebnisse vorweisen.

MicroRNAs (miRNAs) sind besonders kleine Nukleinsäure-Moleküle, deren Bedeutung erst in den vergangenen zehn Jahren erkannt wurde. Die bis dahin bekannten RNA-Klassen waren entweder direkt für die Bildung spezifischer Eiweiße der Zelle verantwortlich oder ganz allgemein für die Eiweißsynthese notwendig. Im Gegensatz dazu fungieren die miRNAs als Regulatoren. So hemmt jede Sorte miRNA die Bildung einer bestimmten Serie zellulärer Eiweiße. In deren Genen sind entsprechende Andockstellen für die jeweilige miRNA ausgeprägt. Zwar können solche Zielstrukturen im Erbgut durch eine Computeranalyse identifiziert werden, eine gute Vorhersage der tatsächlichen Hemmwirkung in lebenden Zellen ist dennoch nicht möglich. Diese muss experimentell aufgeklärt werden. In den vergangenen Jahren wurde zunehmend erkannt, dass manche miRNAs als krebsfördernd wirken, andere jedoch einer Entartung entgegenwirken. Von der miRNA-145 nehmen Forscher an, dass sie bei verschiedenen Tumoren eine hemmende Funktion ausübt.

Das Forscherteam am Institut für Neuropathologie hat Hinweise darauf gefunden, dass der Verlust der Tumor-hemmenden miRNA-145 die Erklärung für die erhöhte Aggressivität atypischer und bösartiger Meningeome liefert. Falls dies zuträfe, könnte das Molekül zur Entwicklung neuer chemotherapeutischer Angriffspunkte beitragen. Die Mediziner nehmen daher in einem aktuellen Forschungsprojekt die Rolle dieser miRNA genauer unter die Lupe. An Meningeom-Zellkulturen und primären Tumorzellkulturen überprüfen sie, welchen Einfluss miRNA-145 auf Zellwachstum, -teilung und Fortbewegung von Zellen auf Oberflächen sowie auf das Einwachsen in Hirngewebe hat. Außerdem wollen sie den Einfluss auf die Resistenz der Tumorzellen gegenüber dem programmierten Zelltod (Apoptose) klären. Die Apoptose ist ein Phänomen, das in gesundem Gewebe regelmäßig auftritt und einer Gewebswucherung entgegenwirkt. Sie ist daher Anknüpfungspunkt für zahlreiche Krebsmedikamente.

„Wir wollen verstehen, über welche Signalmechanismen miRNA-145 die biologischen Prozesse beeinflusst“, erläutert Prof. Mawrin. Als Ausgangspunkt nutzen die Pathologen Eiweiße, von denen bereits eine Wechselwirkung mit miRNA-145 bekannt ist. Erste aktuelle Ergebnisse hat die Gruppe bereits publiziert:
Kliese N. et al.: miRNA-145 is downregulated in atypical and anaplastic meningiomas and negatively regulates motility and proliferation of meningioma cells. Oncogene 2012, doi: 10.1038/onc.2012.468.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 80.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Weitere Informationen zur Stiftung: http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Kontakt (Projektleitung):
Prof. Dr. med. Christian Mawrin
Institut für Neuropathologie Otto-von-Guericke Universität Leipziger Str. 44
39120 Magdeburg
Tel.: 0391 / 6715825
Christian.mawrin@med.ovgu-de
Instituts-Homepage: http://www.med.uni- magdeburg.de/Institute/Neuropathologie.html

Pressemitteilung Wilhelm Sander-Stiftung, Sylvia Kloberdanz


Krebszeitung

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