Magen- und Speiseröhrenkrebs: Neue Spezialsprechstunde am UKJ

Die schluckbare Kamera (hier in ihrer Halterung) lässt sich in der Speiseröhre stoppen, rauf- und runterbewegen und drehen. So können Ärzte den Übergang zwischen Speiseröhre und Magen genau untersuchen. - Fraunhofer

Jena (ukj/dre). Rund 20.000 Menschen in Deutschland erkranken jährlich neu an Magenkrebs, über 5.000 Menschen an Speisenröhrenkrebs. Als erste Klinik in Thüringen hat nun das Universitätsklinikum Jena (UKJ) eine Spezialsprechstunde für diese Patienten etabliert. Angesiedelt ist die Sprechstunde in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie. Klinikdirektor Prof. Dr. Utz Settmacher: „Damit können wir die Beratung und die Nachsorge dieser Patienten noch individueller gestalten.“ Eine dauerhafte Heilung ist bei Magenkrebs nur möglich, wenn der Tumor vollständig durch eine Operation entfernt werden kann. Häufig ist dabei die komplette Entfernung des Magens notwendig. Für die Patienten bedeutet dies eine enorme Umstellung in ihrer Lebensführung. Ein Großteil der Patienten ist zwischen 50 und 70 Jahre alt.

„Nur in ausgewählten Fällen ist es möglich, einen Teil des Magens erhalten zu können. Nach einer kompletten Magenentfernung ist die Speiseröhre direkt mit dem Dünndarm verbunden. Für die Patienten bedeutet dies unter anderem, dass sie etwa sieben bis acht kleine Mahlzeiten täglich zu sich nehmen müssen, statt etwa zwei oder drei großer Mahlzeiten. Denn der Magen als Reservoir steht ihnen nicht mehr zur Verfügung. Diese Umstellung und natürlich die weitere Nachsorge begleiten wir intensiv im Rahmen der Sprechstunde“, erklärt Dr. Yves Dittmar, der zusammen mit Dr. Alexander Koch und Oberärztin Dr. Silke Schüle die Sprechstunde leitet. Bis zu 50 Patienten mit Magenkrebs werden jährlich am UKJ versorgt, beim Speisenröhrenkrebs sind es rund 30. Dr. Koch: „Bei der operativen Behandlung des Speiseröhrenkrebses muss in der Regel der größere Teil der Speiseröhre entfernt und durch einen sogenannten Schlauchmagen oder ein Darmsegment ersetzt werden. In ausgewählten Fällen ist auch eine Heilung durch Strahlentherapie möglich.“

Über 25.000 Neuerkrankungen jährlich in Deutschland / Expertenwissen wird gebündelt

Die Experten der neuen „Spezialsprechstunde für Speiseröhren- und Magenkrebs“ arbeiten dabei eng zusammen mit den weiteren Tumorspezialisten am UKJ, etwa aus der Onkologie und Strahlentherapie. Auch Ernährungsberater stehen für die Patienten zur Verfügung. „Von dieser engen Zusammenarbeit profitieren die Patienten enorm, da so die unterschiedlichen Expertisen am UKJ zusammengebracht werden“, so Dr. Dittmar. Auch die neuesten Ergebnisse der langjährigen wissenschaftlichen Arbeit der Klinik auf diesem Gebiet fließen in die Sprechstunden-Beratung ein, die selbstverständlich auch externen Patienten offen steht.

Während beim Speiseröhrenkrebs häufig die Lebensführung, z.B. das Rauchen, einen großen Risikofaktor darstellt, ist beim Magenkrebs die Nennung von Risikofaktoren nicht so einfach: „Ein großer Teil der Magenkrebsfälle ist auf eine bakterielle Infektion mit Helicobacter pylori zurückzuführen, welche auch bei der Entstehung des Magengeschwürs eine sehr wichtige Rolle spielen. Auch die genetische Veranlagung spielt eine Rolle“, so Dr. Dittmar. Zukünftig soll auch ein enger Austausch der Patienten untereinander ermöglicht werden, geplant ist etwa eine jährliche Veranstaltung.

Ein Hauptsymptom beim Speiseröhrenkrebs können Schluckbeschwerden sein. Beim Magenkrebs treten Symptome häufig erst sehr spät auf, etwa in der Form von anhaltenden Oberbauchbeschwerden.

Informationen zur „Spezialsprechstunde für Speiseröhren- und Magenkrebs“ auf einen Blick:
Termin: jeden Freitag von 9 bis 13 Uhr
Tel.: 03641-322618 (Dr. Y. Dittmar)
oder 03641-322676 (Dr. A. Koch) und 03641-322645 (Sprechstundenzimmer)
E-Mail: yves.dittmar@med.uni-jena.de

Universitätsklinikum Jena
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie
Erlanger Allee 101
Jena

Pressemitteilung Universitätsklinikum Jena, Stefan Dreising


Krebszeitung

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