Magenmittel MCP verschwindet

Kurzfristiger Ausfall: Nach dem Rückruf zu MCP-Tropfen müssen sich die Apotheker umstellen. - Foto: Elke Hinkelbein

Kurzfristiger Ausfall: Nach dem Rückruf zu MCP-Tropfen müssen sich die Apotheker umstellen. - Foto: Elke HinkelbeinBerlin – In den Apotheken werden heute die meisten Medikamente mit dem Wirkstoff Metoclopramid (MCP) aus dem Regal genommen und an die Hersteller zurückgeschickt. Denn die Arzneimittelbehörde BfArM hat die Zulassung für die Magentropfen in der bislang üblichen Dosierung widerrufen. Bis es Nachfolgepräparate mit geringerer Wirkstoffmenge gibt, werden Ärzte und Patienten auf andere Medikamente ausweichen müssen. Hunderttausende Patienten sind betroffen.

MCP wird jährlich 5,7 Millionen Mal von Ärzten auf Kassenrezept verordnet. Das Medikament gehört zur Gruppe der Antiemetika und wird eingesetzt bei Störungen des oberen Magen-Darm-Traktes. Der Wirkstoff vermindert Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen unter anderem bei Migräne, Leber- und Nierenerkrankungen, Schädel- und Hirnverletzungen und Arzneimittelunverträglichkeiten. Ein weiteres Einsatzgebiet sind Verdauungsstörungen bei Diabetikern.

Wegen der seit Jahren bekannten neurologischen Nebenwirkungen hatte die europäische Arzneimittelagentur EMA den Wirkstoff untersucht und war zu dem Ergebnis gekommen, dass bei hoher Dosis und langer Behandlungsdauer die Risiken den Nutzen überwiegen. Deshalb müssen jetzt alle Tropfen mit mehr als 1 Milligramm Wirkstoff pro Milliliter vom Markt.

Bei der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) kann man die Entscheidung nachvollziehen: In der Vergangenheit sei der Wirkstoff allzu leichtfertig verordnet worden, sagt AkdÄ-Vorstandsmitglied Professor Dr. Bernd Mühlbauer. „Die Zulassungseinschränkung wäre nicht nötig gewesen, wenn die Ärzte mit MCP stringenter umgegangen wären.“

Die Lücke, die der Wegfall jetzt reißt, sehen die Mediziner jedoch auch. Einen standardisierten Ersatz gibt es aktuell nämlich nicht: Andere Wirkstoffe sind nur bei bestimmten Anwendungsgebieten zugelassen; die pflanzliche Alternative wiederum wird von den Kassen nicht erstattet.

Auch die meisten Apotheker sehen den Rückruf kritisch: Bei einer Blitzumfrage von APOTHEKE ADHOC gaben 70 Prozent der Teilnehmer an, der Widerruf der Zulassung sei überzogen, der Nutzen überwiege. Weitere 21 Prozent finden den Rückruf schlecht, weil er aus ihrer Sicht zu Engpässen in der Versorgung führen wird.

MCP ist nicht der erste Wirkstoff, bei dem auf Veranlassung der EU-Behörde die Anwendung eingeschränkt werden muss. Im vergangenen Sommer verschwand der Wirkstoff Tetrazepam komplett vom Markt, der jahrzehntelang zur Behandlung von Muskelverspannungen und Spasmen mit gesteigertem Muskeltonus eingesetzt worden war. Migränemittel mit Dihydroergotamin wurden am 1. Februar vom Markt genommen. Beim Wirkstoff Domperidon, der wie MCP gegen Übelkeit und Verdauungsstörungen eingesetzt wird, sollen demnächst die Dosierung sowie die Anwendungsdauer und -gebiete eingeschränkt werden.

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Neue Krebstherapie aus alten Medikamenten


Krebszeitung

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  • Laufen für die Heilung von Brustkrebs Quelle: Detlef Höwing
    Brustkrebs

    Brustzentren, Selbsthilfegruppen und andere Einrichtungen können sich jetzt bewerben

    FRANKFURT – Der Verein zur Heilung von Brustkrebs, KOMEN Deutschland, schreibt 30.000 Euro aus Erlösen von Benefizveranstaltungen aus, um Projekte der Früherkennung und Hilfe Brustkrebsbetroffener in den Regionen zu fördern, in denen sie eingenommen wurden. Brustzentren, Selbsthilfegruppen und andere gemeinnützige Einrichtungen in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Hamburg können sich ab jetzt für eine einjährige Förderung bewerben.

    „Es ist seit 1999 gute Tradition in Deutschland, dass wir Spenden sammeln und sie für Brustkrebs-Früherkennung und Hilfe Betroffener ausgeben“, sagte Inge Althaus, Vorsitzende des Fachausschusses Fördergelder, bei der Bekanntgabe des diesjährigen Fördervolumens in Frankfurt am Main. „Neben der Brustkrebsprävention und Früherkennung unterstützen wir vorrangig Projekte, die die Lebensqualität von Brustkrebserkrankten verbessern“. Bei Brustkrebs können Nebenwirkungen der Behandlung die Lebensqualität von Operierten beeinträchtigen. Dazu zählen Lymphödeme, Fatigue oder Schlafstörungen. Die Erkrankung und die langwierige Behandlung kann auch Partnerschaft und Familie belasten. „Deshalb fordern wir in diesem Jahr besonders solche Einrichtungen auf, sich für eine Projektförderung zu bewerben, die darin Schwerpunkte ihrer Arbeit haben“, erläuterte Inge Althaus.

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  • Sonnenbaden
    Hautkrebs

    Sonnenschutz von Anfang an reduziert das Hautkrebsrisiko

    SonnenbadenBonn (sts) – Die Zahl der Hautkrebsfälle in Deutschland hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Derzeit erkranken etwa 234.000 Menschen pro Jahr neu an einem Tumor der Haut: Rund 207.000 an einem weißen Hautkrebs (Basalzellkarzinom: 137.000, Plattenepithelkarzinom: 70.000) und etwa 28.000 am schwarzen Hautkrebs, dem malignen Melanom. Experten machen insbesondere UV-bedingte Hautschäden, die in der Kindheit und Jugend erworben wurden, für diesen Trend verantwortlich. Denn die im Vergleich zu Erwachsenen noch anders strukturierte kindliche Haut ist besonders empfindlich gegen UV-Strahlen. „Sonnenschutz muss daher bereits bei Kindern so selbstverständlich werden wie das tägliche Zähneputzen“, fordert Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe.

    Schon bevor ein Sonnenbrand sichtbar wird, können ultraviolette Strahlen der Sonne das Erbgut der Zellen in der Haut schädigen. In der Regel beseitigt ein körpereigenes Reparatursystem entstandene Schäden. Ist dieses System überlastet, verändert sich das Erbgut und die Zelle kann entarten. Hautkrebs ist die Folge.

    Kinderhaut reagiert ganz besonders empfindlich auf UV-Strahlen. Epidemiologische Studien zeigen: Jugendliche, die in ihrer Kindheit häufig der Sonne ausgesetzt waren und Sonnenbrände erlitten, weisen ein deutlich erhöhtes Risiko auf, später an Hautkrebs, insbesondere am malignen Melanom zu erkranken. Experten machen die spezifische Struktur der Kinderhaut für das erhöhte Hautkrebsrisiko verantwortlich. „Die UV-empfindlichen Stammzellen liegen bei Kindern sehr viel dichter unter der Hautoberfläche als bei Erwachsenen und sind UV-Strahlen somit stärker ausgesetzt“, erklärt Professor Dr. Eckhard Breitbart, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). Auch bei Sonnenbränden reagiert die kindliche Haut anders als die Erwachsener. Dieses „Alarmsignal“ des Körpers tritt bei Kindern zeitverzögert auf. Die Haut ist dann bereits erheblich geschädigt. „Kinderhaut muss daher ganz besonders vor krebserregenden UV-Strahlen geschützt werden“, betont Dr. Herbert Grundhewer vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.

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