MDC-Forscher entdecken Schlüsselelement für Entstehung des Burkitt- Lymphoms

Auf weißen Blutkörperchen von Patienten mit Chronischer Lymphatischer Leukämie docken zwei Rezeptoren an der Außenseite der Zelle aneinander (oben, blau dargestellt) und lösen über Bausteine an der Innenseite der Zelle (unten) eine Signalkaskade aus. Diese ist ein wichtiger Bestandteil der Umwandlung der Immunzelle in eine sich unkontrolliert vermehrende Krebszelle. Gafik: Dühren-von Minden

Das Burkitt-Lymphom ist ein bösartiger, rasch wachsender Tumor, der aus einer Unterart der weißen Blutzellen, den B-Lymphozyten des Immunsystems, entsteht und häufig innere Organe sowie das Zentrale Nervensystem befällt. Jetzt haben Dr. Sandrine Sander und Prof. Klaus Rajewsky vom Max-Delbrück- Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch ein neues Schlüsselelement identifiziert, das die Immunzellen zu bösartigen Lymphomzellen umfunktioniert. Sie entwickelten ein Mausmodell, das grosse Ähnlichkeit zum Burkitt-Lymphom des Menschen hat und mit dem neue Therapiestrategien zur Behandlung der Erkrankung entwickelt werden können (Cancer Cell, http://dx.doi.org/10.1016/j.ccr.2012.06.012)*.

Das Burkitt-Lymphom ist vornehmlich eine Tumorerkrankung des Kindesalters, die besonders häufig in Äquatorialafrika und Südamerika vorkommt. Dieser Tumor entwickelt sich in den Keimzentren der Lymphorgane (Peyer`sche Platten im Darm, Lymphknoten und Milz). Am Anfang steht dabei der Kontakt von reifen B-Zellen mit einem Fremdstoff (Antigen). Diese B-Zellen modifizieren ihr Erbgut (DNA) im weiteren Verlauf, um eine hochspezifische Antwort gegen das Antigen bilden zu können. Hierbei spielt der B-Zell- Rezeptor (B-cell-receptor = BCR), ein Antikörper, eine entscheidende Rolle. Damit er das jeweilige Antigen optimal erkennen und eine angemessene Immunantwort einleiten kann, müssen die DNA-Abschnitte, die die Bauanleitung für den Antikörper enthalten, modifiziert und neu geordnet werden. Bei diesen Prozessen entstehen Brüche in der DNA, die aufgrund fehlerhafter Reparaturmechanismen zu genetischen Veränderungen führen können, die ein erhebliches Risiko für eine Krebserkrankung mit sich bringen.

So ist seit langem bekannt, dass im Burkitt-Lymphom Fehler in der Behebung dieser DNA- Strangbrüche zu einem Positionswechsel (Translokation) des c-MYC Onkogens führen. Dieses Gen steuert die Zellteilung und daher ist seine Expression in normalen Zellen engmaschig kontrolliert. Ist dieses Gen aufgrund einer Translokation fehlreguliert, teilen sich die betroffenen Zellen ungebremst. Sie sterben jedoch auch vermehrt ab, da eine fehlerhafte Expression von c-MYC den programmierten Zelltod (Apoptose) einleitet. Eine alleinige Fehlregulation von c-MYC ist daher nicht in der Lage, eine Zelle zur Krebszelle zu machen. Damit ein Burkitt- Lymphom entsteht, müssen die Lymphozyten zusätzliche Veränderungen tragen, die ihr Absterben verhindern.

Vor einigen Jahren konnte Prof. Rajewsky mit seinen Mitarbeitern zeigen, dass ein Enzym, kurz PI3K genannt, entscheidend für das Überleben von reifen B-Zellen ist. Es aktiviert einen Signalweg, der Zellwachstum steuert und dem programmierten Zelltod entgegenwirkt. Dr. Sander und Prof. Rajewsky haben bei ihrer jetzt veröffentlichten Arbeit auf dieses Wissen zurückgegriffen und in Mäusen ein Zusammenwirken von c-MYC und PI3K in der Tumorentstehung untersucht. Sie konnten zeigen, dass PI3K das Schlüsselelement im Burkitt-Lymphom ist, welches c-MYC befähigt, Lymphozyten in Lymphomzellen umzuwandeln, die sich ununterbrochen teilen und dem programmierten Zelltod entgehen.

Da jedoch nicht jede B Zelle, die c-MYC und PI3K ausprägt, zur Lymphomzelle wird, vermuten die Forscher, dass noch weitere genetische Veränderungen bei der Entstehung des Burkitt-Lymphoms von Bedeutung sind, wie sie sie auch tatsächlich in ihrem Mausmodell gefunden haben. Eine Arbeit von Prof. Louis Staudt (National Cancer Institute, Bethesda, Maryland, USA), die zeitgleich in der Fachzeitschrift Nature (DOI: 10.1038/nature11378) veröffentlicht wurde, bestätigt diese Vermutung. Prof. Staudt konnte zeigen, dass Burkitt-Lymphom Patienten neben Mutationen, die zur Aktivierung des PI3K-Signalwegs führen, auch Veränderungen anderer Gene besitzen, die den Veränderungen in der Maus gleichen.

„Zusätzlich zur Fehlregulation von c-MYC ist die Aktivierung des PI3K Signalwegs ein Schlüsselelement bei der Entstehung des Burkitt-Lymphoms“, betonen Dr. Sander und Prof. Rajewsky. „Die Hemmung dieses Signalwegs könnte daher ein wirksamer Ansatz für die Behandlung des Burkitt-Lymphoms sein.“

*Synergy between PI3K signalling and MYC in Burkitt lymphomagenesis Sandrine Sander,1,2 Dinis P. Calado,1,2 Lakshmi Srinivasan,1 Karl Köchert,2 Baochun Zhang,1 Maciej Rosolowski,3 Scott J. Rodig,4 Karlheinz Holzmann,5 Stephan Stilgenbauer,6 Reiner Siebert,7 Lars Bullinger,6 and Klaus Rajewsky 1,2,#

  1. Program of Cellular and Molecular Medicine, Children’s Hospital, and Immune Disease Institute, Harvard Medical School, Boston, MA 02115, USA
  2. Max Delbrück Center for Molecular Medicine, Berlin-Buch 13092, Germany
  3. Institute for Medical Informatics, Statistics and Epidemiology, University of Leipzig, Leipzig 04107, Germany;
  4. Department of Pathology, Brigham and Women’s Hospital, Boston, MA 02115, USA
  5. Microarray Core Facility, University of Ulm, Ulm 89081, Germany
  6. Department of Internal Medicine III, University Hospital of Ulm, Ulm 89081, Germany
  7. Institute of Human Genetics, University Hospital Schleswig-Holstein Campus Kiel/Christian- Albrechts University Kiel, Kiel 24105, Germany;

Kontakt
Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch in der Helmholtz-Gemeinschaft
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin<
br /> Tel.: +49 (0) 30 94 06 – 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 – 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de/

Informationsdienst Wissenschaft – idw – Pressemitteilung Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch, Barbara Bachtler


Krebszeitung

--Download MDC-Forscher entdecken Schlüsselelement für Entstehung des Burkitt- Lymphoms als PDF-Datei --


  • Eine Killerzelle kontaktiert eine Tumorzelle (links) und löst sich nach einer Stunde (Mitte). Nach weiteren zwei Stunden bilden sich Bläschen (rechts, roter Pfeil) auf der Oberfläche der angegriffenen Tumorzelle. Abbildung: MPI für Neurobiologie / Jen
    Multiples Myelom - Plasmozytom

    Tumorzellen benötigen viel Energie, damit sie sich teilen und ungebremst vermehren können. Diese Energie gewinnen sie auf einem anderen Weg als gesunde Zellen. Ob sich dieser Weg als Ansatz für eine neue Therapie eignet, untersuchen Wissenschaftler der Uni Würzburg am Beispiel des Multiplen Myeloms.

    Die Idee klingt bestechend einfach: In einem Multiplen Myelom sind die Tumorzellen auf einen permanenten Nachschub an Glukose und Glutamin angewiesen, damit sie sich teilen und wachsen können. Entzieht man der Zelle Glutamin, stirbt sie. Glutaminase ist das zentrale Enzym des Glutamin-Stoffwechsels und in Tumorzellen häufig erhöht aktiv. Ob sich Glutaminase als therapeutische Zielstruktur eignet, untersucht Dr. Madlen Effenberger in einem neuen Forschungsprojekt am Universitätsklinikum Würzburg. Die Deutsche Krebshilfe finanziert das Projekt mit 250.000 Euro.

    […mehr lesen]

  • Laufen für die Heilung von Brustkrebs Quelle: Detlef Höwing
    Brustkrebs
    Brustkrebspatientinnen zeigen schon vor der Behandlung Aufmerksamkeitsstörungen. Diese werden offenbar durch posttraumatischen Stress infolge der Krebsdiagnose verursacht, wie eine Studie von LMU-Forschern nachweist. Bei Krebspatienten können Störungen der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses und anderer Basisfunktionen mentaler [...mehr lesen]

Google News – Gesundheit

  • Zahl der Ebola-Toten steigt Behörden bestätigen Opfer im Kongo
    am 26. Mai 2018 um 16:25

    Zahl der Ebola-Toten steigt Behörden bestätigen Opfer im Kongo  Kölnische RundschauDeutschland unterstützt Kampf gegen Ebola-Ausbruch im Kongo  Yahoo Nachrichten DeutschlandDrei Patienten fliehen aus Klinik in Mbandaka  SPIEGEL ONLINE„Es kam zur Katastrophe, weil politisch versagt […]

  • Meine Gelddruckmaschine
    am 26. Mai 2018 um 14:42

    Meine Gelddruckmaschine  wallstreet-onlineFull coverag […]

  • Mit neuer Antibiotika-Alternative bakterielle Infektionen bekämpfen
    am 26. Mai 2018 um 14:33

    Mit neuer Antibiotika-Alternative bakterielle Infektionen bekämpfen  Heilpraxisnet.deFull coverag […]

  • WHO warnt vor Nipah-Erreger
    am 26. Mai 2018 um 12:29

    WHO warnt vor Nipah-Erreger  tagesschau.deRisiko einer Infektion mit den Nipah-Virus für Touristen gering  Ärzte ZeitungNipah-Virus 2018: Killer-Virus! Droht uns jetzt eine Pandemie?  news.deFull coverag […]

  • Schwerste Grippewelle im Südwesten seit Jahren ist vorüber
    am 26. Mai 2018 um 07:22

    Schwerste Grippewelle im Südwesten seit Jahren ist vorüber  Süddeutsche.deUngewöhnlich schwere Grippewelle - mehr als 1600 Tote  SPIEGEL ONLINERobert Koch-Institut: Bilanz: Ungewöhnlich starke Grippewelle - mehr als 1600 Tote  FOCUS OnlineGrippewelle fiel ungewöhnlich stark […]