Medizinische Qualität in Deutschland in Gefahr

Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg - Quelle: Wahlers PR
Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg - Quelle: Wahlers PR

Defizite in der Aus- und Weiterbildung beheben

Die föderale Struktur in Deutschland führt mit lokal unterschiedlichen und schnell wechselnden Konzepten der Schulbildung bereits zu einer unterschiedlichen Vor- und Allgemeinbildung der Studienanfänger. Gleichzeitig wird der Zugang zum Medizinstudium über Abiturnoten und länderspezifische Bonus- und Malus-Systeme geregelt, ohne die wirkliche Motivation und Befähigung der Bewerber zu berücksichtigen.

Die noch immer hohe Attraktivität des Arztberufs sorgt für einen anhaltenden Ansturm auf die begrenzte Zahl der Studienplätze. Dennoch droht wegen der demographischen Entwicklung, sowohl der Bevölkerung als auch der Ärzteschaft, zukünftig ein eklatanter Ärztemangel. Dieser wird sich aufgrund geänderter Ansprüche an die „Work-Life-Balance“ gerade in den operativen Fächern wie der Urologie negativ auswirken. Ein über 70-prozentiger Frauenanteil bei Studienanfängern, mit besonderen Ansprüchen an die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, spielt dabei ebenso eine Rolle wie die relativ hohe „drop-out“-Rate von Studienabsolventen, die ihren weiteren Berufsweg nicht in der klinischen Medizin suchen.

Ein mit zuviel Theorie überfrachtetes Studium und als praxisfremd empfundene Multiple-choice-Prüfungen unterstützen theorierelevantes Lernen, es fehlen aber objektive und reproduzierbare Kriterien, um die Kompetenzen eines guten Arztes möglichst frühzeitig zu erkennen und zu fördern.

Auch in der Weiterbildung zum Facharzt mangelt es in den operativen Fächern an Möglichkeiten, die chirurgische Kompetenz objektiv zu erfassen. Nach fünf Jahren an einer zugelassenen Klinik genügen die Unterschrift des ausbildenden Chefarztes und eine mündliche Prüfung vor einer Kommission der dafür verantwortlichen Landesärztekammer, um als Facharzt eigenverantwortlich operieren und agieren zu dürfen.

Auf diesem Kongress vorgestellte Daten bzgl. der postoperativen Kontinenz nach radikaler Prostatektomie innerhalb der ersten postoperativen Wochen zeigen zum Beispiel, dass diese „Frühkontinenz“ nur bei einem Drittel aller Patienten und nur von etwa der Hälfte aller operierenden Kliniken erreicht wird. Wenn auch die Kontinenz in der Mehrzahl der Fälle im Verlauf weiterer Monate besser wird, belegen diese Daten doch eine große Schwankungsbreite dieses auf operativer Technik beruhenden Zielkriteriums. Erstaunlicherweise spielt die dabei verwendete und oft sehr teuere Technik (offene Operation vs. „Roboter“) keine Rolle.

Grundsätzlich muss die ärztliche Ausbildung auf medizinischfachlichen und medizinisch-ethischen Grundsätzen basieren. Diese sind aber immer weniger mit der zunehmenden Ökonomisierung unseres Gesundheitswesens in Einklang zu bringen, denn hier dominieren zunehmend Kostendeckelung und Erlössicherung den Alltag der ärztlichen Tätigkeit in Klinik und Praxis. Aus der einstigen Freiberuflichkeit des Arztes ist in der heutigen Gesundheitswirtschaft ein Angestelltenverhältnis geworden und der in seinen medizinischen Entscheidungen oft nicht mehr ganz freie Arzt muss lernen, den Patienten als „Kunden“ und die Behandlung als Produkt anzusehen, welches unter Marketing-Aspekten den Ansprüchen des Arbeitgebers oder den Kostennotwendigkeiten der eigenen Praxis gerecht werden muss. Die politisch gewollte, zunehmende Verwischung der Grenzen zwischen ambulant und stationär führt zu bereits erkennbaren Problemen in der Balance zwischen Qualität und Effizienz.

Für Arzt und Krankenhaus lukrative Eingriffe wie Gelenkersatz- Operationen boomen im europäischen Vergleich ausgerechnet in Deutschland, und nicht immer ist dabei sichergestellt, dass der beste Operateur oder die am besten strukturierte Klinik ausgewählt werden. All dies liegt nicht im Interesse der Patienten. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) sieht hier in Zukunft große Probleme. Das Streben nach Qualität in der Medizin und die Beachtung der notwendigen medizinischethischen Grundsätze werden immer häufiger den in der freien Marktwirtschaft üblichen Optimierungs- und Rationalisierungsgedanken geopfert.

Damit wird das Vertrauen der Gesellschaft in das ganze System und in die Ärzteschaft schwer geschädigt. Die Politik, als Verursacher dieser Veränderungen, sieht sich hier kaum in der Verantwortung. Bei steigendem Bedarf an Leistungen in Gesundheit und Pflege wird man an die Grenzen der immer knapper werdenden Mittel stoßen, sodass Priorisierung und Rationierung in unserem Gesundheitswesen wahrscheinlich unvermeidbar sein werden.

Es bedarf deshalb größter Anstrengungen, um die Qualität medizinischer Ausbildung zu verbessern und die Befähigung zukünftiger Ärztegenerationen, allen diesen Schwierigkeiten gerecht zu werden, sicherzustellen. Bisher gibt es für die Zukunft der ärztlichen Ausbildung und der fachärztlichen Weiterbildung nicht genügend Konzepte. Versuche anderer Länder, z.B. operative Fähigkeiten objektiv zu erfassen, werden in Deutschland bisher ebenso ignoriert wie die Einführung verbindlicher Standards und die Erfassung von Ergebnisqualität in der Ausbildung.

Refernt: Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg

Pressemitteilung der DGU


Krebszeitung

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  • Alkohol ist ein Leberzellgift und kann die Entwicklung von Leberkrebs in drei Stufen initiieren. Durch Teilung gesunder Leberzellen kann der Tod einzelner Leberzellen kompensiert werden. Ein kontinuierlicher Alkoholkonsum verursacht eine chronische alkoholische Leberschädigung mit starker Leberzellteilung. Dabei besteht das Risiko, dass sich einige Leberzellen in Tumorzellen (kleine Zellen) umwandeln und Leberkrebs verursachen.
    Leberkrebs

    Alkohol ist ein Leberzellgift und kann die Entwicklung von Leberkrebs in drei Stufen initiieren. Durch Teilung gesunder Leberzellen kann der Tod einzelner Leberzellen kompensiert werden. Ein kontinuierlicher Alkoholkonsum verursacht eine chronische alkoholische Leberschädigung mit starker Leberzellteilung. Dabei besteht das Risiko, dass sich einige Leberzellen in Tumorzellen (kleine Zellen) umwandeln und Leberkrebs verursachen.Das Hepatozelluläre Karzinom (HCC) ist eine Leberkrebserkrankung mit zunehmender Häufigkeit und sehr schlechten Heilungschancen. Regelmäßiger, starker Alkoholkonsum ist ein erwiesener Risikofaktor für die Entstehung von HCC. Obwohl dieser Zusammenhang schon sehr lange bekannt ist, sind die zugrunde liegenden Mechanismen kaum erforscht. Die Arbeitsgruppe um Dr. Yulia Nevzorova aus der Uniklinik der RWTH Aachen will nun die Mechanismen der alkoholbedingten Leberkrebsentstehung analysieren. Ziel des Projekts ist die Untersuchung der Leberzellteilung nach Alkoholkonsum. Die Wissenschaftler vermuten, dass ein gezielter Eingriff in den Zellteilungsprozess vor HCC schützen könnte.

    Die unkontrollierte Teilung von Körperzellen führt häufig zu Tumorentstehung und Krebs. In der Leber ist eine präzise Kontrolle der Leberzellteilung besonders wichtig, weil Leberzellen (Hepatozyten) ohnehin ein besonders hohes Teilungspotential besitzen. Da die Leber für die Entgiftung des Körpers zuständig ist, sterben häufig Hepatozyten durch direkten Kontakt mit giftigen Substanzen. Normalerweise wird dieser Zellverlust durch die sogenannte Leberregeneration repariert. Dabei „merken“ gesunde Hepatozyten, dass ihre Nachbarzelle gestorben ist und aktivieren einen Prozess, der als Zellzyklus bezeichnet wird. Dabei verdoppeln die Zellen ihre Erbsubstanz und teilen sich anschließend, wodurch der ursprüngliche Zellverlust kompensiert wird. Bei einer chronischen Leberschädigung zum Beispiel durch regelmäßigen Alkoholkonsum – der sogenannten alkoholischen Lebererkrankung – kann es allerdings zu einer kontinuierlichen Leberzellteilung kommen, wodurch sich das Risiko für die Entstehung von Leberkrebs stark erhöht (siehe Abbildung).

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  • Referenten der Pressekonferenz beim Deutschen Krebskongress 2014
    Prostatakrebs

    Berlin, 18. März 2014 – “Wir freuen uns sehr, dass wir – wie geplant – im Februar des Jahres mit der PROBASE-Studie beginnen konnten und die ersten Männer bereits in den Studienzentren untersucht wurden”, sagt Studienleiter Prof. Dr. Peter Albers, Direktor der Urologischen Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf. Ziel der PROBASE-Studie ist eine Optimierung des Prostatakrebs-Screenings mithilfe eines so genannten Basis-PSA-Werts. „Wir untersuchen, ob in Abhängigkeit von der Höhe eines einmalig bestimmten PSA-Werts ein risikoadaptiertes Vorgehen bei der Prostatakrebs-Vorsorge möglich ist“, erläutert Prof. Dr. Albers.

    Um diese Hypothese zu überprüfen, schließen vier Studienzentren bundesweit (Universitätsklinikum Düsseldorf, Universitätsklinikum Heidelberg, Klinikum rechts der Isar der TU München, Medizinische Hochschule Hannover) über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt 50.000 gesunde, 45-jährigen Männer ein. Die Teilnehmer werden über die Einwohnermeldeämter nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und von den Studienzentren eingeladen. Eine selbstständige Teilnahme ist nicht möglich, da dies die Studienergebnisse verfälschen könnte. Inzwischen wurden aus allen Zentren die Probanden zur Teilnahme eingeladen. „Wir sind mit dem Rücklauf bislang zufrieden und hoffen, dass sich viele der von uns angeschriebenen Männer zur Teilnahme an der Studie bereit erklären. Denn hiervon profitieren nicht nur die Studienteilnehmer selbst, sondern viele Männer weltweit“, hob Prof. Dr. Albers hervor.

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