MHH-Studie zeigt: Urintest ist besser als Biopsie

In Leukämiezellen (hier lila) wird durch das neue Medikament der Signalweg zum natürlichen Absterben wieder freigemacht. Foto: Universitätsklinikum Ulm
In Leukämiezellen (hier lila) wird durch das neue Medikament der Signalweg zum natürlichen Absterben wieder freigemacht. Foto: Universitätsklinikum Ulm

Test ermöglicht frühzeitige Behandlung von Komplikationen nach Stammzelltransplantation / Multizentrische Studie beweist erhöhte Überlebenschancen für Leukämie-Patienten

Die Stammzelltransplantation wird bei bösartigen Erkrankungen wie Leukämien erfolgreich eingesetzt – trotzdem birgt der Eingriff Risiken. Eine lebensgefährliche Komplikation ist die „Graft versus Host“-Reaktion (GvHD). Die Immunzellen des Transplantats erkennen die gesunden Zellen des Empfängers als fremd und greifen sie an. Bei schwerwiegenden Verläufen können dadurch etwa 80 Prozent der Patienten sterben, obwohl die Leukämie- Erkrankung selbst erfolgreich therapiert wurde. Ein Forscherteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat gemeinsam mit einem Biotechnologie-Unternehmen einen Urintest entwickelt, mit dem die Mediziner Komplikationen nach Stammzelltransplantationen frühzeitig erkennen.

In einer jetzt online veröffentlichten prospektiven Diagnosestudie konnten die Wissenschaftler zeigen, dass dieser Test ebenso zuverlässig und aussagekräftig ist, wie eine ansonsten übliche Gewebeentnahme (Biopsie), allerdings wesentlich früher Ergebnisse liefert. Das ergab eine multizentrische Validierung mit mehr als 1000 untersuchten Proben. Anzeichen für schwerwiegende Komplikationen – wie etwa drohende Organschäden – lassen sich bereits 14 Tage vor ihrem Auftreten im Urin der Patienten erkennen und somit frühzeitig behandeln.

„Das Muster aus 17 verschiedenen Proteinmarkern erhöht die Genauigkeit der Vorhersage gewaltig“, stellt Professorin Dr. Eva Mischak-Weissinger fest, Wissenschaftlerin aus dem Team von Professor Dr. Arnold Ganser, Direktor der MHH-Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation. „Der Urintest erkennt die Komplikationen einer schweren Verlaufsform von GvHD so schnell, dass erstmalig die Vermeidung unumkehrbarer Organschäden etwa an Leber, Darm und Haut ermöglicht wird“, erläutert Professorin Mischak-Weissinger. Damit übertreffe der Test die Diagnose durch Biopsie, die erst dann positive Ergebnisse liefere, wenn der Patient bereits an GvHD erkrankt sei. „Dann kann es aber schon längst zu spät für eine Behandlung sein“, sagt die Wissenschaftlerin.

Die Studie wird seit 2008 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen ihres Förderprogramms „Klinische Studien“ mit 1,5 Millionen Euro unterstützt und läuft bis zum Jahr 2015 weiter. Teilprojekte werden zudem in dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereich 738 untersucht. Auch innerhalb des an der MHH angesiedelten Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums Transplantation IFB-Tx forscht Mischak-Weissinger an weiteren Ergänzungsuntersuchungen, die die Überlebenschancen von Leukämiepatienten verbessern sollen. Dabei geht es unter anderem um die Gabe bestimmter T-Helferzellen, die direkt gegen die Leukämieerkrankung wirken.

Zum Hintergrund:
Grundlage des Urintests bilden Proteine und Peptide, die jeder Organismus in seinen Körperflüssigkeiten enthält. Sie sind unter anderem Botenstoffe des Körpers und bilden ein komplexes Muster, das sich je nach Gesundheitszustand verändert. Die betroffenen Patienten werden mit der Standardtherapie für GvHD – etwa der Gabe von Steroiden – frühzeitig behandelt, bevor Symptome auftreten. Biopsien und damit weitere invasive Eingriffe bleiben ihnen erspart.

Weitere Informationen geben Ihnen Professor Dr. Arnold Ganser, Telefon (0511)532-3020, ganser.arnold@mh-hannover.de, Direktor der Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation, und Professorin Dr. Eva Mischak-Weissinger, Telefon (0511) 532-9518, Mischak- Weissinger.Eva@mh-hannover.de.

Pressemitteilung Medizinische Hochschule Hannover, Stefan Zorn

Jeder dritte Krebspatient braucht seelische Hilfe


Krebszeitung

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  • Bilder aus zwei unterschiedlichen Verfahren werden digital miteinander verschmolzen – Ultraschall-Aufnahmen und Daten aus dem MRT, dem Magnetresonanztomografen. Uniklinikum Tübingen
    Brustkrebs

    Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin:

    Berlin, 21. März 2013 – Bis zu 60 000 Frauen in Deutschland erkranken jährlich neu an Brustkrebs. Zur Therapie gehört in vielen Fällen eine Operation. Wie eine aktuelle Studie zeigt, verbessert sich das chirurgische Ergebnis für die Patientinnen, wenn behandelnde Ärzte den Tumor mittels Ultraschall vermessen. In der Studie entfernten die Operateure ein Drittel weniger Brustgewebe als Kollegen, die sich anhand ihres Tastsinns orientierten. Zudem brauchten ihre Patientinnen seltener eine Nachbehandlung. Über die Vorteile der „Mammasonografie“ bei Früherkennung, Therapie und Nachkontrolle von Brustkrebs informieren Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) heute auf der Pressekonferenz in Berlin.

    Um bei einer Operation die Ausdehnung des Tumors zu erkennen, waren die Operateure lange Zeit auf ihre Sicht und auf ihren Tastsinn angewiesen. Die Abgrenzung vom gesunden Gewebe ist jedoch schwierig und es besteht die Gefahr, dass mehr Gewebe als nötig – oder zu wenig – entfernt wird. Im ersten Fall wird das Erscheinungsbild der Brust stärker beeinträchtigt als notwendig, was für die Betroffenen eine zusätzliche psychische Belastung darstellen kann. Im zweiten Fall wird eine weitere Operation notwendig, wenn in der feingeweblichen Untersuchung unter dem Mikroskop Krebszellen am Schnittrand gefunden werden. Besonders schwierig ist die Situation bei Brustkrebs.

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  • Die Behandlung mit Silibinin aus dem Samen der Mariendistel könnte für Patienten mit Morbus Cushing ... Curtis Clark, Wikipedia (CC BY-SA 2.5)
    Hirntumoren
    Silibinin aus der Mariendistel als neue, nicht-invasive Behandlungsstrategie gegen Morbus Cushing Silibinin ist für Menschen ausgesprochen gut verträglich und wird derzeit zur Behandlung von Lebervergiftung durch den Knollenblätterpilz verwendet. Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in [...mehr lesen]

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