Mistel, Johanniskraut & Co. – sinnvoll bei Krebs?

Ein Wirkstoff im Beifuß bekämpft das Aderhautmelanom - Quelle: Uni Graz
Ein Wirkstoff im Beifuß bekämpft das Aderhautmelanom - Quelle: Uni Graz

Bonn (gb) – Welche ergänzenden oder komplementären Heilverfahren gibt es? Wie kann ich selbst meine Behandlung sinnvoll unterstützen? Wo finde ich verlässliche Informationen dazu? Diese Fragen stellen sich an Krebs erkrankte Menschen immer häufiger: Mehr als die Hälfte aller Betroffenen greifen im Verlauf der Therapie auf Komplementärverfahren zurück. Das jetzt gestartete „KOKON“-Projekt, ein Zusammenschluss mehrerer Kliniken und Forschungsinstitutionen, hat das Ziel, verlässliche und wissenschaftlich ausgewertete Informationen für Patienten und alle in der Onkologie beschäftigten Berufsgruppen bereitzustellen. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt über einen Zeitraum von drei Jahren mit 2,5 Millionen Euro.

Verbundprojekt „KOKON“ klärt über alternative Heilmethoden auf

In der häufig lebensbedrohlichen Situation einer Krebserkrankung wollen viele Betroffene nichts unversucht lassen. Neben der schulmedizinischen Behandlung suchen viele Krebspatienten nach alternativen und komplementären Therapieformen. „Dabei stoßen sie auf ein schier endloses Angebot an Methoden und Heilmitteln, Philosophien und Ratschlägen“, erklärt Dr. Markus Horneber vom Zentrum für Onkologie und Hämatologie am Klinikum Nürnberg. Neben einer Vielzahl an pflanzlichen Präparaten werden auch Nahrungsergänzungsmittel, spezielle Entspannungstechniken und körperliches Training sowie Methoden aus der traditionellen chinesischen Medizin angeboten.

„Es ist schwer, sich in dieser Informationsvielfalt zurechtzufinden. Nicht nur für Patienten, sondern auch für Ärzte und Pflegekräfte“, so Horneber weiter. Der Mediziner ist Sprecher des wissenschaftlichen Verbundprojektes „ Kompetenznetz Komplementärmedizin in der Onkologie“ der Deutschen Krebshilfe, kurz „KOKON“. Auch qualitativ decken Komplementärverfahren eine große Bandbreite ab: „Von seriösen Methoden bis hin zu gefährlichem Pfusch ist alles möglich“, so Horneber weiter. Auch das am harmlosesten erscheinende Präparat könne beispielsweise die Wirkung einer Chemotherapie stören.

Ziel des Projektes ist es, das Wissen über alternative Methoden in der Krebstherapie zu sammeln und wissenschaftlich zu bewerten. Dazu werden zunächst Krebspatienten und im Gesundheitswesen Tätige zu ihren Informationsbedürfnissen befragt. Diese Erkenntnisse sollen zukünftig in Form einer allgemein zugänglichen Informationsplattform verfügbar sein. Zudem wollen die Experten ein Netzwerk von Beratungsstellen einrichten, an die sich Interessierte wenden können. Fort- und Weiterbildungsangebote für Ärzte und Pflegekräfte runden das Programm ab.

„Uns geht es vor allem darum, dieses Feld der Patientenversorgung zu professionalisieren“, erläutert Horneber. „Bei vielen Betroffenen ist es zudem nicht notwendig, zu fragen, welche Therapie in Frage kommt, sondern ob es überhaupt sinnvoll ist, auf komplementäre Verfahren zurückzugreifen.“ Generell gilt: Komplementärmedizinische Methoden sollten immer nur ergänzend zu einer professionellen onkologischen Behandlung durch Fachärzte angewendet werden. Sie können aber die Nebenwirkungen der belastenden Therapie lindern und Hilfen für die Auseinandersetzung mit der Krankheit bieten.

Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe betont: „Mit diesem Kompetenznetzwerk kommt die Deutsche Krebshilfe dem Wunsch vieler Patienten nach, verlässliche und wissenschaftlich gesicherte Informationen über komplementäre Therapieverfahren bereitzustellen. Eines unserer Hauptanliegen ist es, eine qualitätsgesicherte Informationsplattform zu schaffen, auf die alle Krebspatienten zugreifen können.“

Neben dem Klinikum Nürnberg ist eine Reihe weiterer Forschungsinstitutionen an „KOKON“ beteiligt: die Charité Universitätsmedizin Berlin, die Universität Frankfurt am Main, das Klinikum Fürth, die Universität Greifswald, die Klinik für Tumorbiologie Freiburg, die Universitätsklinik Fürth, die Universitätsklinik Hamburg- Eppendorf, das Hans-Bredow-Institut in Hamburg sowie die Universitätsmedizin Rostock.

Hintergrund-Information: Krebsforschung
Die Fortschritte in der Krebsforschung haben in der Vergangenheit dazu beigetragen, neue und wirkungsvollere Therapien gegen Krebs zu entwickeln und bestehende Behandlungsansätze weiter zu optimieren. So konnten die Überlebenschancen und die Lebensqualität krebskranker Menschen in den vergangenen Jahren stetig verbessert werden. Diese Erfolge sind im Wesentlichen auch der Deutschen Krebshilfe zu verdanken, denn die gemeinnützige Organisation ist der bedeutendste private Förderer der Krebsforschung in Deutschland. Allein 2011 investierte die Deutsche Krebshilfe etwa 32 Millionen Euro in die onkologische Forschung. Bei der Forschungsförderung gilt es, im Sinne einer optimalen Patientenversorgung vielversprechende Ergebnisse aus der Forschung schnell und effizient in die klinische Prüfung und Anwendung zu bringen.

Pressemitteilung Deutsche Krebshilfe e. V.


Krebszeitung

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