Mit Lungenkrebs in die Spezialklinik

Krebssymbol - pixabay
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Sterblichkeit nach Eingriff in OP-Zentren halb so groß

München – In Kliniken, die jährlich mehr als 100 Patienten mit Lungenkrebs operieren, ist die Sterberate nahezu um die Hälfte geringer. Dies zeigen Daten des Statistischen Bundesamts. Lungenkrebs operativ zu entfernen ist häufig die einzige Chance, die Patienten zu heilen. Die aktuellen Ergebnisse belegen, dass die hochkomplexen Operationen an spezialisierten Behandlungszentren besser gelingen. Die Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT) fordert daher, die Eingriffe ausschließlich in dafür geeigneten Krankenhäusern durchzuführen. Deren Präsident erläutert auf einer Pressekonferenz im Rahmen des Chirurgenkongresses am 2. Mai 2013 in München die aktuellen Daten zu Lungenkrebsoperationen. Während des Kongresses diskutieren Chirurgen aller Fächer, inwiefern Mindestoperationszahlen die Versorgungsqualität verbessern.

In der Bundesrepublik Deutschland erkranken jährlich mehr als 45 000 Patienten neu an einem Lungentumor. Im Jahr 2010 haben Chirurgen mehr als 10 400 Lungenoperationen durchgeführt. „Eine Operation ist nur bei etwa 30 bis 40 Prozent der Patienten mit Lungenkrebs möglich“, erläutert Professor Dr. med. Bernward Passlick, der an der Universität Freiburg eine der größten Spezialkliniken für Thoraxchirurgie in Deutschland leitet. Wenn ein Eingriff möglich ist, sind die Behandlungschancen gut. „Etwa 70 bis 80 Prozent der Patienten, die wir im Frühstadium operieren, können geheilt werden“, sagt Passlick im Vorfeld der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) in München.

Lungenoperationen seien jedoch bei den häufig betagten Patienten nicht ganz ungefährlich. Um den Tumor sicher zu beseitigen, müssen die Chirurgen meistens einen Lungenlappen, selten einen Lungenflügel entfernen. Auch an ausgewiesenen Zentren, die mehr als 100 Patienten im Jahr operieren, sterben 3,2 Prozent der Patienten noch im Krankenhaus an den Folgen der Operation, wie Passlick in einer Aufarbeitung von Daten des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2010 belegt. An kleineren Kliniken mit weniger als 25 Eingriffen pro Jahr war die Krankenhaussterberate dagegen mit 5,8 Prozent nahezu doppelt so hoch. Auch in Krankenhäusern mit 26 bis 50 Eingriffen pro Jahr starben noch 4,8 Prozent der Patienten in der Klinik.

„Untersuchungen aus den USA und aus Kanada zeigen, dass es sich nicht um ein deutsches Problem handelt“, sagt Passlick, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT) ist. Die höhere Krankenhaussterblichkeit bei wenigen Eingriffen sei nicht etwa auf eine verminderte Geschicklichkeit der Chirurgen an kleinen Kliniken zurückzuführen. „Entscheidend für einen dauerhaft hohen Standard ist ein eingespieltes Team, in dem Spezialisten der verschiedenen Disziplinen wie Anästhesie, Thoraxchirurgie, Physiotherapie, spezialisierte Krankenpflege und Endoskopie zusammenarbeiten“, so der Experte. Diese Voraussetzungen seien, wie die Zahlen belegen, offenbar nur an ausgewiesenen Zentren möglich. Die DGT fordert daher, dass die hoch spezialisierten Eingriffe ausschließlich in dafür geeigneten Krankenhäusern vorgenommen werden.

Wie gut die Behandlungsqualität bei Lungenkrebsoperationen in Deutschland ist und wie sie verbessert werden kann, darüber informiert Professor Passlick bei einer Pressekonferenz im Rahmen des Chirurgenkongresses am 2. Mai 2013 in München. Auf der Vorab-Pressekonferenz am 23. April 2013 diskutiert der Generalsekretär der DGCH, Professor Dr. med. Dr. h. c. Hans-Joachim Meyer zudem, inwiefern Mindestmengenvorgaben in Kliniken aktuell umgesetzt sind und zur Ergebnisqualität beitragen.

Weitere Informationen:
www.chirurgie2013.de, www.dgch.de


Krebszeitung

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  • Studienleiter Dr. Siegfried Shah (links) bei der Bildauswertung: Potenziell befallene Lymphknoten werden während der Operation mit einem Farbstoff und einer Spezialkamera sichtbar gemacht - © V. Daum / Bergmannsheil
    Darmkrebs

    Ein französisches Konsortium von klinischen Ärzten, Forschern und Biologen aus verschiedenen Zentren führte im Rahmen des CIT-Programms (Cartes d’Identité des Tumeurs – Identitätskarten für Tumore) der Liga gegen Krebs eine Genom-Studie durch, bei der Darmkrebs-Tumore von 566 Patienten untersucht wurden. Die Ergebnisse wurden in der internationalen Fachzeitschrift PLoSMedicine veröffentlicht.

    Durch die Analyse des Transkriptoms dieser Kohorte – die auf klinisch- pathologischer Ebene umfassend beschrieben wurde – gelang dem Konsortium auf der Grundlage der genomischen Veränderungen und der Signalwege, die mit einer Signatur der Genexpression verbunden sind, eine genaue molekulare Klassifizierung der Darmkrebserkrankungen in sechs Untergruppen.

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  • Die Proteinsignaturen zeigen, wie empfindlich die untersuchten Tumor-Zelllinien (Kästchen von links nach rechts) auf zwei Wirkstoffe reagieren: auf das Chemotherapeutikum Taxol (oben) und auf den Kinase-Inhibitor Dasatinib (unterhalb der grauen Linie). Die erste Zeile zeigt die Reaktion – von blau nach rot: wenig bis sehr empfindlich; Zeilen darunter: Vorkommen der verschiedenen Proteine in den Zellinien: blau geringes, rot hohes Vorkommen. Quelle: A. Gholami/TUM
    Forschung

    Wie wird aus einer unauffälligen Körperzelle eine Krebszelle? Welche Unterschiede sind dafür verantwortlich, dass sich Tumorzellen unkontrolliert teilen? Bisher interessierten sich Forscher vor allem für Veränderungen in der DNA, dem Bauplan für die Proteine. Da es aber letztlich Proteine sind, die Körperzellen zu Tumorzellen umfunktionieren, haben Wissenschaftler jetzt das Proteom von 59 Tumorzelllinien entschlüsselt – und neue Erklärungsmöglichkeiten gefunden, warum Krebsmedikamente nicht bei allen Patienten gleich gut anschlagen.

    In der bislang größten Studie dieser Art identifizierten Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) über 10.000 verschiedene Proteine in Krebszellen. „Nahezu alle Tumormedikamente richten sich gegen zelluläre Proteine“, sagt Prof. Bernhard Küster, Leiter des TUM-Lehrstuhls für Proteomik und Bioanalytik. „Wenn das Proteom, also das Proteinportfolio von Tumorzellen bekannt ist, steigen die Chancen, neue Angriffspunkte für Medikamente zu finden.“

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