Buch von Peter Holzer: Mut braucht eine Stimme

Peter Holzer: Mut braucht eine Stimme

Gastbeitrag von Peter Holzer zu seinem Buch:

Mut braucht eine Stimme
WIE SIE IHREM LEBEN WIRKUNG GEBEN

264 Seiten
23,0 x 15,6 cm
Buch (Gebunden)

ISBN: 978-3-86936-797-2

Das Buch können Sie bestellen unter: http://amzn.to/2uqkxl9

Vorschau:

Zuversichtlich und selbstbestimmt durchs Leben – das Navi kennt die Richtung

In meinem Leben musste ich schon einige Rückschläge einstecken. Doch zwei haben mich ganz besonders geprägt …

Mein bester Freund Arnd starb mit nur 25 Jahren. Ein Magentumor hatte ihn erwischt. Eigentlich wollten wir uns nach dem Studium gemeinsam selbstständig machen – erfolgreich werden und das Leben genießen. Nach Arnds Tod stand ich dann alleine da. Unsere Träume geplatzt. Ich orientierungslos. Also stürzte ich mich in das, was ich wirklich gut kann: arbeiten. Ich gründete eine Firma und verbrachte mehr Nächte in Hotels als Zuhause. Der Erfolg lies nicht lange auf sich warten. So konnte ich meine Trauer über Arnds Tod durch Arbeit und Geld betäuben. Doch dann kam alles anders …

Der Schock nach dem Schock

Ein paar Jahre später saß ich zur Nachkontrolle in einer Arztpraxis. Vier Wochen vorher wurde bei einer harmlosen Kontrolluntersuchung ein tumorverdächtiges Areal an der Schilddrüse festgestellt. Bevor ich die Diagnose Krebs überhaupt an mich herangelassen habe, lag ich auch schon unter dem Messer – „Ein Routineeingriff“, so der Arzt. Mir war nur wichtig, dass ich schnell wieder einsatzbereit bin und in die Firma zurück kann.

Doch bei der Nachkontrolle traf mich ein weiterer Schlag. Der Tumormarker war weiterhin messbar, eine weitere Operation war unumgänglich. Uns als ob das nicht schlimm genug wäre, veränderte ein Satz alles: „Herr Holzer, es besteht die Gefahr, dass es bei der OP zu einer Verletzung des Stimmband-Nervs kommt und Sie dadurch Ihre Stimme verlieren.“ Mir wurde schwindlig, meine Gedanken überschlugen sich.

Der Zwang zum Nachdenken

„Nie mehr sprechen können, nie mehr mit jemandem reden können? Gesund, aber stumm. Das ist schlimmer als sterben.“

Das waren meine ersten Gedanken. Sie können bestimmt nachvollziehen, wie ich mich gefühlt habe. Diese Ohnmacht, all die Fragen, die Ängste … Ich wusste nur einen Ausweg – arbeiten. Ich wollte mich wieder betäuben, vergessen, verdrängen. Aber ich habe die Rechnung ohne einen guten Freund gemacht. Er hat mir klar zu verstehen gegeben, dass jetzt nur eine Sache wichtig ist: Laptop zur Seite und nachdenken. Was willst Du aus der Situation lernen? Was willst du in Zukunft verändern? Ich sollte so lange nichts anderes machen, bis ich mich „ausgedenkt“ habe und einfach nichts mehr denken konnte.

Das war meine Rettung.

Hör mal, wer da spricht.

Die Tage des Denkens haben einen Prozess in meinem Innern in Gang gesetzt. Bis zu diesem Zeitpunkt krallte ich mich blind an vermeintliche Sicherheitssäulen wie Geld und Erfolg. Ich kaufte mir immer mehr, immer teurere Dinge. Meine Drogen, die mich berauschten. Ich war süchtig danach, den Verkaufsrausch durch meine Adern pulsieren zu spüren, Vorträge zu halten, zu verhandeln. Ich war rastlos und erfolgsgeil. Und plötzlich brach meine ganze Welt zusammen wie ein Kartenhaus. Nichts wofür ich jemals gearbeitet hatte, erschien mir noch wertvoll.

Das Nachdenken hat mir klargemacht, dass mich das Leben, das ich hatte, nicht erfüllte. Ich war wie eine Marionette, machte immer weiter, obwohl ich mich schon lange von meiner Firma entfremdet hatte. All das Geld und der Erfolg haben mich nicht glücklich gemacht. Denn ich hatte in meinem Rausch einen sehr wichtigen Aspekt vergessen: auf meine innere Stimme zu hören.

Das menschliche Navi        

Mit „innerer Stimme“ meine ich etwas ganze Bestimmtes. Wir Menschen sind ständig unterwegs und in Bewegung. Das liegt in unseren Genen. Sie gehen zur Arbeit, zur Familie, zum Discounter, in den Urlaub … Ihr nächstes Etappenziel ist immer klar, das haben Sie im Blick. Aber was kommt dann? Wohin geht Ihr Weg? Was ist Ihre Richtung? Genau dafür ist Ihre innere Stimme da. Sie ist Ihr Navi. Dieses Navi spricht permanent zu Ihnen, sagt Ihnen, wo es lang geht. Das Problem ist nur: Viele Menschen ignorieren die innere Stimme konsequent und eiern ihr Leben lang orientierungslos umher. Oder noch schlimmer: Sie verfolgen die Ziele von anderen, fremden Stimmen. Doch wenn wir am Ende zurückblicken wollen, um zu sagen: „Ich bin stolz darauf, dass ich den Mut hatte, mein eigenes Leben gelebt zu haben“ – dann weiß nur unsere innere Stimme, wie der Weg dorthin aussieht – und sagt es auch.

Auch ich habe bis zu dem Zeitpunkt meine innere Stimme ignoriert. Dafür schreite sie mich plötzlich umso lauter an: „Steig aus dem Job aus und werde mit etwas Sinnvollem erfolgreich.“

Ich kann verstehen, wenn Sie kritisch sind und einwenden, dass auf Ihre innere Stimme zu hören weder Ihr Leiden mindert noch den Krebs besiegen wird. Da haben Sie auch Recht. Die innere Stimme heilt nicht körperlich – aber seelisch. Ob wir wollen oder nicht, manchmal übernimmt das Leben die Führung. Und vielleicht ist die Erkrankung die (unangenehmste) Form davon.

Aufgaben sind zum Lösen da.

Als der Anästhesist mit der Narkosemaske auf mich zukam, murmelte ich: „Passen Sie auf meine Stimme auf!“ und er antwortete ruhig: „Herr Holzer, jetzt ist es Zeit, uns zu vertrauen.“ Ich musste mich in diesem Moment einfach führen lassen und die Kontrolle abgeben.

Zugegeben, in Ihrem und meinem Fall hat das Leben uns in eine echt beschissene Richtung geführt. Aber das sind nunmal die Aufgaben, die uns das Leben stellt, die wir meistern müssen und an denen wir wachsen können. Wir dürfen dabei nur eines nicht vergessen: wieder selbst die Kontrolle zu übernehmen! Nachdem das Leben uns ein Stück weit geführt hat, dürfen wir nicht zum Spielball werden und unsere Richtung dauerhaft von außen bestimmen lassen.

Schließlich wissen Sie am besten, wohin Ihr Weg Sie im Leben führen soll. Wenn nicht: Hören Sie auf Ihre innere Stimme. Ich habe mich beruflich neu aufgestellt und mich von unnötigen Zwängen, Besitztümern und falschen Freunden verabschiedet, die mich nicht glücklich gemacht haben. Ich habe auf meine innere Stimme gehört. Auch wenn diese Phase mein Leben komplett auf den Kopf gestellt und ordentlich durchgerüttelt hat, bin ich heute dankbar dafür. Denn ich habe für mich daraus Konsequenzen gezogen, die mir geholfen haben, heute glücklicher und erfüllter als vor meiner Diagnose zu leben. Seitdem höre ich auf meine innere Stimme. Nicht immer, aber immer öfters. Ich habe es geschafft – und Sie können das auch!

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