Nachsorge und Ernährung bei Harnblasenkrebs

Prof. M. Beer bei einer Zystoskopie im Franziskus-Krankenhaus Berlin

Nachdem wir in der letzten Ausgabe über die Therapiemöglichkeiten beim fortgeschrittenen Harnblasenkrebs und den möglichen Harnableitungssysteme nach der Entfernung der erkrankten Harnblase berichtet haben, behandeln wir in dieser Ausgabe die notwendigen Nachsorgeprogramme und geben Ernährungsempfehlungen bei Blasenentfernung oder einer Chemotherapie.

Nachsorge

Eine gründliche Nachsorge beim Harnblasenkrebs ist ebenso wichtig wie die richtige Behandlung! Tumornachsorgeuntersuchungen sind beim Harnblasenkarzinom in den ersten beiden Jahren alle 3 Monate, im dritten und vierten Jahr alle 6 Monate und ab dem fünften Jahr Tumorfreiheit einmal jährlich notwendig. Unter bestimmten Bedingungen und auf Wunsch des Patienten können auch längerfristig engmaschige Kontrollen erfolgen. Welche Untersuchungen notwendig sind, wird teilweise individuell entschieden und hängen insbesondere vom Tumorstadium und den Vortherapien ab. Die Erhebung der Krankengeschichte, eine sorgfältige körperliche Untersuchung, eine urologische Ultraschalluntersuchung, Laboruntersuchungen von Blut und Urin und eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) sind Standard der Nachsorge.

Prof. M. Beer bei einer Zystoskopie im Franziskus-Krankenhaus Berlin

Nachsorge bei Blasenerhalt

Unabhängig von der gewählten Therapieform ist eine regelmäßige uroonkologische Nachsorge absolut unerlässlich, um den Behandlungserfolg sicherzustellen und das mögliche Wiederkehren der Krebserkrankung rechtzeitig zu erkennen. Leider neigt besonders der Harnblasenkrebs dazu, trotz bestmöglicher Behandlung erneut aufzutreten. Wer zu diesen Untersuchungen nicht erscheint, obwohl er darum weiß, dass er einen Krebsbefund im Bereich der Harnwege hatte, riskiert sein Leben!

Sonographie einer NeoblaseIn der neueren Fachliteratur (z.B. Manual des Tumorzentrums München 2008, Europäische Leitlinien/EAU Guidelines) wird eindeutig betont, dass die Fluoreszenzdiagnostik besser ist als die Weißlichtdiagnostik, was sich auch in niedrigeren Rezidivraten und höheren Überlebensraten niederschlägt. Die Überlegenheit gilt insbesondere für das Carcinoma in situ, dass äußerst schwer zu erkennen ist.

Unabhängig von der Erhaltungstherapie sollte per Zystoskopie (Blasenspiegelung) die Rezidivfreiheit kontrolliert werden. Mindestens eine Zystoskopie im Jahr sollte als PDD (Photo-dynamische Diagnostik) mit Hexvix erfolgen. Nach den DGU-Leitlinien sollte zusätzlich in jährlichen Abständen ein Urogramm durchgeführt werden.

Nachsorge nach Blasenentfernung

Urogramm der harnableitenden OrganeNach erfolgter Blasenentfernung mit gleichzeitigen Blasenersatz ist zusätzlich zu den zuvor genannten Nachsorgeuntersuchungen auch die Kontrolle bestimmter Laborwerte notwendig (Kreatinin, Blutgasanalyse, Elektrolyte). Defizite, die sich aus den gewonnenen Werten ergeben, können mit Medikamenten ausgeglichen werden.

Tumormarker nach Blasenentfernung für die Nachsorgeuntersuchung ist hier ausschließlich der UroVysion-Test, der als genetischer Test hier keine Ergebnisse verfälscht und eine hohe Trefferquote für erneute Tumoren hat.

Die Schnittbildgebung als Nachsorgeuntersuchung mittels CT (Computer-Tomographie), MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie) oder nuklearmedizinische Untersuchungen, wie der PET-CT (Positonen-Emmisions-Tomographie), werden dagegen nur bei entsprechender Symptomatik, z.B. bei Fernabsiedelungen von Tumoren in andere Organe (Metastasierung) angesagt sein. Wegen der Problematiken, die sich durch die Harnableitung ergeben können, ist eine lebenslange Nachsorge nötig.

Ernährungsempfehlungen auch während einer Chemotherapie

Bei Blasenerhalt gibt es keine speziellen Ernährungsempfehlungen, außer dass man sich ausgewogen und vitaminreich ernährt.

Nach der Blasenentfernung nach Anlage einer Ersatzblase oder eines Reservoirs zur Aufnahme des Urins oder während einer Chemotherapie können Störungen auftreten, die eine besondere Ernährung erforderlich machen.

Dies sind im Einzelnen:

  • Die Einnahme von kleinen Mahlzeiten auf bis zu 8 Portionen täglich verteilt.
  • Kein langfaseriges Obst, Gemüse, Pilze und Fleisch essen.
  • Langsam essen und gut kauen.
  • Obst und Gemüse wird evtl. in Form von Kompott bzw. Saft besser vertragen, das Obst sollte auf jeden Fall reif sein. Insbesondere in der Anfangsphase nach einer Operation sollte keine Rohkost gegessen werden. Zitrusfrüchte werden oft nicht gut vertragen. Günstig sind Äpfel, Birnen und Bananen. Sehr gut können geriebene Äpfel sein, vor allem bei Durchfällen.
  • Gerichte aus Vollkornprodukten sind grundsätzlich zu bevorzugen, jedoch ist die Verträglichkeit der darin enthaltenen Ballaststoffe oft herabgesetzt, so dass auf Zwieback, helles Brot oder Reis zurückgegriffen werden kann. Oft wird ein leichter Haferschleim vertragen.
  • An Milchprodukten werden oft Käse und Quark besser vertragen als Frischmilchprodukte. Joghurt kann den Wiederaufbau der körpereigenen Darmflora unterstützten.
  • Die Fettverträglichkeit sollte individuell ausprobiert werden, manchmal werden spezielle Streichfettzubereitungen mit sog. mittelkettigen Triglyceriden (freien Fettsäuren) besser vertragen.
  • Nicht empfehlenswert sind sehr fette und/oder süße Speisen wie Paniertes, fetter Braten, fette Fleisch- und Wurstwaren, Schokolade, Marzipan, Nougat, Pralinen, fettes Gebäck, blähende Gemüse wie Erbsen, Bohnen, Linsen, grober Kohl, Hülsenfrüchte, säurereiches Obst wie Stachelbeeren, Johannisbeeren, Rhabarber, Zitronen, Grapefruit. Außerdem kann es bei scharfen Gewürzen und geräucherten gesalzenen Speisen zu Beschwerden kommen.
  • Frisches Brot sollte evtl. einen Tag liegen gelassen werden.
  • Die Verträglichkeit von Kaffee muss individuell erprobt werden; oft ist Tee besser geeignet.
  • Bei Abneigung gegen Fleisch- und Wurstwaren sollten Eier und Milchprodukte bevorzugt werden.
  • Bei Entzündungen der Mundschleimhaut sollten die Speisen nicht zu heiß verzehrt werden, auch salzige, stark gewürzte und saure Speisen sind nicht geeignet.
  • Bei Erbrechen und Durchfällen sollte an reichliche Flüssigkeitszufuhr gedacht werden

    Text und Bildmaterial: Detlef Höwing

     

    Wissenschaftliche Mitarbeit:

    Prof. Manfred Beer, Chefarzt der Urologie des Franziskus-Krankenhaus Berlin
    Dr. Jörg Neymeyer, Oberarzt der Urogynäkologie des Franziskus-Krankenhaus Berlin
    Dr. Gerson Lüdecke, Facharzt für Urologie, Giessen
    Dr. Frank König, Facharzt für Urologie, Berlin
    PD Dr. Frank Christoph, Facharzt für Urologie, Oberarzt der Klinik für Urologie der Charité Berlin Mitte

Hilfreich zum Thema:

Selbsthilfe-Bund Blasenkrebs e.V.:
Hotline: 0208-62 19 60 41
http://www.blasenkrebs-shb.de/selbsthilfe/

Selbsthilfe Harnblasenkrebs e.V.:
Tel.: 030-744 00 73
www.selbsthilfe-harnblasenkrebs.de

Blasenkrebs RisikoChek:
www.riskcheck-bladder-cancer.info

www.blasenkrebs.net

Blasenkrebs Online-Selbsthilfegruppe:
www.forum-blasenkrebs.net


Krebszeitung

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