Nachwuchs trotz Krebserkrankung

Andere Kinder und draussen spielen kann Leukämie vorbeugen. Auch ein Schnupfen ist da nicht schlimm. - Quelle: DccCheck com
Andere Kinder und draussen spielen kann Leukämie vorbeugen. Auch ein Schnupfen ist da nicht schlimm. - Quelle: DccCheck com

„Medical Freezing“ ermöglicht Kinderwunsch

Düsseldorf, November 2014 – Auch nach einer Krebsbehandlung können sich junge Frauen und Männer ihren Kinderwunsch erfüllen. Selbst wenn eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg nicht mehr möglich ist, bietet die Reproduktionsmedizin heutzutage eine ganze Reihe von Alternativen. „Gerade für Frauen stehen uns moderne effektive Verfahren wie beispielsweise das Einfrieren von Eierstockgewebe zur Verfügung“, sagt Professor Dr. Jan-Steffen Krüssel. Einen Überblick über die Methoden gibt der Experte auf der MEDICA EDUCATION CONFERENCE, die vom 12. bis 15. November in Düsseldorf stattfindet.

Unmöglich ist eine Zeugung auf natürlichem Weg auch nach einer Krebsbehandlung nicht; allerdings beeinträchtigen Chemotherapie oder Bestrahlung die Fruchtbarkeit. „Es ist nicht immer eine dauerhafte Störung“, erklärt Professor Krüssel, Leiter des Kinderwunschzentrums UniKiD der Universität Düsseldorf. „Bei Männern kann sich die Spermienproduktion erholen, bei Frauen hilft manchmal schon eine Hormontherapie, um die Fruchtbarkeit wiederherzustellen.“ Ob das gelingt, hängt von der Art des Tumors, der Behandlung, aber auch vom Alter der Betroffenen ab.

Droht jedoch der vollständige Verlust der Fertilität, können sowohl Männer als auch Frauen vorbeugen: „Für Männer gibt es schon seit langem die Möglichkeit, Spermien oder Hodengewebe, in dem sich befruchtungsfähige Spermien befinden, einzufrieren“, berichtet der Reproduktionsmediziner. Bei Frauen sind die Verfahren etwas aufwendiger. Ihnen kann beispielsweise ein Arzt befruchtete oder unbefruchtete Eizellen entnehmen einfrieren und der Patientin nach ihrer Genesung wieder einsetzen. Befruchtete Eizellen überleben das Einfrieren, die sogenannte Kyrokonservierung, und das spätere Auftauen etwas besser als unbefruchtete. Diese Methode kommt daher vor allem bei Frauen ohne festen Partner in Frage. Im Unterschied zum „Social Freezing“, dem Einfrieren von Eizellen ohne medizinischen Grund, könnte man hier von „Medical Freezing“ sprechen.

Eine Eizellentnahme setzt allerdings eine zweiwöchige Hormontherapie voraus. „Nicht immer hat eine Frau vor der Krebsbehandlung die dafür notwendige Zeit“, gibt Krüssel zu bedenken. In diesem Fall besteht auch die Möglichkeit, Eierstockgewebe mit noch unreifen Eizellen per Bauchspiegelung zu extrahieren und tiefzufrieren. Die Lagerung ist über viele Jahre hinweg möglich. Hat die Frau die Tumorerkrankung überwunden, wird ihr das Gewebe wieder eingesetzt. „Dieses Verfahren steckt aber noch in den Kinderschuhen“, erklärt der Experte. Exakte Angaben über die Erfolgschancen fehlen daher noch.“ Zudem könnte es bei bestimmten Krebsarten sein, dass sich im Eierstockgewebe Krebszellen befinden, die später ebenfalls transplantiert werden würden. Das muss unbedingt vermieden werden. Deshalb praktizieren Ärzte die Kyrokonservierung von Eierstockgewebe ausschließlich bei Erkrankungen, bei denen es sehr unwahrscheinlich ist, dass bösartige Zellen im Eierstockgewebe vorhanden sind.

„Die Reproduktionsmedizin hat große Fortschritte gemacht“, sagt Professor Krüssel, „Betroffene profitieren auch von der besseren interdisziplinären Zusammenarbeit der Experten.“ Der Referent der MEDICA EDUCATION CONFERENCE verweist auf das Netzwerk FertiPROTEKT, in dem sich seit 2006 Kinderwunschzentren, Krankenhäuser und Universitäten zusammengeschlossen haben. „Damit werden erstmals weltweit in einem Land flächendeckend fertilitätsprotektive Beratungen und Maßnahmen für krebskranke Frauen und Männer angeboten“, betont er.

Terminhinweis:

Im Rahmen der MEDICA EDUCATION CONFERENCE finden Pressekonferenzen statt, vom 12. bis 14. November, jeweils von 12.15 Uhr bis 13.15 Uhr
Ort:
Messe Düsseldorf, Stockumer Kirchstraße 61, 40474 Düsseldorf, CCD, Raum 5, 1.OG

Pressekonferenz MEDICA EDUCATION CONFERENCE „Infektion und Entzündung“
Termin: 12. November 2014, 12.15 bis 13.15 Uhr
Ort: Messe Düsseldorf, Stockumer Kirchstraße 61, 40474 Düsseldorf, CCD, Raum 5, 1.OG

Vorläufige Themen/Referenten:

MEDICA EDUCATION CONFERENCE – Was erwartet die Teilnehmer?
Professor Dr. med. Dr. h.c. Hendrik Lehnert
Konferenzpräsident der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2014, Direktor der Medizinischen Klinik I, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck

Multiresistente Keime – Wie dramatisch ist die Situation tatsächlich?
Professor Dr. med. Klaus Pfeffer, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Universitätsklinikum Düsseldorf

Killer Blutvergiftung – Wie lässt sich die Infektionsgefahr wirkungsvoll reduzieren?
Professor Dr. med. Herwig Gerlach, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, Vivantes Klinikum Neukölln, Berlin

Ebola, Malaria, Gelbfieber – Wohin geht die Reise mit und ohne Impfschutz?
Prof. Dr. med. Bernhard R. Ruf, Chefarzt der Klinik für Infektiologie, Tropenmedizin und Nephrologie, Klinikum St. Georg, Leipzig

Zeit ist Gelenk: Vom ersten rheumatischen Symptom zur (Früh-)Diagnose – ein zu langer Weg?
Professor Dr. med. Elisabeth Märker-Hermann, Klinikdirektorin der Inneren Medizin IV: Rheumatologie, klinische Immunologie, Dr. Horst-Schmidt-Kliniken, Wiesbaden

Moderation der Pressekonferenzen:
Anne-Katrin Döbler

Pressekontakt:
Pressestelle MEC
Anne-Katrin Döbler/ Stephanie Priester
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart

Telefon: 0711 8931-605
Telefax: 0711 8931-167
E-Mail: priester@medizinkommunikation.org


Krebszeitung

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  • Foto: Universitätsbauamt Heidelberg: Modell der Heidelberger Schwerionen-Therapieanlage
    Radiologie

    Für die Errichtung des Heidelberg Ionenstrahl-Therapie Centrums (HIT) ist am Montag, dem 22. November 2004, ein weiterer Meilenstein gelegt worden: Das Universitätsklinikum Heidelberg hat die Firma Siemens Medical Solutions mit der Installation wesentlicher Komponenten für die erste kombinierte Ionenstrahltherapieanlage zur Tumorbehandlung mit Kohlenstoffionen und Protonen in Europa beauftragt.

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  • Solarium - pixabay
    Deutsche Krebshilfe

    Bonn (sts) – Ab dem 1. August 2012 dürfen Solariengeräte eine maximale Bestrahlungsstärke von 0,3 Watt pro Quadratmeter Haut nicht mehr überschreiten. Die Geräte müssen entsprechend gekennzeichnet sein. „Die neue Bestrahlungsstärke entspricht allerdings immer noch der höchsten UV-Dosis, die auf der Erde gemessen werden kann: mittags bei wolkenlosem Himmel am Äquator“, erklärt Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. „Bisher wurde diese Bestrahlungsstärke von alten Geräten zum Teil um das Dreifache überschritten.“ Die neue Vorschrift basiert auf der UV-Schutzverordnung (UVSV) für Solarien, die seit dem 1. Januar 2012 rechtskräftig ist.

    Solarien müssen ab 1. August maximale Bestrahlungsstärke einhalten!

    Der Grund für die Einführung der UVSV sind die Gesundheitsgefahren, die von künstlichen UV-Strahlen ausgehen. Sie gelten neben den natürlichen Strahlen der Sonne als Hauptrisikofaktor für das Entstehen von Hautkrebs: „Wer vor dem 35. Lebensjahr regelmäßig Solarien nutzt, verdoppelt sein Risiko, am gefährlichsten Hautkrebs, dem malignen Melanom, zu erkranken“, betont Professor Dr. Eckhard Breitbart, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). Rund 224.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich neu an Hautkrebs, 26.000 davon am malignen Melanom. Zunehmend sind auch jüngere Menschen davon betroffen, insbesondere dann, wenn sie sich jahrelang regelmäßig künstlich gebräunt haben. Etwa 3,5 Millionen der unter 36-Jährigen nutzen derzeit Solarien. Besonders gefährdet sind Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren,denn sie gehen etwa doppelt so häufig auf die Sonnenbank wie Männer. Erschreckend: Rund 167.000 der derzeitigen Solariennutzer sind minderjährig. Jugendlichen ist der Zugang zu Solarien gesetzlich untersagt. Seit März 2010 sind die Betreiber verpflichtet, ihnen den Zugang zu Solariengeräten zu verbieten.

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