Neue Behandlung bei fortgeschrittenem Mastdarmkrebs

Themenfoto Darmkrebs - Foto: Bayer Vital gmbH

Wirkstoff-Kombination bei Radiochemotherapie vielversprechend getestet

Berlin – Bei Patienten mit fortgeschrittenem Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom) setzen Ärzte vor der Operation des Karzinoms oft eine Radiochemotherapie ein, um den Tumor zu verkleinern. Wie ein deutsches Forscherteam nun herausfand, reagiert der Tumor dabei eher auf eine Wirkstoff-Kombination als auf die bisher übliche Gabe eines einzelnen Medikaments. Über die Ergebnisse ihrer Studie mit mehr als 1200 Patienten berichten die Wissenschaftler aktuell in einer Online-Vorabveröffentlichung des Fachmagazins „The Lancet Oncology“. Der Einsatz der Wirkstoff-Kombination plus Radiotherapie vor der Operation könnte in Kombination mit der anschließenden Chemotherapie zum Goldstandard in der Behandlung von Mastdarmkrebs werden, betont die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO).

Bei lokal fortgeschrittenem Mastdarmkrebs ist der Tumor schon in das umliegende Fettgewebe oder in die Lymphknoten vorgedrungen, hat aber noch keine Fernmetastasen gebildet. Der wichtigste Therapieschritt ist die Entfernung des Tumors durch eine Operation. „Aber noch vor diesem Eingriff behandeln wir die meisten Patienten mit einer Strahlenchemotherapie, die die Tumorzellen abtöten und zur Verkleinerung des Tumors führen soll“, erklärt DEGRO-Präsident Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Lübeck. Nach der Operation folge dann eine weitere Chemotherapie.

In Deutschland und anderen Ländern verwenden Ärzte für beide Chemotherapien meist das Mittel Fluorouracil. In einer großangelegten Studie prüfte die Deutsche Rektumkarzinom-Studiengruppe nun an 88 beteiligten Zentren, ob eine Kombination dieses Medikaments mit dem Wirkstoff Oxaliplatin den Erfolg der Behandlung verbessert. Während die eine Hälfte der Patienten ausschließlich mit Fluorouracil behandelt wurde, bekam die andere Hälfte beide Arzneien verabreicht. Wie sich zeigte, wirkte die Behandlung mit der Wirkstoffkombination effektiver als die Therapie mit dem einzelnen Medikament: Nach der Radiochemotherapie waren hier bei etwa jedem sechsten Patienten keine Tumorzellen bei der Operation mehr nachweisbar. Bei der Standardbehandlung war dies nur bei etwa jedem achten Teilnehmer der Fall. Diese sogenannte Komplettremission des Tumors senkt vermutlich das Risiko für ein späteres Wiederauftreten der Erkrankung. Der Erstautor der Studie, Professor Dr. med. Claus Rödel, DEGRO-Mitglied und Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Onkologie am Klinikum der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, stellt fest: „Ob die Kombination tatsächlich die langfristige Prognose der Patienten bessert, wird jedoch erst der weitere Verlauf der Untersuchung zeigen.“

Die Arbeit der deutschen Forschergruppe, die im Kommentar der Fachzeitschrift wegen ihrer herausragenden Qualität besonders gelobt wird, markiert vermutlich einen Wendepunkt. „Die Kombination zweier Wirkstoffe könnte künftig zur Standardtherapie bei fortgeschrittenem Mastdarmkrebs werden“, erklärt DEGRO-Präsident Dunst. Allerdings seien die positiven Effekte bislang nur für die unmittelbare Wirkung der Radiochemotherapie gezeigt. „Vor allem gilt es nun zu prüfen, ob die zusätzliche Gabe des Wirkstoffs Oxaliplatin tatsächlich langfristig eine Rückkehr des Krebses verhindert und die Prognose der Patienten verbessert“, so der Experte.

Professor Rödel ergänzt, dass die Patienten des Studienarms mit den zwei Medikamenten diese Wirkstoff-Kombination gut vertrugen. Zwar verursachte die zusätzliche Gabe von Oxaliplatin häufiger Durchfall und Erbrechen. Insgesamt traten aber akut-toxische Effekte in beiden Gruppen gleich häufig auf – bei etwa 20 Prozent der Teilnehmer. Besonders positiv beurteilt der Experte die gute „Compliance“: In beiden Gruppen blieben über 80 Prozent der Teilnehmer bis zum Ende bei der Behandlung.

In einer zweiten, auch in „The Lancet Oncology“ veröffentlichten Studie prüften deutsche Mediziner ebenfalls bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Mastdarmkrebs, ob man Fluorouracil durch den Wirkstoff Capecitabin ersetzen kann. Tatsächlich erwies sich dieses Mittel als zumindest gleichwertig: Nach fünf Jahren lebten noch 76 Prozent der mit diesem Wirkstoff behandelten Patienten. Mit Fluorouracil lag der Anteil bei 67 Prozent. Derzeit prüft eine weitere Studie, ob auch die Wirkung von Capecitabin durch eine Kombination mit Oxaliplatin gesteigert werden kann.

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Literatur:

Rödel, C. et al.: Preoperative chemoradiotherapy with fluorouracil and oxaliplatin versus fluorouracil alone in locally advanced rectal cancer: initial results of the German CAO/ARO/AIO-04 randomised phase 3 trial. Lancet Oncology 2012, Online-Vorabveröffentlichung

Hofheinz, R.-D. et al.: Chemoradiotherapy with capecitabine versus fluorouracil for locally advanced rectal cancer: a randomised, multicentre, non-inferiority, phase 3 trial. Lancet Oncology 2012; Bd. 13:579–588

Rödel, C.: Neoadjuvante Radiochemotherapie mit 5-FU plus Oxaliplatin beim lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinom. Strahlentherapie und Onkologie 2012: Bd. 188:446–447

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie e. V., Dagmar Arnold


Krebszeitung

--Download Neue Behandlung bei fortgeschrittenem Mastdarmkrebs als PDF-Datei --


  • Magenkrebs

    In einer der weltweit größten Patientenstudien, die bei fortgeschrittenem Magenkrebs je durchgeführt wurde, zeigte eine zunächst viel versprechende Antikörpertherapie keine zufriedenstellende Wirksamkeit. Der bei anderen Krebsarten aktive Wirkstoff „Cetuximab“ ist deshalb kein Hoffnungsträger für die kombinierten Chemo- und Antikörperbehandlung bei Magenkarzinomen.

    Bei Patienten mit einer fortgeschrittenen Magenkrebserkrankung ist die Notwendigkeit einer verbesserten Behandlung besonders hoch. In diesem Stadium ist der Tumor sehr aggressiv, hat ausgestreut und ist nicht mehr operabel. Die Patienten haben eine kurze Überlebenszeit und hohe Symptombelastung.. Bislang wird üblicher Weise viele Monate mit Chemotherapie behandelt, um die Symptome zu lindern und das Überleben zu verlängern.

    […mehr lesen]

  • Pressekonferenz des Deutschen Krebskongress 2012 - Sport unterstuetzt Krebstherapie
    Krebskongress 2014

    Wissenschaftlich untersucht: körperliche Aktivität regt Tumorabwehr an

    Pressekonferenz des Deutschen Krebskongress 2012 - Sport unterstuetzt KrebstherapieBerlin, 19. Februar 2014 (ws) – Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln und der Uniklinik Köln im Centrum für Integrierte Onkologie CIO Köln/Bonn haben neue wichtige Hinweise zum Effekt von körperlich anstrengender Aktivität auf das Immunsystem von Krebspatienten gewonnen. Im Rahmen einer Studie bereiteten sie 15 Krebspatienten in der Nachsorge auf einen Halbmarathon vor und untersuchten vor und nach dem Lauf deren Immunstatus. Das Ergebnis: Intensive Ausdauerbelastung wirkt sich bei Krebspatienten positiv auf die körpereigene Tumorabwehr aus. Die Studienergebnisse wurden am 21. Februar 2014 erstmals im Rahmen des 31. Deutschen Krebskongresses der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft vorgestellt.

    Während der präventive Einfluss von körperlicher Aktivität auf die Krebsentstehung bei einigen Tumorerkrankungen unter Forschern vielfach akzeptiert ist, hielten sie die Kombination von Bewegung und Sport bei Krebs lange für risikoreich. Inzwischen zeigen Studien, dass Bewegung den Patienten nicht schadet, sondern hilft und sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirkt. Weitgehend ungeklärt ist jedoch die notwendige Höhe der Bewegungsdosis. „Aus wissenschaftlicher Sicht liegen uns noch zu wenig Kenntnisse zur optimalen Trainingssteuerung und -intensität vor“, erläutert Dr. Freerk T. Baumann vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln, einer der Studienleiter. „Daher sind Erkenntnisse sehr wichtig, die uns zeigen, wie das Immunsystem krebskranker Menschen auf körperliche Aktivität reagiert“. An der Studie nahmen insgesamt 30 Probanden im Alter zwischen 40 und 67 Jahren teil: 15 Patienten mit Brust-, Darm- oder Prostatakrebs, deren Therapie mindestens ein Jahr zurück lag, und 15 gesunde Kontrollpersonen.

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit