Neue Entwicklungen auf dem Gebiet des Harnblasenkarzinom

S3-Leitlinie Harnblasenkarzinom
S3-Leitlinie Harnblasenkarzinom

Die Zahl der Neuerkrankungen für das Harnblasenkarzinom hat sich nach Schätzungen des Robert-Koch-Institutes in den letzten 20 Jahren verdoppelt. In Deutschland erkranken aktuell ca. 28.000 Menschen jährlich neu an einem Harnblasentumor und 13.000 Patienten sterben jährlich an den Folgen dieser Tumorerkrankung.

Mittlerweile gehört das Harnblasenkarzinom zu den teuersten Tumorentitäten in den Vereinigten Staaten und verursacht jährlich direkte Kosten von über 3,7 Milliarden US Dollar. Im Verhältnis dazu st das Harnblasenkarzinom in der wissenschaftlichen Grundlagenforschung und der klinischen Anwendungsforschung stark unterrepräsentiert.

Auf dem diesjährigen ASCO Kongress in Orlando wurden als Beispiel inswgesamt 170 urologisch-onkologische Abstrakte publiziert, darunter aber nur 15 Beiträge zum Thema Harnblasenkarzinom. Das Dilemma des „vergessenen Harnblasenkrebstumors“ spiegelt sich besonders drastisch bei der Forschungsförderung wider. In den Vereinigten Staaten verzeichnet das Prostatakarzinom die höchste Förderung mit jährlich 293 Millionen US Dollar. An diesem Tumor versterben dort jährlich 27.000 Männer, am Harnblasenkarzinom mit 13.000 Personen etwa die Hälfte. Die amerikanische Forschungsförderung für den Harnblasenkrebs beträgt mit nur 24 Millionen US Dollar jedoch weniger als ein Zehntel der Forschungsförderung für das Prostatakarzinom.

Ein inerdisziplinärer Zusammenschluss aus Naturwissenschaftler, Klinikern und Pathologen hat daher im Mai 2008 den „Deutschen Forschungsverbund Blasenkarzinom e.V.“ gegründet. Das Ziel dieser Kooperation ist die Bündelung von Forschungsaktivitäten, interdisziplinäre Bearbeitung ausgewählter wissenschaftlicher Fragestellungen und stringentere Standadisierung von experimentellen und klinischen Untersuchungen zu dem Themenkomplex Urothelkarzinom.

Ein wichtiges Anliegen des Forschungsverbundes ist die Etablierung von Netzwerkstrukturen, die eine Kommunikation zwischen Ärzten und Wissenschaftlern ermöglicht und Kooperationen fördert. Neben den regelmäßigen Treffen der Mitglieder wurde daher erstmals ein international besetztes zweitägiges Symposium auf Schloss Mickeln in Düsseldorf organisiert. Dieses Symposium soll in Zukunft jährlich stattfinden und als fester Bestandteil zur Intensivierung der Erforschung des Blasenkarzinoms etabliert werden.

Ein Hauptziel des Symposiums war die Umsetzung der Etablierung einer nationalen Tumorbank. Die Verfügbarkeit von standardisiertem, qualitativ hochwertig asserviertem Gewebe stellt gerade in der Zukunft eine wichtige Vorraussetzung für die erfolgreiche Beantwortung wissenschaftlicher Fragestellungen dar. Geplant ist eine aktive Nutzung der Blasentumordatenbank durch alle wissenschaftlich aktiven Kliniken und Institute in Deutschland bereits ab Januar 2010.

Die photoaktive Substanz Hexaminolävolinsäure (Hexvix) ist mittlerweile in 27 europäischen Ländern für die photodynamische endoskopische Diagnostik zugelassen. Vorteil gegenüber der ursprünglichen 5-Aminolävolinsäure (5-ALA) ist die Lipophilie, weswegen die Zellmembran passiv durchdrungen und somit schneller intrazellulär aufgenommen wird. Die PDD verbessert die Detektionsrate flacher Läsionen und multifokale Urothelkarzinome werden viel seltener übersehen. Residual- und Rezidivraten können um ca. 20% reduziert werden. Nachteil der PDD ist der hohe Anschaffungspreis des entsprechenden Equipments und die hohen Kosten für Hexvix von ca. 420 € pro Operation.

Das Ausmaß der Pelvinen LymphNode Dissektion im Rahmen der radikalen Zystektomie ist nach wie vor Gegenstand aktueller Diskussionen. In einer retrospektiven Studie aus Bern und Ceveland konnte gezeigt werden, dass durch eine erweiterte PLND nicht nur ein verbessertes Lymphknotenstaging erfolgt, sondern vor allem die Prognose von fortgeschrittenen Tumoren verbessert wird. Der Cutoff-Wert für zu entfernende Lymphknoten scheint zwischen 10 und 25 Lymphknoten zu liegen. Für Patienten mit lyphogen metastasierten Urothelkarzinom konnte ebenfalls belegt werden, dass das Ausmaß der Lymphadenektomie mit der Prognose der Patienten korreliert.

Diese Fragestellung ist auch Gegenstand der prospektiven Studie der AUOzum Lymphadenektomie-Template beim Harnblasenkarzinom (LEA-Studie). Die zu erwartenden Ergebnisse der LEA-Studie (Prostektiv randomisierte Studie zum Vergleich einer ausgedehnten mit einer eingschränkten pelvinen Lymphadenektomie bei einer operativen Therapie des Harnblasenkarzinoms) werden zeigen, ob sich diese Erkenntnis auch in einer prospektiven Studie bestätigen lässt.


Krebszeitung

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  • Krebssymbol - pixabay
    Magenkrebs

    Der Patientenratgeber „Magenkrebs“ steht ab sofort bis zum 28. November 2012 zur öffentlichen Konsultation bereit. Betroffene, Interessierte und Experten sind eingeladen, den Ratgeber kritisch zu lesen und Kommentare an die Redaktion zurückzumelden. Zeitgleich veröffentlicht das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) eine Kurzinformation zu Magenkrebs.

    Etwa 16.000 Menschen erkranken jedes Jahr an Magenkrebs. Abhängig von Aggressivität, Ausbreitung und Größe des Tumors kommen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten in Betracht. Entscheidend sind dabei auch die Bedürfnisse der Betroffenen. Damit Patienten kompetent an ihrer Behandlung mitwirken können, ist jetzt der Ratgeber „Magenkrebs“ erarbeitet worden.

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  • Eine Killerzelle kontaktiert eine Tumorzelle (links) und löst sich nach einer Stunde (Mitte). Nach weiteren zwei Stunden bilden sich Bläschen (rechts, roter Pfeil) auf der Oberfläche der angegriffenen Tumorzelle. Abbildung: MPI für Neurobiologie / Jen
    Multiples Myelom - Plasmozytom

    Tumorzellen benötigen viel Energie, damit sie sich teilen und ungebremst vermehren können. Diese Energie gewinnen sie auf einem anderen Weg als gesunde Zellen. Ob sich dieser Weg als Ansatz für eine neue Therapie eignet, untersuchen Wissenschaftler der Uni Würzburg am Beispiel des Multiplen Myeloms.

    Die Idee klingt bestechend einfach: In einem Multiplen Myelom sind die Tumorzellen auf einen permanenten Nachschub an Glukose und Glutamin angewiesen, damit sie sich teilen und wachsen können. Entzieht man der Zelle Glutamin, stirbt sie. Glutaminase ist das zentrale Enzym des Glutamin-Stoffwechsels und in Tumorzellen häufig erhöht aktiv. Ob sich Glutaminase als therapeutische Zielstruktur eignet, untersucht Dr. Madlen Effenberger in einem neuen Forschungsprojekt am Universitätsklinikum Würzburg. Die Deutsche Krebshilfe finanziert das Projekt mit 250.000 Euro.

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