Neue Risikofaktoren für Brust- und Eierstockkrebs entdeckt

Brustkrebsrisiko - © dkfz.de

In einer bisher einzigartigen konzertierten Aktion haben Krebsforscher aus der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich- Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zusammen mit Wissenschaftlern aus mehr als 70 Institutionen weltweit insgesamt 49 neue genetische Risikofaktoren für Brustkrebs und acht neue genetische Risikofaktoren für Eierstockkrebs identifiziert.

Die Wissenschaftler verglichen hierzu das Vorkommen von mehr als 200.000 Erbgutvarianten bei mehr als 45.000 Brustkrebs-, über 9.000 Eierstockkrebspatientinnen und mehr als 60.000 gesunden Frauen. Die neu entdeckten Risikofaktoren sind über das ganze Erbgut verteilt, in der deutschen Bevölkerung weitverbreitet und vermitteln jeweils Risikoänderungen zwischen 3 und 30 Prozent. Mit dieser Studie wurde die Zahl bekannter genetischer Faktoren für diese beiden häufigen gynäkologischen Tumorerkrankungen mehr als verdoppelt.

Die Studie wurde von der Universität von Cambridge initiiert und geleitet, die administrative Leitung übernahm das Karolinska Institut in Stockholm. Zahlreiche deutsche Wissenschaftler waren maßgeblich an den Untersuchungen für beide gynäkologische Karzinomarten beteiligt. Die Frauenkliniken der Medizinischen Hochschule Hannover (Direktor: Prof. Dr. Peter Hillemanns) und des Universitätsklinikums Erlangen der FAU (Direktor: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) sowie die Abteilung Krebsepidemiologie des Universitären Cancer Centers des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (Prof. Dr. Dieter Flesch-Janys) und die Abteilung Genetische Epidemiologie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg (Prof. Dr. Jenny Chang-Claude) steuerten umfangreiche Patientinnenkollektive und Datensätze bei. Prof. Dr. Jenny Chang-Claude am DKFZ und Dr. Thilo Dörk- Bousset an der Medizinischen Hochschule Hannover waren als deutsche Mitglieder der wissenschaftlichen Leitgruppe des internationalen Konsortiums maßgeblich an der Planung und Durchführung der Gesamtstudien beteiligt.

Prof. Dr. Peter A. Fasching, Professor für Translationale Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der FAU und Leiter der Studie in Erlangen, erklärte: „Diese Ergebnisse können helfen, die Prävention und Früherkennung der beiden Krankheiten zu individualisieren, insbesondere für Frauen mit einem genetisch erhöhten Risiko. Sie können auch die Grundlage für weitere Forschungsarbeiten zur Entwicklung von Präventionsmedikamenten sein.“ Prof. Chang-Claude sagte: „Ein wichtiges Ziel dieser Arbeit ist es, Frauen zu identifizieren, die gegebenenfalls mehrere Risikofaktoren haben und basierend auf den genetischen Veränderungen verstärkt auf gewisse Umweltfaktoren reagieren.“

Dr. Dörk-Bousset ergänzte: „Aufgrund der hohen Fallzahlen sind wir sehr sicher, dass die Ergebnisse zuverlässig und für die Krebsentstehung bedeutsam sind“. Mit Blick in die Zukunft meinte Prof. Flesch-Janys: „Die große internationale Kooperation bietet nun die Möglichkeit, das Zusammenspiel der genetischen Faktoren mit den Umwelt- und Lebensstilrisikofaktoren genauer zu bestimmen.“ „Das Projekt bietet uns einen außergewöhnlich großen und zuverlässigen Datensatz, um in Zukunft eine individualisierte Versorgung für Patientinnen entsprechend ihrer genetischen Prädisposition zu entwickeln“, erläuterte Dr. Arif Ekici vom Humangenetischen Institut in Erlangen (Direktor: Prof. Dr. André Reis).

Neben nationalen und lokalen Forschungsförderungen der teilnehmenden Forschungsgruppen wurde das Projekt mit dem Namen COGS („Collaborative Oncological gene-enviroment Study“) durch eine Förderung im siebten Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union in Höhe von zwölf Millionen Euro ermöglicht. Die Studienergebnisse werden in einer Serie von zeitgleich erscheinenden Publikationen veröffentlicht, darunter vier Artikel in Nature Genetics und weitere Artikel in PLoS Genetics und Nature Communications.


Krebszeitung

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  • Verteilung der Kindertumoren - Quelle: Deutsches Kinderkrebsregister Mainz
    Krebs bei Kindern

    Eine systematische Studienanalyse der Deutschen Sporthochschule Köln belegt, dass krebskranke Kinder und Jugendliche von spezifischen Bewegungsprogrammen profitieren.

    Sind krebskranke Kinder und Jugendliche während der medizinischen Therapie oder in der Nachsorge einer Krebserkrankung in der Lage, an spezifischen Bewegungsprogrammen teilzunehmen? JA – sagen Dr. Freerk Baumann und Diplom-Sportwissenschaftlerin Julia Beulertz. Die beiden Wissenschaftler/innen vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin (Abt. Molekulare und Zelluläre Sportmedizin) der Deutschen Sporthochschule Köln haben aktuelle wissenschaftliche Studien analysiert und kommen zu dem Ergebnis, dass sich spezifische Bewegungsprogramme positiv auf die Patientinnen und Patienten auswirken können, ohne den Gesundheitszustand oder den medizinischen Behandlungserfolg negativ zu beeinflussen.

    Nicht nur die Krebserkrankung selbst, sondern auch die damit in Zusammenhang stehende, intensive medizinischen Therapie führt häufig dazu, dass die Betroffenen körperlich geschwächt sind und über einen längeren Zeitraum aus ihrem sozialen Umfeld heraus gerissen werden. Dabei zeigt die aktuelle Studienlage, dass durch professionelle Bewegungsprogramme insbesondere Verbesserungen in Bezug auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität, das Erschöpfungssyndrom (Fatigue) sowie die Muskelkraft erzielt werden können. Erste wissenschaftliche Untersuchungen wurden an der Deutschen Sporthochschule Köln bereits vor 15 Jahren durchgeführt. Dennoch fehlt es in der Kinderonkologie bislang noch an einer flächendeckenden bewegungstherapeutischen Versorgung.

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  • Kunstblase
    Harnblasenkrebs

    ist gar nicht so einfach zu beschreiben. Erstmalig wurde wohl in einem Münchner Klinikum im Juli 1983 bei einem 44 -jährigen Mann, der an einer tuberkulösen Schrumpfblase litt, die Blase durch ein Reservoir aus Darmsegmenten ersetzt.

    Im gleichem Jahr verwendete die Mainzer Klinik bei genau der gleichen Indikationsstellung ein Dünndarmsegment, welches längs aufgeschnitten und dann N-, S- oder W-förmig zu einer Darmplatte genäht wurde. Ein sogenanntes detubularisiertes Ileocoekalsegment.
    Innerhalb von wenigen Jahren kam es zu einer Flut von Publikationen über verschiedene Modelle der orthotopen Neoblase. Wie ist eine solche, fast explosionsartige Entwicklung erklärbar?

    Ganz offensichtlich war, nachdem die einzelnen Bausteine längst beschrieben worden waren, die Zeit dafür herangereift, dass der Schritt zu komplexen Harnableitungen gewagt werden konnte.

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