Neue Strategie zur Zelltodinduktion bei der akuten lymphatischen Leukämie

Wissenschaftler untersuchen, wie Antikörper gesundes Gewebe von Leukämiepatienten am besten schützen können. © Dirk Mahler/Fraunhofer

Die akute lymphatische Leukämie ist die häufigste Krebserkrankung im Kindesalter. Da die Prognose für Patienten der Hochrisikogruppe oder im Rezidiv weiterhin schlecht ist, sind neue Strategien notwendig, um Therapieresistenzen zu überwinden. Die Arbeitsgruppe von Professorin Simone Fulda vom Institut für experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie des Universitätsklinikums Frankfurt versucht mit einem neuen experimentellen Ansatz in Leukämiezellen eine alternative Form des Zelltods – die sogenannte Nekroptose – auszulösen.

Die Wirkung der meisten Therapieverfahren in der Krebsmedizin wird durch das Auslösen des programmierten Zelltods (Apoptose) in Krebszellen verursacht. Apoptose ist ein genetisches Programm, das jeder Zelle innewohnt und dazu dient, entartete, schlecht funktionierende oder überalterte Zellen gezielt zu entfernen. Dieses Selbstmordprogramm ist typischerweise in Krebszellen gestört oder gar vollständig ausgeschaltet, so dass die Tumorzellen nicht mehr auf eine Chemo- oder Strahlentherapie ansprechen.

Im aktuell geförderten Projekt soll eine neue Strategie entwickelt werden, um in akuten Leukämiezellen Nekroptose auszulösen. Die Nekroptose wurde kürzlich als eine alternative Form des programmierten Zelltods identifiziert, die insbesondere bei Apoptoseresistenz neue Perspektiven zur Induktion von Zelltod eröffnen könnte. Ziel des Projektes ist es, mit Hilfe verschiedener Signaltransduktionsmodulatoren gezielt in Leukämiezellen Nekroptose auszulösen und auf diese Weise die Apoptoseresistenz zu durchbrechen.

Die Arbeitsgruppe von Professorin Simone Fulda untersucht seit vielen Jahren die molekularen Mechanismen des programmierten Zelltods bei bösartigen Tumoren. Die Aufdeckung der molekularen Ursachen, die für die Fehlsteuerung des programmierten Zelltods in Krebszellen verantwortlich sind, bildet die Grundlage, um neue diagnostische und therapeutische Ansätze zur Modulation des programmierten Zelltods zu entwickeln und diese in Krankheitsmodellen im Labor und an primärem Patientenmaterial zu testen. Ziel ist es, mit Hilfe dieser Erkenntnisse mittelfristig erste klinische Studien durchzuführen und damit die Ergebnisse „from bench to bedside“ in eine Anwendung am Patienten zu überführen.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 160.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Millionen Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt (Projektleitung):
Prof. Dr. Simone Fulda,
Goethe-Universität Frankfurt,
Telefon: +49(0)69 6786-6557,
E-Mail: simone.fulda@kgu.de

Weitere Informationen zur Stiftung: http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Was den Krebs am Platz hält


Krebszeitung

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  • Mit der in situ-Massenspektrometrie, einer Komponente der ABIMAS-Analytik, kann Gewebe direkt auf dem Objektträger untersucht werden: Schnitt durch eine Mausniere, die Signale der Massenspektrometrie sind in Falschfarben übersetzt. Die rechte und die linke Bildhälfte zeigen die Verteilung verschiedener Sulfatide.
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    Die molekulare Analyse von Zellen und Geweben ist in der biomedizinischen Forschung unverzichtbar. ABIMAS, ein von der Hochschule Mannheim koordiniertes Kompetenznetzwerk, entwickelt auf Basis der Massenspektrometrie automatisierte Analyseverfahren für diese biologischen Materialien. Das Deutsche Krebsforschungszentrum beteiligt sich mit einer Brückenprofessur an ABIMAS und stellt ein Hochleistungs-Massenspektrometer zur Verfügung.

    Kaum eine Fragestellung in der Biomedizin kommt ohne die molekulare Analyse von Geweben und Zellen aus – erst recht gilt dies für die Krebsforschung: Gewebeproben von Tumoren geben Auskunft, an welcher Art von Krebs ein Patient erkrankt ist. Die Proben werden nach Biomarkern durchsucht, charakteristischen Molekülen, die den Ärzten anzeigen, ob etwa Resistenzen gegen bestimmte Krebsmedikamente vorliegen. Zelllinien, die biologische Krebsmedikamente wie etwa Antikörper produzieren, müssen auf Qualität und Reinheit untersucht werden.

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  • Links: CT-Aufnahme, rechts: PET, Mitte: Kombination; Patient mit Lungentumor vor (oben) und nach (unten) Hochpräzisionsbestrahlung.Der Tumor hat sich bei erhaltener Lunge komplett zurückgebildet. Universitätsklinikum Freiburg
    Lungenkrebs

    Berlin – Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET), eine moderne nuklearmedizinische Untersuchung, erleichtert bei Krebspatienten die Suche nach Metastasen. Das Verfahren hat sich vor allem bei Lungenkrebs bewährt, wie eine neue Studie aus den USA belegt. Demnach kann das PET mindestens ein Drittel der Patienten, die an einem Lungenkrebs erkrankt sind, vor einer unnötigen Operation bewahren. PET sollte daher auch in Deutschland routinemäßig vor einem solchen Eingriff eingesetzt werden, empfiehlt der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner (BDN).

    Das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom ist der häufigste Lungenkrebs, an dem vor allem männliche Raucher erkranken. In einem frühen Stadium ist die Krankheit durch eine Operation heilbar. Ob ein Eingriff in Frage kommt, hängt vor allem von der Ausdehnung des Tumors ab. Sind bereits mehrere Lymphknoten befallen oder haben sich Tochtergeschwüre in anderen Organen gebildet, ist es meist vorteilhafter, eine belastende Operation zu meiden und das Krebswachstum mit Radiotherapie, Chemotherapie und zielgerichteten Therapien zu bekämpfen. „Bei allen Patienten muss deshalb eine Suche nach Metastasen durchgeführt werden“, erläutert Professor Dr. med. Detlef Moka, Vorsitzender des BDN.

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