Neue Therapie-Alternative bei Prostatakrebs

Graphik 3: Die radioaktiven Mikrokügelchen geben ihre Strahlung ab und zerstören den Tumor von innen heraus. - Quelle: Expertengruppe Selektive Interne Radiotherapie 2012
Graphik 3: Die radioaktiven Mikrokügelchen geben ihre Strahlung ab und zerstören den Tumor von innen heraus. - Quelle: Expertengruppe Selektive Interne Radiotherapie 2012

Freiburger Wissenschaftler entwickeln Immuntherapie

Freiburg (gb) – Ein bakterieller Giftstoff, der in Prostatakrebszellen eingeschleust wird und diese von innen zerstört – dieses Therapiekonzept wird derzeit von Wissenschaftlern der Urologischen Klinik des Universitätsklinikums Freiburg entwickelt. Insbesondere sollen damit zukünftig Patienten mit einem Prostatatumor im fortgeschrittenen Stadium behandelt werden. Für diese gibt es derzeit keine Therapie, die Heilung verspricht. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Forschungsvorhaben mit 352.000 Euro.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 70.000 Männer neu an Prostatakrebs. Während der Tumor in einem frühen Stadium gut behandelbar ist, sinken die Heilungschancen, je später der Tumor entdeckt wird. Haben sich die Krebszellen schon im Körper ausgebreitet, sinkt die Lebenserwartung der Betroffenen drastisch.

Zu einer Therapieverbesserung könnte zukünftig ein von PD Dr. Philipp Wolf und seinem Team entwickeltes Immuntoxin beitragen. Ein Immuntoxin ist ein Molekül, das in der Regel aus zwei verschiedenen Teilen besteht: eine Komponente beherbergt einen Giftstoff, der andere Teil enthält einen Antikörper. Letzterer erkennt bestimmte Oberflächenmoleküle auf Zielzellen und dirigiert den Giftstoff dorthin.

„Der von uns verwendete Antikörper identifiziert das sogenannte Prostataspezifische Membranantigen (PSMA) auf Prostatakrebszellen“, erläutert Wolf. „Als Giftstoff dient uns Exotoxin A aus dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa. Dieses besitzt die Fähigkeit, nach Eindringen in die Zelle den Zellstoffwechsel zu hemmen und dadurch den Zelltod herbeizuführen.

Dies machen sich die Freiburger Forscher zunutze: Einmal losgelassen, sucht das Immuntoxin zielstrebig nach Prostatakrebszellen, durchbricht die Membran und schleust seinen Giftstoff in das Zellinnere ein. Das Ergebnis: die Krebszelle wird zerstört.

Im Reagenzglas hat sich die Strategie bereits als erfolgreich erwiesen. Nun wollen die Wissenschaftler ihr Konzept so verfeinern, dass ihr Immuntoxin in der klinischen Praxis eingesetzt werden kann. „Zum einen müssen wir sicherstellen, dass das Immuntoxin nicht vom Immunsystem des Patienten als schädlicher Eindringling erkannt wird. Denn dadurch würde es neutralisiert und seine Wirksamkeit beeinträchtigt werden“, so Wolf weiter. „Außerdem wollen wir mögliche Nebenwirkungen auf ein Minimum reduzieren.“

Zusammen mit einer Chemotherapie wirkt das Immuntoxin möglicherweise sogar noch besser. Auch dies wollen die Wissenschaftler nun untersuchen. Besonders im späten Stadium einer Prostatakrebserkrankung könnte sich eine solche Kombinationstherapie als erfolgreich erweisen.

„Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart des Mannes. Neue und innovative Therapien gegen die Erkrankung, insbesondere im fortgeschrittenen Stadium, zu entwickeln, ist ein wichtiges Anliegen der Deutschen Krebshilfe und der von uns geförderten Projekte“, betont Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe.

Hintergrundinformation: Krebsforschung
Fortschritte in der Krebsforschung haben dazu beigetragen, neue und immer wirkungsvollere Therapien gegen Krebs zu entwickeln und bestehende Behandlungsansätze weiter zu optimieren. Diese Erfolge sind auch der Deutschen Krebshilfe zu verdanken – die gemeinnützige Organisation ist der bedeutendste private Förderer der Krebsforschung in Deutschland. In den letzten Jahren investierte die Deutsche Krebshilfe jährlich rund 35 bis 40 Millionen Euro in die onkologische Forschung. Ziel der Forschungsförderung der Deutschen Krebshilfe ist es, im Sinne einer optimalen Patientenversorgung vielversprechende Ergebnisse aus der Forschung schnell und effizient in die klinische Prüfung und Anwendung zu bringen sowie die Überlebenschancen und die Lebensqualität krebskranker Menschen stetig zu verbessern.

Weitere Informationen:

http://www.krebshilfe.de

Pressemitteilung
Deutsche Krebshilfe e. V., Dr. med. Svenja Ludwig


Krebszeitung

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  • Leukämiezellen
    Leukämie

    Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems und stellt in Europa und Nordamerika die häufigste Leukämieform dar. Für einige Patienten besteht an der Uniklinik nun die Möglichkeit, an einer Studie mit einem neuartigen Medikament teilzunehmen. Die Studie läuft aufgrund der weltweit großen Nachfrage nur kurze Zeit und wird dann geschlossen.

    Da der Verlauf der CLL sehr individuell ausfällt, ist vor der Therapieentscheidung eine genetische Untersuchung notwendig. Patienten, in deren Leukämiezellen auf dem sogenannten p-Arm des Chromosoms 17 ein Stück fehlt (kurz: 17p Deletion), sprechen in der Regel schlecht auf eine Chemotherapie an. Dementsprechend fällt eine Chemotherapie als Behandlungsoption aus. Die Prognose ist in diesen Fällen deutlich schlechter als bei den meisten anderen Patienten, die diese Veränderung nicht haben.

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  • Magenkrebs

    Jena (ukj/dre). Rund 20.000 Menschen in Deutschland erkranken jährlich neu an Magenkrebs, über 5.000 Menschen an Speisenröhrenkrebs. Als erste Klinik in Thüringen hat nun das Universitätsklinikum Jena (UKJ) eine Spezialsprechstunde für diese Patienten etabliert. Angesiedelt ist die Sprechstunde in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie. Klinikdirektor Prof. Dr. Utz Settmacher: „Damit können wir die Beratung und die Nachsorge dieser Patienten noch individueller gestalten.“ Eine dauerhafte Heilung ist bei Magenkrebs nur möglich, wenn der Tumor vollständig durch eine Operation entfernt werden kann. Häufig ist dabei die komplette Entfernung des Magens notwendig. Für die Patienten bedeutet dies eine enorme Umstellung in ihrer Lebensführung. Ein Großteil der Patienten ist zwischen 50 und 70 Jahre alt.

    „Nur in ausgewählten Fällen ist es möglich, einen Teil des Magens erhalten zu können. Nach einer kompletten Magenentfernung ist die Speiseröhre direkt mit dem Dünndarm verbunden. Für die Patienten bedeutet dies unter anderem, dass sie etwa sieben bis acht kleine Mahlzeiten täglich zu sich nehmen müssen, statt etwa zwei oder drei großer Mahlzeiten. Denn der Magen als Reservoir steht ihnen nicht mehr zur Verfügung. Diese Umstellung und natürlich die weitere Nachsorge begleiten wir intensiv im Rahmen der Sprechstunde“, erklärt Dr. Yves Dittmar, der zusammen mit Dr. Alexander Koch und Oberärztin Dr. Silke Schüle die Sprechstunde leitet. Bis zu 50 Patienten mit Magenkrebs werden jährlich am UKJ versorgt, beim Speisenröhrenkrebs sind es rund 30. Dr. Koch: „Bei der operativen Behandlung des Speiseröhrenkrebses muss in der Regel der größere Teil der Speiseröhre entfernt und durch einen sogenannten Schlauchmagen oder ein Darmsegment ersetzt werden. In ausgewählten Fällen ist auch eine Heilung durch Strahlentherapie möglich.“

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