Neue Wege in der Kehlkopfkrebs -Therapie

Prof. Andreas Dietz (re.) erwartet 90 HNO-Experten aus ganz Europa zum 7. Leipziger OP-Kurs am Uniklinikum Leipzig. Foto: UKL
Prof. Andreas Dietz (re.) erwartet 90 HNO-Experten aus ganz Europa zum 7. Leipziger OP-Kurs am Uniklinikum Leipzig. Foto: UKL

Wenn ein Tumor den Kehlkopf beschädigt und er entfernt werden muss, hat das für den Patienten weitreichende Folgen. Ein neuer Therapieansatz für Kehlkopfkrebs erhöht die Chance auf den Erhalt des Kehlkopfes und die Überlebensrate der Patienten. Entwickelt wurde das Konzept von der Deutschen Larynx-Organerhalt-Studiengruppe (DeLOS) unter Leitung von Prof. Dr. Andreas Dietz von der Universitätsmedizin Leipzig. Die Ergebnisse der Studie wurden vor kurzem auf dem Kongress der amerikanischen Krebsgesellschaft in Chicago der internationalen Fachwelt vorgestellt.

Der Kehlkopf hat für den Menschen zwei zentrale Funktionen: Sprechen und Schlucken. Diese Funktionen können durch einen Tumor eingeschränkt werden oder vollständig verloren gehen – für die Patienten ein erheblicher Verlust an Lebensqualität. Deshalb spielt der Organerhalt bei der Behandlung von Kehlkopfkrebs eine zentrale Rolle.

Etwa einer von 5000 Einwohnern in Deutschland erkrankt an Kehlkopfkrebs; der größte Risikofaktor ist Tabakkonsum. Ein erstes Anzeichen für die Krankheit ist Heiserkeit. In einem späteren Stadium können auch Schluckstörungen oder Blut im Speichel auf einen Tumor hindeuten. Zu Beginn der Krebserkrankung sind nur Teile des Organs betroffen, die sich herausoperieren lassen, der Kehlkopf bleibt erhalten. „Bei einem großen Tumor, der das Organ beschädigt, ist die Entfernung des kompletten Kehlkopfes die sauberste Form der Krebsbehandlung“, erklärt Prof. Dr. Andreas Dietz, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Leipzig.

Organerhalt als oberstes Ziel

Seit vielen Jahren beschäftigen sich Krebsforscher weltweit mit Organerhaltungsprogrammen als Alternativen zu dieser operativen Kehlkopfentfernung. Üblich ist für die Behandlung eine Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung. Das Problem des herkömmlichen Weges: Vor Therapiebeginn ist der Erfolg der Behandlung schlecht einzuschätzen. Wer die Therapie gut verträgt und den Tumor damit besiegen kann, muss nicht mehr operiert werden und kann seinen Kehlkopf behalten. Wenn dagegen nach rund dreieinhalb Monaten noch ein Rest des Tumors vorhanden ist, kann dieser zwar noch operiert werden – allerdings ist das Gewebe um den Kehlkopf herum dann stark beschädigt und heilt nur noch schlecht; die Folgen sind etwa offene Wunden.

Neuer Therapieansatz verbessert Organerhalts- und Überlebensrate

Andreas Dietz und seine Forschungsgruppe DeLOS haben deshalb einen neuen Ansatz erarbeitet und getestet. Er unterscheidet zu Therapiebeginn diejenigen Patienten, bei denen die Therapie erfolgreich verlaufen wird, von jenen, die darauf nicht ansprechen werden. Die Forscher änderten zunächst den Therapieablauf und begannen allein mit der Chemotherapie in drei mehrtägigen Zyklen im Abstand von zwei bis drei Wochen. Bereits nach dem ersten Zyklus wurde die Tumorentwicklung überprüft. War er mindestens etwa 30 Prozent kleiner geworden, wurde die Chemotherapie mit den restlichen zwei Zyklen und anschließender Bestrahlung fortgesetzt. Das war bei etwa zwei Dritteln der insgesamt 180 Erkrankten der Fall. Diejenigen Patienten, die nicht angesprochen hatten, wurden aus dem Programm herausgenommen und sofort operiert, solange ihr Gewebe noch nicht durch die aggressive Chemotherapie geschädigt war, um Wundheilungsstörungen zu vermeiden.

Zusätzlich zu der frühen Einschätzung über den Therapieverlauf haben die Forscher zwei Chemotherapien miteinander verglichen. Einem Teil der Patienten gaben sie zusätzlich den Antikörper Cetuximab, der bereits an anderer Stelle in Krebstherapien eingesetzt wird, und erzielten damit ein noch besseres Ergebnis. Der Antikörper löst erstens eine Entzündungsreaktion um den Tumor herum aus und aktiviert damit das Immunsystem, zweitens hemmt er das Tumorwachstum. Durch diese Vorgehensweise wurden die Überlebensrate und der Organerhalt bei den Patienten signifikant verbessert.

Präsentation der Studie vor der internationalen Fachwelt

Die DeLOS-Studie lief von 2008 bis 2012 an 25 Kliniken in Deutschland und Österreich. Ihre Ergebnisse wurden am vergangenen Wochenende in Chicago auf dem Kongress der amerikanischen Krebsgesellschaft American Society of Clinical Oncology (ASCO), einem der wichtigsten Krebsforschungskongresse weltweit, vor rund 35.000 Teilnehmern aus aller Welt vorgestellt und von der Gesellschaft als ein Höhepunkt der Forschungsarbeit des vergangenen Jahres bewertet. „Der Kongress der ASCO nimmt Einfluss auf die Krebstherapie wie kein anderer“, sagt Dietz. „Dort unter den tausenden eingereichten Therapieergebnissen ausgewählt zu werden, ist eine herausragende Wertschätzung, die international die Therapie der Kehlkopftumore verändern kann. Wir freuen uns, mit der Universitätsmedizin Leipzig Zentrum dieser Bewegung zu sein.“

Silvia Lauppe

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Andreas Dietz
Telefon: +49 341 97-21700
E-Mail: andreas.dietz@medizin.uni-leipzig.de
Web: hno.uniklinikum-leipzig.de


Krebszeitung

--Download Neue Wege in der Kehlkopfkrebs -Therapie als PDF-Datei --


  • Wie tragen die adenoviralen Proteine zur Transformation einer Zelle bei? - Quelle: Timo Sieber
    Krebsthemen

    Stuttgart – Mit Erkältungsviren beladene Stammzellen verdreifachen die Überlebenszeit von an Brustkrebs erkrankten Mäusen. Zu diesem Ergebnis kommt eine in der Fachzeitschrift „Geburtshilfe und Frauenheilkunde“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart) veröffentlichte Studie. Für ihre Forschung verlieh der Georg Thieme Verlag am 16. September 2008 in Hamburg gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) den GebFra-Preis an die Autorin Dr. med. Mariam Alexandra Stoff-Khalili-Araghi, Köln. Der mit 5 000 Euro dotierte Preis würdigt die Arbeit „Stammzellen als zelluläre Vehikel virotherapeutischer Agenzien beim metastasierenden Mammakarzinom“ (GebFra 2007, 67:236-241).

    […mehr lesen]

  • Kongress - pixabay
    Krebskongress 2014

    Auch im Namen der Deutschen Krebshilfe begrüße ich Sie sehr herzlich zu unserer heutigen Auftakt- Pressekonferenz zum Deutschen Krebskongress 2014.

    Mit diesem Kongress gehen wir neue Wege: Zum ersten Mal wird die Veranstaltung gemeinsam von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe ausgerichtet. Das Fundament hierzu haben wir bereits im Juni 2012 gelegt, als die enge Kooperation zwischen den beiden Organisationen offiziell vereinbart wurde. Ein logischer und lange überfälliger Schritt. Denn seit vielen Jahrzehnten engagieren sich beide Organisationen für Krebspatienten: die Deutsche Krebsgesellschaft als Medizinische Fachgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe als Förderorganisation und Bürgerbewegung im Kampf gegen den Krebs.

    In den vergangenen Jahren ist immer deutlicher geworden, wie komplex die Krebsbekämpfung, die Krebsmedizin und -forschung sind. Und auch auf dem Hintergrund der steigenden Neuerkrankungszahlen erschien uns eine verstärkte Zusammenarbeit notwendig und zwingend. Bereits vor dem offiziellen Bündnis gab es wichtige gemeinsame Initiativen, wie das „Leitlinienprogramm Onkologie“ oder die Mit-Initiierung des Nationalen Krebsplans.

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit