Neue Wirkstoffe gegen CLL

In Leukämiezellen (hier lila) wird durch das neue Medikament der Signalweg zum natürlichen Absterben wieder freigemacht. Foto: Universitätsklinikum Ulm
In Leukämiezellen (hier lila) wird durch das neue Medikament der Signalweg zum natürlichen Absterben wieder freigemacht. Foto: Universitätsklinikum Ulm

Kooperation wird von Deutscher Krebshilfe gefördert

Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist die häufigste Leukämie- Form. Sie gilt gegenwärtig als nicht heilbar und kann innerhalb weniger Jahre trotz Therapie zum Tod führen. Daher werden nach wie vor neue Therapiemöglichkeiten gesucht. Eine solche Möglichkeit könnten spezielle Aspirin-Derivate sein. Diese werden nun mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe an der Uniklinik Köln erforscht.

Als ein Derivat wird in der Chemie ein abgeleiteter Stoff ähnlicher Struktur bezeichnet. Bei dem Stoff, der für die Therapie in Frage kommt, handelt es sich um ein verändertes Aspirin (ASA). Es wird, wie gewöhnlich, oral eingenommen. Beim Eintritt in den Stoffwechsel kommt es jedoch zur Bildung eines Zwischenproduktes, das Zellen schädigen oder zerstören kann. Ein Vertreter dieser Gruppe – das para-NO-ASA – konnte bereits erfolgreich an CLL-Zellen im Labor getestet werden. Dabei zeigte sich, dass mit diesem speziellen ASA kranke CLL-Zellen selektiv abgetötet werden können.

In dem nun von der Deutschen Krebshilfe geförderten Kooperationsprojekt versuchen Forscher der Organischen Chemie (Arbeitsgruppe Prof. Dr. Berkessel) und der Inneren Medizin (Arbeitsgruppe Prof. Dr. Kreuzer) gemeinsam diese Wirkung gezielt zu verbessern und zu ergründen, wie die NO-ASAs es schaffen, selektiv CLL-Zellen abzutöten. Dazu werden verschiedene Varianten des para-NO-ASA von den Chemikern entwickelt, die dann an CLL-Zellen und gesunden Zellen im Labor der Mediziner getestet werden.

„Basierend auf unseren Vorarbeiten möchten wir neue Derivate von NO-ASA identifizieren, welche eine noch höhere Wirksamkeit haben. Gleichzeitig müssen wir jedoch darauf achten, dass unsere neuartigen ASA-Derivate nicht giftig sind und den Patienten nicht schaden“, erklärt Prof. Dr. Karl-Anton Kreuzer. „Wir hoffen mit unserer Forschung, die Wirkung und Zielgenauigkeit der NO-ASA noch weiter zu verbessern und damit die Grundlagen für einen Einsatz in der CLL-Therapie zu schaffen.“

Nach derzeitiger Vorstellung werden NO-ASA in der Zelle enzymatisch gespalten. Dadurch wird ein Zwischenprodukt freigesetzt (Chinonmethid), welches bei den kranken Zellen den programmierten Zelltod (Apoptose) einleitet. Von Seiten des organisch-chemischen Kooperationspartners werden nicht nur Wirkstoffkandidaten bereitgestellt, sondern auch molekulare Sonden, mit denen der genaue Wirkmechanismus der NO-ASAs in der Zelle aufgeklärt werden soll.

„Moderne organisch-chemische Synthese ist die Grundlage für das Verständnis zellulärer Vorgänge auf molekularer Ebene“ erklärt Prof. Dr. Albrecht Berkessel. In seinem Labor werden zum Erreichen des gemeinsamen Ziels modernste Methoden der Synthesechemie und der molekularen Analytik eingesetzt.

Die beiden Arbeitsgruppen werden in der ersten Förderungsperiode zwei Jahre lang von der Deutschen Krebshilfe unterstützt. Erste Ergebnisse sollen bis Ende 2014 vorliegen.

Für Rückfragen:
Christoph Wanko
Pressesprecher Uniklinik Köln
Stabsabteilung Unternehmenskommunikation und Marketing
Telefon: 0221 478-5548
E-Mail: presse@uk-koeln.de


Krebszeitung

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