Neuentdeckung in der Virusforschung

Gefärbte mikroskopische Aufnahme eines Influenza-Virus CDC/ Erskine. L. Palmer, Ph.D.; M. L. Martin

Erstmalig in der Geschichte der Virologie ist es Frankfurter Wissenschaftlern gelungen, nachzuweisen, dass das zur Herpesgruppe gehörende Cytomegalie-Virus das Wachstum von Krebszellen anregt. „Zum einen bilden Tumorzellen, die mit dem Virus infiziert sind, mehr und schneller Metastasen aus als nicht infizierte Zellen“, erklärt Professor Dr. Jindrich Cinatl, Leiter des Interdisziplinären Laboratoriums für Tumor- und Virusforschung am Institut für Medizinische Virologie in Frankfurt.

Cytomegalie-Viren erhöhen die Aggressivität von Krebszellen

Zweitens seien infizierte Tumorzellen wesentlich unempfindlicher und sprechen schlechter auf Chemotherapeutika an. Wie Cinatl erklärt, gebe die Entdeckung dieser Wechselbeziehung wichtige Impulse für eine bessere Krebstherapie.

Den als ‚virale o­nkomodulation‘ bezeichneten Zusammenhang zwischen Cytomegalie-Infektion und Tumormalignität bestätigten nun auch Forscher auf einer internationalen Fachtagung in Frankfurt am Main („5th Meeting o­n CMV-related Immunopathology“), zu der das Institut für Medizinische Virologie unter der Schirmherrschaft der Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder e.V. am 21. bis 23. September 2004 eingeladen hatte.

Bislang konnten in Glioblastomen (Hirntumoren), Dickdarm- und Prostata-Karzinomen – jedoch nicht in umliegenden Geweben – Cytomegalie-Virus-Proteine und -Nukleinsäuren nachgewiesen werden. Experimentelle Befunde deuten darüber hinaus auf einen Zusammenhang zwischen Cytomegalie-Infektionen und kindlichen Krebserkrankungen wie dem Neuroblastom hin.

„Der Einfluss des Cytomegalie-Virus auf die Tumormalignität legt eine systematische Therapie mit der Kombination von Zytostatika und Virostatika nahe. Insbesondere für Kinder, die mit schweren Tumorerkrankungen und Cytomegalie-Infektionen nur geringe Überlebenschancen haben, ergibt sich daraus die Perspektive, einen besseren Therapieerfolg zu erzielen“, sagt Professor Dr. Hans Wilhelm Doerr, Direktor des Instituts für Medizinische Virologie am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.

In Deutschland gibt es bisher drei klinisch zugelassene Medikamente gegen Cytomegalie-Infektionen. „So erhöht das Virostatikum Ganciclovir die Wirkung von antitumoralen Chemotherapeutika gegen Cytomegalie-infizierte Tumorzellen in experimentellen Systemen“, erläutert der Virologe Cinatl. Zudem weisen episodische Fallberichte bei Krebspatienten mit Cytomegalie-Erkrankung, die zusätzlich mit antiviralen Medikamenten behandelt wurden, darauf hin, dass eine kombinierte Gabe von Zytostatika und Virostatika die Therapie verbessern könnte.

Eine weitere Möglichkeit, Krebspatienten mit Cytomegalie-infizierten Tumoren zu behandeln besteht in der Entwicklung von Immuntherapien. Das Institut für Medizinische Virologie und die Münchner Firma Leukocare planen die Entwicklung von Therapiestrategien in denen T-Lymphozyten erzeugt werden, die auf Tumor-assoziierte virale Antigene reagieren.

Die Aufklärung des der viralen o­nkomodulation zugrunde liegenden Mechanismus sowie die Frage, in welchen Fällen das Tumorwachstum durch die Anwesenheit von Cytomegalie-Viren beschleunigt wird, wird Gegenstand weiterer Untersuchungen sein, die von Wissenschaftlern und Ärzten der Uniklinik Frankfurt in Kooperation mit der Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder und Wissenschaftlern und Ärzten der Universität von Alabama in Birmingham (USA) demnächst durchgeführt werden. Ziel ist es, eine rasche Standardisierung von Diagnose und Therapie herbeizuführen.

Die Bevölkerung in Deutschland ist, je nach Altersstufe, bis zu 70 Prozent mit dem Cytomegalie-Virus (CMV) infiziert. Das Virus wird durch engen körperlichen Kontakt (Mutter-Kleinkind, postpupertäre Partnerschaften), aber auch über Schmierinfektionen (Urin, Speichel) übertragen. Da die Cytomegalie-Infektion oft unbemerkt erfolgt – ohne Krankheitssymptome -, wissen viele Menschen nicht, dass sie infiziert sind. Infizierte Menschen tragen den Erreger lebenslang unbemerkt in sich.

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.kgu.de/zhyg/virologie/virologie.html

Pressemitteilung Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M.


Krebszeitung

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  • Dr. med. Jörg Neymeyer - Quelle: Charité
    DGU-Kongress 2012

    Dr. med. Jörg Neymeyer - Quelle: CharitéFeingezielte LASER-Therapie innerhalb englumiger Hohlorgane erfordert lange, dünne und in definierte Richtungen strahlende Lichtwellenleiter und wenig tiefenschädigende Gewebedestruktion jedoch mit guter Vaporisationsleistung. Um oberflächliche gut- und bösartige Gewebsneubildungen endoskopisch zu Verdampfen, soll die Wirktiefe des kohärenten Lichtbündels des LASER´s geringer als 1 mm sein. Um das zu destruierende Gewebe optimal abzutragen wurde die Harpoon-Faser eingesetzt. Diese hat ein gebogenes Faserende. Die Therapie wurde dadurch erleichtert.

    Material und Methoden:

    Ein modifizierter Multifunktions-Dioden-LASER für minimalinvasive endoluminale Weichgewebsdestruktion wurde entwickelt (LIMMER-LASER GmbH). Die verwendeten Lichtleiter des Dioden-LASERs wurden entweder als „“harpoon“, als „“bare-fiber“ oder als „“sidefire fibre“ geformt.

    Die klinische Effektüberprüfung erfolgte bei urothelialen Tumore des oberen Harntraktes (Ureter und Nierenbeckentumore). Mittels Tip-on-the-Chip-Endoskopen sowie mittels Narrow Banding Imaging (NBI) erfolgte die Detektion der Tumore. Die LASER-Therapie wurde stets videoendoskopisch dokumentiert.

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    Brustkrebs

    Die Behandlungsqualität von Brustkrebspatientinnen nach europäischen Standards anpassen. Darum wurden 12 Brustzentren benannt, welche gemeinsam die Akkreditierung nach den strengen Standards der Europäischen Gesellschaft für Brustkunde (EUSOMA) beantragt haben. Diese Standards sind auch vom EU-Parlament bestätigt. Nun wurden die ersten beiden Kliniken – die Universitätsfrauenkliniken von Lübeck und Kiel – akkreditiert. Experten bezeichneten dies auf dem 55. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in Hamburg“als Meilenstein auf dem Weg zu einer Versorgung von Brustkrebspatientinnen auf höchstem Niveau“.

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