Neuer Ansatz bei Chemotherapie-Resistenz

Chemotherapie - pixabay
Chemotherapie - pixabay

Würzburg, 10.06.2008. Krebszellen, die resistent gegen eine Chemotherapie werden, sind eines der größten Hindernisse in der Krebstherapie. Einige Krebsarten wie Hautkrebs reagieren auf eine Behandlung nur sehr eingeschränkt. Wissenschaftler um PD Dr. Margarete Schön und Prof. Dr. Michael Schön vom Rudolf-Virchow-Zentrum und der Hautklinik der Universität Würzburg und Göttingen konnten jetzt im Tiermodell die Resistenz überwinden. Die Tiere wurden wieder empfindlich für die Chemotherapie. Ihre Ergebnisse beschreiben sie heute in der Online-Veröffentlichung der renommierten Fachzeitschrift „Journal of the National Cancer Institute“.

Wissenschaftler blockieren gezielt Mechanismus in Krebszellen

Eine Chemotherapie ist oft die letzte Hoffnung, wenn andere Methoden den Krebs zu bekämpfen, versagt haben. Sie wird daher nur bei besonders gefährlichen Krebsarten durchgeführt oder erst dann, wenn sich bereits Metastasen im Körper gebildet haben. Dabei werden dem Körper so genannte Zytostatika zugeführt, die Krebszellen an ihrem ungehinderten Wachstum und der Vermehrung hindern und so abtöten sollen. Krebszellen haben nämlich das normale Programm einer Zelle abgestellt, die ein unkontrolliertes Wachstum und den natürlichen Zelltod kontrolliert. Zytostatika funktionieren auch im besten Falle.

Doch eine große Zahl der Krebsarten, wie der „schwarze Hautkrebs“, ist nahezu komplett widerstandsfähig gegen die Therapie. Die Krebszellen haben ihre Strategie geändert und sich einen alternativen Weg gewählt.

In der Zelle gibt es nämlich viele Wege, die das Wachstum und die Vermehrung kontrollieren. Man spricht von einer Chemotherapie- Resistenz. Die Resistenz ist der größte Feind der Therapie, die Chemotherapie aber oft die letzte Therapiemöglichkeit. Wissenschaftler versuchen daher seit einigen Jahren die verschiedenen Mechanismen der Resistenzentwicklung genauer verstehen, um diese dann gezielt blockieren zu können und die Krebszellen wieder empfindlicher für die Chemotherapie zu machen. Bisher ist allerdings noch kein Medikament erfolgreich in der Anwendung.

Forscher um Margarete und Michael Schön suchten nun nach einem Blocker für einen speziellen Weg, von dem bekannt ist, dass er nicht nur bei der Entstehung von Krebs eine Rolle spielt, sondern auch die beschriebene Chemotherapie-Resistenz auslöst: der NF-kappa-B-Weg. Den Forschern ist es gelungen, das Übel direkt an der Wurzel zu packen.

Sie haben einen neuen Blocker gefunden, der den gesamten Weg lahmlegt.

Das Ergebnis ist vielversprechend: Krebszellen in Kultur, aber auch im Tiermodell werden wieder empfindlich für die Chemotherapie.

In ihren Experimenten behandelten sie Tiere, die an Lungenkrebs erkrankt waren, nur mit KINK-1 oder verschiedenen Zytostatika, beispielsweise Doxorubicin, alleine, und mit einer Kombination aus einem Zytostatikum und KINK-1. Nur eine kombinierte Gabe war erfolgreich. Dann konnte die Bildung von Metastasen merklich reduziert werden und so der Krebs behandelt werden. Der neue Wirkstoff fungiert also nicht selbst als Chemotherapeutikum, sondern hilft nur, die Zellen wieder empfindlicher zu machen für das zusätzlich verabreichte Zytostatikum, also für die Chemotherapie. KINK-1 ist also ein Erfolg versprechendes Mittel gegen die Chemotherapie-Resistenz.

Für den Hautarzt Michael Schön, der täglich mit dem Problem der Chemotherapie-Resistenz zu kämpfen hat, ein wichtiger Schritt: „Unsere Ergebnisse liefern einen erfolgreichen Ansatz, der ein wichtiger Baustein in der Krebstherapie werden kann. Der NF-kappa-B-Weg ist in vielen Krebsarten vorhanden, daher müsste die Therapie sehr universell funktionieren. Unsere bisherigen Studien zeigen außerdem eine sehr hohe Verträglichkeit.“ Nun müsse die Übertragbarkeit auf andere Krebsarten genau geprüft werden. Wie bei jedem Medikament müssen jetzt die verschiedenen Stufen der präklinischen und klinischen Studien durchlaufen werden.

Für ihre Arbeit wurde das Forscherpaar Margarete und Michael Schön am 25.04.08 in Frankfurt mit dem MTTC Award des Deutschen Council der Fortbildungsinitiative „Molecular Targeted Therapy of Cancer“ ausgezeichnet.

Margarete Schön, B. Gregor Wienrich, Susanne Kneitz, Helga Sennefelder, Katharina Amschler, Verena Vöhringer, Olaf Weber, Thorsten Stiewe, Karl Ziegelbauer and Michael Schön. KINK-1, a novel small-molecule inhibitor of IKKbeta, and the susceptibility of melanoma cells to antitumoral treatment. J. Natl. Cancer Inst. 100 (12), 862-875, 2008.

Kontakt:

Prof. Dr. Michael Schön (seit einigen Wochen jetzt in Göttingen)
Leiter der Hautklinik der Universität Göttingen

Tel: 0551-39-6401

Email: michael.schoen@med.uni-goettingen.de

PD Dr. Margarete Schön
Rudolf-Virchow-Zentrum, Universität Würzburg

Tel.: 0931-201-48977

Sonja Jülich
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Rudolf-Virchow-Zentrum, Universität Würzburg

Tel.: 0931-201-48714

Pressemitteilung Rudolf-Virchow-Zentrum / DFG – Forschungszentrum für Experimentelle Biomedizin, Sonja Jülich


Krebszeitung

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  • Kongress - pixabay
    Krebsthemen

    Der diesjährige 57. Kongress der Deutschen Urologen beschäftigt sich vom 21.-24. September 2005  unter anderen mit den großen Themen der Urologie: Harninkontinenz, PSA-Testung zur Früherkennung des Prostatakrebs beim Mann, neue Operationstechniken in der Urologie und der zukünftigen Gesundheitspolitik.

    Zur Prostata-Früherkennung mittels PSA-Test, sagte Prof. Dr. Detlef Frohneberg, zum Auftakt des Kongresses:
    „Der PSA-Test ist in Deutschland hochumstritten, obwohl eine rechtzeitige Erkennung des Prostatakrebs ohne Ihn nicht möglich ist. Eindeutige Zahlen über seine Wirksamkeit wird es leider erst ab 2008 geben. Es ist trotzdem ein Unding, dass er bisher als einzig sinnvolle Früherkennungs- Maßnahme von den Krankenkassen ignoriert wird.“

    Mit jährlich 40.000 neuen Fällen in Deutschland ist der Prostatakrebs die zweithäufigste Todesursache des Mannes. Dies liegt auch daran, dass Prostatatumoren bereits früh Metastasen bilden. Obwohl in einem frühen Stadium erkannt, der Prostatakrebs gute Heilungschancen hat, sterben etwa 50% der Patienten daran, weil er zu spät erkannt wird.

    Frohneberg weiter:“ Während in Deutschland etwa 30% der Patienten bereits mit einem fortgeschrittenen Prostatakrebs in die Kliniken kommen, sind es in den USA lediglich 3%. Dieser eklatante Unterschied kommt dadurch Zustande, dass seit 13 Jahren in den Vereinigten Staaten ein PSA-Screening bei Männern durchgeführt wird.“

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  • Erkennung, Wechselwirkung und Eliminierung von Neuroblastomzellen durch aktivierte Natürliche Killerzellen. Quelle: Dr. Stephan Klöß, AG PD Dr. Ulrike Köhl
    Forschung

    Erkennung, Wechselwirkung und Eliminierung von Neuroblastomzellen durch aktivierte Natürliche Killerzellen. Quelle: Dr. Stephan Klöß, AG PD Dr. Ulrike KöhlBesonders aggressive Tumore entziehen sich dem gezielten Angriff des Immunsystems. Die Frankfurter Arbeitsgruppen um die Medizinerin und Biologin Ulrike Köhl an der pädiatrischen Hämatologie/Onkologie in Frankfurt am Main und dem Biologen Joachim Koch am Georg-Speyer-Haus entwickeln neue immunologische Therapieansätze, um diese sogenannten „Tumor-Immun-Escape-Mechanismen“ wirkungsvoll zu überwinden. Im Fokus ihrer Forschung steht das Neuroblastom im frühen Kindesalter.

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