Neuer Prognosefaktor für Brustkrebs entdeckt

Abbau der extrazellulären Matrix durch die invasive Brustkarzinomzellinie - Quelle: Universität Stuttgart
Abbau der extrazellulären Matrix durch die invasive Brustkarzinomzellinie - Quelle: Universität Stuttgart

Wissenschaftler um PD Dr. Marcus Schmidt von der Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Frauenkrankheiten der Universitätsmedizin Mainz und Univ.-Prof. Dr. Jan G. Hengstler von Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund haben erstmals gezeigt, das Immunglobulin Kappa C (IGKC), ein integraler Bestandteil des Immunsystems, mit einer deutlich verbesserten Prognose bei Brustkrebs und mit einer erhöhten Empfindlichkeit auf eine Chemotherapie assoziiert ist. Der günstige Effekt fand sich auch bei Patienten mit Darmkrebs und Lungenkarzinomen. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Clinical Cancer Research“ veröffentlicht.

Obwohl die zentrale Rolle des Immunsystems für die Prognose von Tumorerkrankungen generell akzeptiert ist, wurde bisher kein einzelner Bestandteil des Immunsystems als zuverlässiger Marker identifiziert. In früheren Arbeiten konnte die Mainzer Arbeitsgruppe bereits zeigen, dass Gene bestimmter Zellen des Immunsystems – vor allem B-Zellen und T-Zellen – einen Einfluss auf die Prognose von Brustkrebs haben. Dies gelang mithilfe so genannter Genexpressionsanalysen. Dabei kann eine Vielzahl von Genen im Hinblick auf ihre Aktivität im Tumorgewebe identifiziert und charakterisiert werden. „Um die klinische Anwendbarkeit zu verbessern, haben wir uns gefragt, ob der Einfluss dieser ganzen Gruppe von Genen der B-Zellen sich nicht auf ein einziges Gen – und damit auf einen einzigen Marker – zurückführen lässt“, erläutert Dr. Marcus Schmidt, Oberarzt an der Frauenklinik der Universitätsmedizin Mainz. „Dabei stießen wir auf Immunglobulin Kappa C, das eine vergleichbare Aussagekraft hat wie die gesamte Gruppe von Genen, die wir in unserer früheren Arbeit identifiziert hatten.

Für die genetischen Untersuchungen analysierten die Wissenschaftler Gewebematerial von 1810 Brustkrebspatientinnen, sowie 1056 Patienten mit Lungenkarzinom, 513 Darmkrebspatienten und 426 Patientinnen mit Eierstockkrebs. Mit Ausnahme des Eierstockkrebs war IGKC in allen anderen untersuchten Krebsarten eindeutig mit einer deutlich verbesserten Prognose – definiert durch ein selteneres Auftreten von Fernmetastasen – und einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber einer Chemotherapie assoziiert. „Die Frage des Ansprechens auf eine Chemotherapie wurde bei Brustkrebspatientinnen untersucht, die präoperativ mit einer bestimmten Chemotherapie behandelt wurden“, so Dr. Marcus Schmidt. „Hier konnten wir eindeutig zeigen, dass sich Tumore mit einem hohen Anteil von IGKC durch die Chemotherapie stärker verkleinerten als die Tumore mit einem geringen Anteil von IGKC.“

„Darauf aufbauend konnten wir zeigen, dass der prognostisch günstige Einfluss von IGKC auf das Mammakarzinom nicht nur auf Genexpressionsebene sondern auch auf Proteinebene gleichermaßen besteht – hierzu haben wir das Gewebe von 330 Brustkrebspatientinnen analysiert – und dass IGKC von körpereigenen Plasmazellen gebildet wird, die in die Tumoren infiltrieren“, so Marcus Schmidt.

Diese Arbeit hat weitreichende Bedeutung, darüber sind sich die Autoren einig. Zum einen kann der neu beschriebene Marker IGKC als Prognosefaktor in der Routinediagnostik zur verbesserten Charakterisierung von bösartigen Tumoren eingesetzt werden. Zum anderen unterstützt der schützende Effekt dieser natürlich vorkommenden Immunreaktion das Konzept einer Immuntherapie passiv mit Antikörpern oder aktiv als Impfung gegen Krebs als Fernziel.

Originalveröffentlichung:
A comprehensive analysis of human gene expression profiles identifies stromal immunoglobulin kappa C as a compatible prognostic marker in human solid tumors Marcus Schmidt, Birte Hellwig, Seddik Hammad, et al. Clin Cancer Res Published OnlineFirst February 20, 2012.

Kontakt
Priv.-Doz. Dr. Marcus Schmidt, Oberarzt und Leiter Konservative und Translationale Gynäkologische Onkologie, Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Frauenkrankheiten Universitätsmedizin Mainz
Telefon : 06131 17-2683, Fax : 06131 17-5673,
E-Mail: marcus.schmidt@unimedizin-mainz.de

Pressekontakt
Dr. Renée Dillinger-Reiter, Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz,
Telefon: 06131 17-7424, Fax: 06131 17-3496,
E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

Pressemitteilung Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Dipl.-Betriebswirtin (FH) Caroline Bahnemann


Krebszeitung

--Download Neuer Prognosefaktor für Brustkrebs entdeckt als PDF-Datei --


  • Atlas der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister - Quelle: GEKID
    Harnblasenkrebs

    Andrea Höhn ist eine von fast 30 000. Laut Schätzungen des Robert- Koch-Instituts erkranken in Deutschland jedes Jahr etwa 28 750 Menschen an Harnblasenkrebs. Wie Andrea Höhn kann ein Teil der Blasenkrebspatienten trotz Entfernung des Organs mit einer Ersatzblase ein nahezu normales Leben führen. Mit ihrer persönlichen Geschichte will die 53-Jährige zur Aufklärung über den zweithäufigsten urologischen Tumor beitragen, denn trotz der alarmierenden Zahlen ist in der Öffentlichkeit wenig über Risikofaktoren und Behandlung des Harnblasenkarzinoms bekannt.

    […mehr lesen]

  • Kongress - pixabay
    Kongresse
    Veranstaltungen und Kongresse 2013 mit den Themen Krebserkrankungen Diese Veranstaltungen und Kongresse sind nicht nur für Mediziner, sondern auch für Patienten interessant. Januar 11.01.2013 – 12.01.2013 BKK – 6. Brustkrebs Kongress 2013 Köln http://frauenklinik.uk-koeln.de/brustzentrum_koeln_frechen_op_standort_koeln/fortbildungen/fortbildung-senologie 17.01.2013 [...mehr lesen]

Google News – Gesundheit

  • Mediziner entdecken 44 genetische Veranlagungen für Depressionen
    am 24. Mai 2018 um 00:58

    Mediziner entdecken 44 genetische Veranlagungen für Depressionen  Heilpraxisnet.deUniklinikum Würzburg: 44 genetische Variationen im Zusammenhang mit Depressionen identifiziert  Medizin-Aspekte44 genetische Variationen für Depressionen entdeckt  derStandard.atFull coverag […]

  • Einer von acht Menschen hat im Jahr 2045 Typ-2-Diabetes
    am 24. Mai 2018 um 00:46

    Einer von acht Menschen hat im Jahr 2045 Typ-2-Diabetes  Heilpraxisnet.dePrognose: Jeder Fünfte fettleibig, jeder Achte Diabetiker  kurier.atFull coverag […]

  • Gesundes Superfood: Flohsamenschalen unterstützen beim Abnehmen
    am 24. Mai 2018 um 00:30

    Gesundes Superfood: Flohsamenschalen unterstützen beim Abnehmen  Heilpraxisnet.deFlohsamenschalen: So hilft das neue Superfood beim Abnehmen  FOCUS OnlineFull coverag […]

  • Rätsel um Malaria-Parasit gelöst
    am 23. Mai 2018 um 20:15

    Rätsel um Malaria-Parasit gelöst  Medizin-AspekteWie der Malaria-Parasit im Knochenmark heranreift  Neue Zürcher ZeitungFull coverag […]

  • Kongos Nachbarn wappnen sich gegen Ebola
    am 23. Mai 2018 um 19:38

    Kongos Nachbarn wappnen sich gegen Ebola  Augsburger AllgemeineKongos Nachbarn wappnen sich gegen Ebola - Flucht aus Klinik  DIE WELTLanger Kampf gegen Ebola  neues deutschlandFull coverag […]