Neuer Wirkstoff überwindet Therapieresistenz bei Leukämie

Leukämiezellen

Die Heilungschancen von Patienten mit Philadelphia Chromosom-positiver Leukämie (Ph+) haben sich in den letzten Jahren stark verbessert. Dennoch entwickelt ein großer Anteil von Patienten Resistenzen gegen die vorhandenen Medikamente. Hämatologen der Goethe-Universität Frankfurt haben nun gemeinsam mit einer russischen Pharmafirma einen neuen Wirkstoff entwickelt, der sowohl in vitro als auch in vivo die aggressivsten Formen der Philadelphia Chromosom-positiven Leukämie sehr effektiv bekämpft. Sie berichten darüber in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Leukemia“.

FRANKFURT. Patienten mit dem Philadelphia Chromosom entwickeln chronisch myeloische (CML) oder akute lymphatische Leukämie (Ph+ ALL). Diese gehören zu den ersten Leukämieformen, die dank der Entwicklung gezielter molekularer Therapieansätze behandelt werden können. Die Wirkstoffe, selektive Kinase-Inhibitoren, greifen direkt am Krebs-induzierenden Gen BCR/ABL an. Doch bei vielen Patienten wird die Therapie nach einer gewissen Zeit unwirksam – entweder aufgrund von Mutationen im BCR/ABL oder durch andere, noch weitgehend unbekannte Mechanismen. Zurzeit ist nur eine Substanz, Ponatinib, in der Lage, alle klinische Resistenzen weitgehend zu überwinden. Leider ist Ponatinib wegen seiner zum Teil lebensgefährlichen Nebenwirkungen nur mit großer Vorsicht einsetzbar.

Fusion Pharma, mit Sitz in Moskau, hat einen neuartigen Kinase-Inhibitor, PF-114, mit dem Ziel entwickelt, die gleiche Wirkung auf Ph+ Leukämien zu entfalten wie Ponatinib, aber gleichzeitig die Nebenwirkungen zu reduzieren. In der aktuellen Ausgabe von „Leukemia“ berichtet ein Team um Dr. Afsar Mian, Prof. Oliver Ottmann und Privatdozent Dr. Martin Ruthardt von der Abteilung Hämatologie der Medizinischen Klinik II, dass PF-114 ähnlich gut gegen resistente Ph+ Leukämie wirkt wie Ponatinib.

„Diese Ergebnisse liefern die Grundlage für den Einsatz von PF-114 bei Therapie-resistenten Patienten mit Ph+ Leukämie. Die gute Wirksamkeit und das gute Nebenwirkungsprofil muss jetzt in klinischen Phase I Studien am Menschen weiter untersucht werden“, erklärt Dr. Ruthardt. „Ohne die Frankfurter Kollegen, wäre PF-114 nie so weit gekommen. Auf der Basis dieser Daten werden wir im Laufe des 1. Halbjahrs 2015 eine internationale Phase I Studie starten können“, ergänzt Dr. Ghermes Chilov, CEO von Fusion Pharma, die das Projekt finanziert hat.

Publikation:
Mian et al.: PF-114, a potent and selective inhibitor of native and mutated BCR/ABL is active against Philadelphia chromosome- positive (Ph+) leukemias harboring the T315I mutation, in Leukemia, 14. November 2014, doi: 10.1038/leu.2014.326.

Informationen:
Privatdozent Dr. Martin Ruthardt, Hämatologie/Medizinische Klinik II, Universitätsklinik, Tel. (069)6301–5338, ruthardt@em.uni-frankfurt.de.

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 2014 feiert sie ihren 100. Geburtstag. 1914 gegründet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto „Wissenschaft für die Gesellschaft“ in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften.“

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Stammzelltherapie bei akuter Leukämie


Krebszeitung

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  • Risiko der Krebserkrankung bei einer Infektion mit HPV - Quelle: Institut für Mikroökologie
    Krebsthemen

    Risiko der Krebserkrankung bei einer Infektion mit HPV - Quelle: Institut für MikroökologieIst Krebs ansteckend? Früher war die Antwort darauf eindeutig – nein! Doch so einfach ist es nicht. Denn heute wissen wir: allein im Jahr 2008 gingen zwei Millionen Krebserkrankungen auf Infektionen zurück. Die Übeltäter sind vor allem Helicobacter pylori, Hepatitis B und C-Viren und die humanen Papillomaviren.

    Während das Bakterium Helicobacter pylori ausschließlich für Magenkrebs verantwortlich ist und die Hepatitis-Viren „nur“ Leberkrebs verursachen, kann das humane Papillomavirus gleich an mehreren Orten zuschlagen. Über 151 verschiedene Typen des Papillomavirus wurden inzwischen beim Menschen entdeckt. Ihr Ziel sind die Zellen der Haut und der Schleimhaut.

    Die „Haut-Typen“ des Papillomavirus lassen Warzen entstehen und spielen möglicherweise bei bestimmten Hautkrebsarten eine Rolle. Die „Schleimhaut-Typen“ des Papillomavirus können unterschiedlich gefährlich sein: die Niederrisiko-Typen verursachen Warzen im Genitalbereich, die Hochrisiko-Typen können dagegen Gebärmutterhalskrebs auslösen.

    Neben dem Genitalbereich können die humanen Papillomaviren auch andere Schleimhautbereiche befallen. Zum Beispiel gehen auch Krebsarten im Mundrachenraum auf das Konto der Viren. Insgesamt verursachen die humanen Papillomaviren jedes Jahr 530.000 neue Krebsfälle, 275.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen.

    Gängige Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von Infektionen könnten die Krebsraten deutlich senken. Für bestimmte Hochrisiko-HPV-Typen gibt es seit einigen Jahren Impfstoffe. Besteht eine HPV-Infektion bereits, sollten die Betroffenen engmaschig zur Kontrolle gehen. Das Institut für Mikroökologie in Herborn weist zum Beispiel Infektionen mit dem humanen Papillomavirus nach.

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  • MRT-Bildgebung des Gehirns (C) Klaus Scheffler / Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, Tübingen
    Kongresse

    500 Wissenschaftler treffen sich zur internationalen Bernstein Konferenz 2013 an der Universität Tübingen ‒ Verleihung des Bernstein Preises für Computational Neuroscience 2013 ‒ Unterhaltsamer Abend für die Öffentlichkeit mit Science Slam und Filmfestival.

    Die internationale Bernstein Konferenz 2013 zur Computational Neuroscience findet vom 25.-27. September an der Universität Tübingen statt. Auf der Konferenz werden die neuesten Erkenntnisse der Neurowissenschaften vorgestellt und der Bernstein Preis 2013 für Nachwuchswissenschaftler verliehen. Ein Science Slam und ein Kurzfilm-Wettbewerb bieten der interessierten Öffentlichkeit Gelegenheit, Aktuelles aus der Hirnforschung zu erfahren.

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