Neues in der urologischen Infektiologie

Das HIV-Medikament Maraviroc blockiert das Oberflächeneiweiß CCR5. Dadurch werden die Makrophagen in der Leber aktiviert die Metastasen zu bekämpfen. Die Metastasen in der Leber (links) verschwanden nach Behandlung (rechts). Copyright: NCT Heidelberg
Das HIV-Medikament Maraviroc blockiert das Oberflächeneiweiß CCR5. Dadurch werden die Makrophagen in der Leber aktiviert die Metastasen zu bekämpfen. Die Metastasen in der Leber (links) verschwanden nach Behandlung (rechts). Copyright: NCT Heidelberg

Die HIV-Pandemie konnte bisher trotz der Propagierung von „Safer Sex“ nicht eingedämmt werden. daher erscheint es besonders wichtig, dass sich frühere Untersuchungen bestätigen, dass die radikale Beschneidung die HIV-Infektionsrate bei Männern signifikant vermindert. Zwei große afrikanische Studien in Kenia und Uganda Zeigen, dass durch eine radikale Beschneidung eine HIV-Infektion in bis zu 53% bei ungeschützten Geschlechtsverkehr vermindert werden kann. Ursache ist, dass nur die innere Seite des männlichen Vorhautblattes Rezeptoren für HIV-Viren aufweist, während die äußere Seite der Vorhaut und auch die Eichel durch Plattenepithel weitgehend geschützt ist. Aus diesem Grund muss zumindest bei Hochrisikopatienten darüber nachgedacht werden, die radikale Beschneidungals einen Baustein in der HIV-Prophylaxe mit in die urologische Beratung zu integrieren.

Unkomplizierte Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten Infektionen im ambulanten Bereich. Hierzu zählen vor allem die unkomplizierte Blasenentzündung und die akute unkomplizierte Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis). Überwiegend sind Frauen betroffen.

Es besteht Konsens, dass die Diagnosestellung alleine aufgrund der Symptome (imperativer Harndrang, Pollakisurie, Schmerz oberhalb der Symphyse) mit einer Fehlerquote von bis zu 30% behaftet ist. Auch der Einsatz von Urinteststreifen und sogar der Urinmikroskopie erhöht die diagnostische Genauigkeit nicht. Der Goldstandard zur Diagnose einer Harnwegsinfektion ist bei entsprechender Symptomatik die quantitative Urinkultur und deren Beurteilung. Das besondere der Leitlinienempfehlung ist, dass aus wirtschaftlichen Gründen in Anbetracht der derzeitigen Datenlage bei der unkomplizierten Blasenentzündung bei gesunden, nicht schwangeren Frauen auf die Urinkultur verzichtet werden kann. Allein aufgrund der Symptomatik dann eine Antibiotikatherapie eingeleitet werden.Danach wird eine Einmaltherapie oder Kurzzeittherapie empfohlen. Besteht eine Nierenbeckenentzündung (z.B. klopfschmerzhaftes Nierenlager und Flankenschmerzen mit und ohne Fieber) werden Fluorchinolone empfohlen, die bei der Standardtherapie der unkomlizierten Blasenentzündung aufgrund der erheblichen Resistenzentwicklung nicht mehr als Medikamente der ersten Wahl anzusehen sind.

Der Nachweis von Bakterien ohne Symptome, d. h. die „asymptomatische Bakteriurie“ soll nicht antibiotisch behandelt werden, es sei denn, es handelt sich um Schwangere oder es ist eine Intervention im Harntrakt vorgesehen.

Zusammenfassend gibt die neue S3-Leitlinie der Unkomplizierten Harnwegsinfektion den Medizinern in Deutschland eine solide „Evidence Base“ validierte Grundlage für Diagnose und Therapie.


Krebszeitung

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  • Krebssymbol - pixabay
    Deutsche Krebshilfe

    Ohne Forschung kein Fortschritt – das gilt ganz besonders für die Krebsmedizin. Die Heilungschancen der Betroffenen können nur dann weiter erhöht werden, wenn Forschungsergebnisse rasch aus dem Labor in den klinischen Alltag überführt werden. Dieser Forschungstransfer, auch „Translationale Forschung“ genannt, soll nun in Deutschland optimale Rahmenbedingungen erhalten. Am Dienstag stellten Bundesforschungsministerin Annette Schavan, Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, und Professor Dr. Otmar D. Wiestler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums, in Berlin das „Nationale Konsortium für Translationale Krebsforschung“ vor.

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  • In gesundem Darmgewebe halten Bindungsproteine wie E-Cadherin (rot) die Zellen zusammen, während die EPHB-Rezeptoren bestimmen, wo Zelltypen wie Drüsenzellen (grün) im Gewebe ihren Platz finden. Andreas Hecht
    Darmkrebs

    Freiburger Forscher entdecken Störungen in Signalwegen, die Darmkrebszellen ermöglichen, Metastasen zu bilden

    In gesundem Darmgewebe halten Bindungsproteine wie E-Cadherin (rot) die Zellen zusammen, während die EPHB-Rezeptoren bestimmen, wo Zelltypen wie Drüsenzellen (grün) im Gewebe ihren Platz finden.  Andreas HechtWenn Krebszellen auswandern: Forscherinnen und Forscher der Universität Freiburg haben Schalter gefunden, die Darmkrebszellen umlegen, damit sie sich aus ihrem Zellverbund losreißen und in umgebendes Gewebe eindringen können. Dieses Auswandern ist der erste Schritt der Metastasierung, bei dem der Krebs Tochtertumore in weiteren Geweben bildet. Prof. Dr. Andreas Hecht und seine Arbeitsgruppe am Institut für Molekulare Medizin der Universität Freiburg haben die Erkenntnisse in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht. Die Forscher hoffen, anhand dieses Signalweges neue Diagnostik- und Therapieansätze für Darmkrebs zu entwickeln. Hecht ist Mitglied des Exzellenzclusters BIOSS Centre for Biological Signalling Studies sowie des Sonderforschungsbereichs „Kontrolle der Zellmotilität bei Morphogenese, Tumorinvasion und Metastasierung“.

    Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen weltweit. Geschwüre im Darm lassen sich entfernen: Gefährlich wird die Krankheit erst, wenn die Tumorzellen anfangen, sich über den Darm hinaus auszubreiten. Über Blutgefäße wandern die Zellen in weitere Gewebe ein und bilden Metastasen. Die Tochtertumore sind oft schwer zu finden und zu entfernen und können zum Organversagen, sogar zum Tod führen. Um zu verhindern, dass ein Tumor diese gefährlichen Metastasen bildet, muss man verstehen, wie Krebszellen es schaffen, die Ketten zu sprengen, die normale Zellen an ihrem zugeteilten Platz im Körper halten.

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