Neues vom Brustkrebs

Von Links: Dr. Freerk Baumann, Prof. Dr. med. Jürgen Dunst. Prof. Dr. med Nadia Harbeck

Von Links: Dr. Freerk Baumann, Prof. Dr. med. Jürgen Dunst. Prof. Dr. med Nadia Harbeck

In westlichen Industrieländern erkrankt jede 8.-10. Frau im Laufe ihres Lebens an einem Mammakarzinom. Durch Fortschritte bei Früherkennung und medikamentöser Therapie ist diese Erkrankung heute bei über 70 % der Patientinnen im Frühstadium heilbar. Dennoch ist Brustkrebs in der Altersgruppe der Frauen zwischen 35 und 55 Jahren immer noch die häufigste Todesursache. Weiterentwicklungen bei der Systemtherapie wie Aromataseinhibitoren oder zielgerichtete Therapeutika (z.B. Antikörper), die bereits heute für die adjuvante Therapie zur Verfügung stehen, machen jedoch – neben konsequenter Früherkennung – weitere Verbesserungen der Heilungschancen realistisch.

Bewegung, Sport und Brustkrebs in der Primär- und Tertiärprävention

Bewegung und (Rehabilitations-) Sport gewannen zwar in den letzten Jahren als ernsthafte begleitende Therapieoption in der o­nkologie mehr und mehr an Bedeutung, doch wird vor auch über die Rolle von körperlichen Aktivitäten in der Prävention diskutiert.

Bewegung und Sport als Teil einer primärpräventiven Lösungsstrategie?

Die Wirkungsweise körperlicher Aktivitäten auf bösartige Neubildungen in der Primärprävention stand zunächst nicht im Focus umfangreicher epidemiologischer Untersuchungen. Die Ursache liegt vor allem darin, dass die Krebserkrankungen kein einheitliches Krankheitsbild darstellen. So wurden in den Auswertungen der großen Herzkreislaufstudien eher „zufällig“ gleichzeitig positiv-hemmende Einflüsse auf Brustkrebserkrankungen beobachtet. Doch um den tatsächlichen Beleg zu untermauern, dass körperliche Aktivitäten einen canceroprotektiven Effekt haben, waren langfristig angelegte Recherchen mit zahlreichen Teilnehmerinnen notwendig. Diese epidemiologischen Untersuchungen mit mehreren tausend Probanden konnten aussagekräftige Anhaltspunkte hervorbringen. Zusammengefasst existieren ernstzunehmende Hinweise, dass durch regelmäßige körperliche Aktivitäten das Risiko für Brustkrebs bis zu 40 % gesenkt werden kann (Lötzerich et al., 2Q02). Prinzipiell fehlen insgesamt weitere große epidemiologische Untersuchungen, die ein umfassenderes Bild auf die onkologische Prävention durch körperliche. Aktivitäten beschreiben (Graf et al., 2006). Würde sich jedoch der Verdacht erhärten, dass sich durch körperliche Aktivitäten das Brustkrebsrisiko senken lässt, könnte nicht nur das tiefe persönliche Leid gemindert werden, sondern auch die mit einer Krebserkrankung verbundenen Kosten erheblich senken.

Körperliche Aktivitäten in der Tertiärprävention

Bei Durchsicht der Wissenschaftsliteratur finden sich auch Daten, die zeigeri dass durch körperliche Aktivität bei Patientinnen mit Brustkrebs sogar eine Reduktion der Rezidivwahrscheinlichkeit und der krebsbezogenen Sterblichkeit erzielt werden konnte. Im Jahr 2005 publizierten Holmes et. al. Ergebnisse der Nurse’s Health Study. Bei einer Kohorte von 2.987 Patientinnen mit Brustkrebs der Stadien I-III zeigte sich durch körperliche Aktivitäten eine Reduduktion von Rezidivereignissen und Sterblichkeit von 26-40% [Holmes 2005].

Körperliche Aktivitäten mit Brustkrebspatientinnen

Erfahrungen im Bereich „Bewegung und Sport mit Brustkrebspatientinnen bestehen in Deutschland bereits über 25 Jahre. Man kann sagen, dass von allen Tumorarten Brustkrebs auf diesem Gebiet am besten erforscht wurde. Im Zuge neuer komplikationsärmerer Operationstechniken und vermehrtem Wissen über die Auswirkungen von körperlichen Aktivitäten nach Mammakarzinom werden aktuell Bewegungsempfehlungen für Brustkrebspatientinnen komplett neu definiert und frühere Bewegungsverbote gänzlich in Frage gestellt. Inzwischen kann gesagt werden, dass Brustkrebspatientinnen nach Entfernung des Tumors und Wächterlymphknoten mit komplikationsfreier Abheilung praktisch alle Bewegungsformen wieder durchführen können. Selbst Krafttraining und Nordic-Walking ist bereits 6 Wochen post OP machbar und effektiv.

Neues aus der Onkologie: Brustkrebs

Aus biologischer Sicht rückt das Konzept der Mammastammzelle immer weiter in den Vordergrund. Dieses Konzept bietet nicht nur die Möglichkeit, die Ent­stehung der Brustdrüse als komplettes Organ besser zu verstehen, sondern auch Einblicke in die Karzinogenese und Therapieoptimierung (durch Identi­fizierung neuer targets). Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Unterschei­dung zwischen Mammastammzelle und Tumorstammzelle.

Ein wesentliches Problemfeld stellt die Behandlung sogenannter „triple negativer“ (ER, PR, Her-2 negativ) Mammakarzinome dar. Da weder eine endokrine Therapie, noch die Gabe des Antikörpers Trastuzumab sinnvoll ist, stellt die Chemotherapie derzeit die einzige therapeutische Möglichkeit dar. Somit ist die Identifikation neuer targets in dieser Subgruppe essentiell, da „triple negative“ Karzinome zwar gut auf eine Chemotherapie ansprechen, jedoch leider auch eine hohe Rezidivrate aufweisen.
Die Therapie des Her-2 positiven Mammakarzinoms, sowohl in der adjuvanten, als auch palliativen Situation hat in den vergangenen Jahren den größten Fortschritt gezeigt. Dies ist in erster Linie dem Einsatz des Antikörpers Trastuzu­mab zu verdanken. Aber weitere neue wichtige Substanzen sind vielver­sprechend (Lapatinib, Pertuzumab) und werden derzeit im Rahmen großer klinischer Studien untersucht (ALLTO, Neo-ALLTO, GeparQuinto).

Erfahrungen im Bereich „Bewegung und Sport mit Brustkrebspatientinnen bestehen in Deutschland bereits über 25 Jahre. Man kann sagen, dass von allen Tumorarten Brustkrebs auf diesem Gebiet am besten erforscht wurde, lm Zuge neuer komplikationsärmerer Operationstechniken und vermehrtem Wissen über die Auswirkungen von körperlichen Aktivitäten nach Mammakarzinom werden aktuell Bewegungsempfehlungen für Brustkrebspatientinnen komplett neu definiert und frühere Bewegungsverbote gänzlich in Frage gestellt. Inzwischen kann gesagt werden, dass Brustkrebspatjentinnen nach Entfernung des Tumors und Wächterlymphknoten mit komplikationsfreier Abheilung praktisch alle Bewegungsformen wieder durchführen können. Selbst Krafttraining und Nordic-Walking ist bereits sechs Wochen nach einer Operattion machbar und effektiv. Bei Durchsicht der Wissenschaftsliteratur finden sich auch Daten, die zeigen, dass durch körperliche Aktivität bei Patient Brustkrebs sogar eine Reduktion der Rezidivwahrscheinlichkeit krebsbezogenen Sterblichkeit erzielt werden konnte.

Das angelaufene Mammografie-Screening für Frauen von 50 bis 69 Jahren ist eine der wichtigsten Maßnahmen für die Früherkennung von Brustkrebs. Parallel dazu bleiben die ärztliche Tastuntersuchung der Brust und die Anleit­ung zur Selbstuntersuchung für Frauen ab 30 Jahren weiter im gesetzlichen Früherkennungsangebot. Zwischen dem 40. und 49. Lebensjahr besteht die Möglichkeit eine Verdachts-Mammografie durchführen zu lassen.

Thema Brustkrebs

Prof. Dr. med. Nadia HarbeckIn westlichen Industrieländern erkrankt jede 8.-10. Frau im Laufe ihres Lebens an einem Mammakarzinom. Durch Fortschritte bei Früherkennung und medikamentöser Therapie ist diese Erkrankung heute bei über 70 % der Patientinnen im Frühstadium heilbar. Dennoch ist Brustkrebs in der Altersgruppe der Frauen zwischen 35 und 55 Jahren immer noch die häufigste Todesursache. Weiterentwicklungen bei der Systemtherapie wie Aromataseinhibitoren oder zielgerichtete Therapeutika (z.B. Antikörper), die bereits heute für die adjuvante Therapie zur Verfügung stehen, machen jedoch – neben konsequenter Früherkennung – weitere Verbesserungen der Heilungschancen realistisch.

Eines der wichtigsten Ziele der Therapie nach Erstdiagnose ist die Vermeidung von Unter- aber auch Übertherapie – hierzu gibt es heute die Möglichkeit, anhand tumorbiologischer Faktoren den Krankheitsverlauf genau vorherzusagen. Seit Ende 2007 sind auch in den amerikanischen ASCO Leitlinien tumorbiologische Faktoren empfohlen, die in Deutschland maßgeblich^ entwickelt wurden und in den AGO Leitlinien seit 2002 verankert sind: uPA und PAI-1. Mittels eines einfachen, qualitätskontrollierten Tests können uPA/PAI-1 im frischen oder gefrorenen Tumorgewebe von Stanzbiopsie oder Operation gemessen werden – gerade bei Patientinnen ohne befallene Achsellymphknoten kann das Testergebnis therapieentscheidend sein:

Patientinnen mit niedrigem uPA und PAI-1 im Tumorgewebe (etwa 35-45 % aller nodal-negativen Patientinnen) kann aufgrund ihrer guten Heilungschancen eine adjuvante (vorbeugende) Chemotherapie erspart werden; In einer laufenden Studie (NNBC-3) in Zusammenarbeit mit AGO, GBG und EQRTC PBG wird derzeit die optimale Chemotherapie für Patientinnen mit hohem uPA/PAI-1 evaluiert. Die NNBC-3 Studie besetzt mit über 2400 bereits eingeschlossenen Patientinnen einen Spitzenplatz unter den insgesamt drei weltweit laufenden Studien (zusätzlich TailorRX, MINDACT) zur Frage nach der optimalen tumorbiologischen Einschätzung von Rückfallrisiko und der Vermeidung unnötiger Chemotherapien beim frühen Brustkrebs.

Die Behandlung von Brustkrebs erfolgt heute in Deutschland in zunehmenden Maß in interdisziplinären zertifizierten Brustzentren – die Verbesserung der Versorgungsqualität ist aber bisher leider nicht im Vergütungskatalog abgebildet. Viele Brustzentren und vor allem die hier in leitender Funktion eingebundenen Frauenkliniken subventionieren die Strukturen aus klinikeigenen Mitteln, was auf längere Sicht so nicht möglich ist. Hier muss ein Umdenken bei den Kostenträgem stattfinden, damit die Vorteile einer solchen Zentrenbildung auch zum Wohle der Patientinnen umgesetzt werden können.

Aktuelle, evidenzbasierte Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms finden sich in der jährlich aktualisierten Leitlinie der AGO Organkommission „Mamma“ sowie in der interdisziplinären S3-Leitlinie „Mammakarzinom“ der Deutschen Krebsgesellschaft. Die internationale Akzeptanz der deutschen Leitlinien ist in den letzten Jahren gestiegen, gerade der Diasatz der AGO, der im Internet auf Englisch abrufbar ist (www.ago-online.org), erleichtert die nationale und internationale Verbreitung.

Neues bei der Früherkennung und Therapie von Brustkrebs

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Manfred KaufmannBrustkrebs ist mit 57.230 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung der Frau in Deutschland. Jährlich versterben etwa 17.600 Frauen, so die letzte Schätzung der Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsbezogener Krebsregister (Krebsstatistik 2004 des Robert-Koch-Instituts und der Gesellschaft epidemiologischer Krebsregister in Deutschland e.V., Februar 2008).

Das angelaufene Mammografie-Screening ist eine der wichtigsten Maßnahmen für die Früherkennung von Brustkrebs. Das strukturierte und qualitätsgesicherte Screening-Programm für Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren ist bis dato nahezu flächendeckend von der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte und Krankenkassen in Kooperation mit den Bundesländern eingeführt worden. Parallel dazu bleiben die ärztliche Tastuntersuchung der Brust und die/ Anleitung zur Selbstuntersuchung für Frauen ab 30 Jahren weiter/im gesetzlichen Früherkennungsangebot. Die Rolle der Kernspintomografie/und Sonografie als integraler Bestandteil des Früherkennungsprogramms ist hoch ungeklärt. Darüber hinaus wäre es zwingend wünschenswert molekulare Marker zu identifizieren, die eine Früherkennung erleichtern bzw. ermöglichten.

Aus biologischer Sicht rückt das Konzept der Mammastammzelle immer weiter in den Vordergrund. Dieses Konzept bietet nicht nur die Möglichkeit Entstehung der Brustdrüse als komplettes Organ besser zu verstehen, sondern auch Einblicke in die Karzinogenese und Therapieoptimierung – nicht zuletzt durch die Identifizierung neuer targets. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Unterscheidung zwischen Mammastammzelle und Tumorstammzelle,

Derzeit ist in Bezug auf Entwicklung und Erprobung neuer Therapiesubstanzen eine Flut sogenannter biologicals zu beobachten. Dabei gewinnt man Eindruck, dass therapeutisch mehr möglich erscheint, als das Wissen um die grundlegenden pathophysiologischen Hintergründe zulässt, insbesondere das Wissen um downstream-Effekte und alternativen pathways scheint doch begrenzt zu sein. Des Weiteren sind die Studienkonzepte häufig unselrktiv. Die molekularbiologische Charakterisierung entsprechender geeigneter Studienkollektive fehlt weitestgehend, so dass zu befürchten ist, dass gute und effektive Substanzen mit einem negativen Studienergebnis behaftet sind, weil sie an ungeeigneten Patienten erprobt wurden. Daraus ergibt ’sich die Forderung in verstärktem Umfang molekularbiologische Fragestellungen in die klinischen Studien einzubringen, d.h. keine Studie ohne translationale Fragestellung.

Die Therapie des Her-2 positiven Mammakarzinoms, sowohl in der adjuvanten, als auch palliativen Situation hat in den vergangenen Jahren den größten Fortschritt gezeigt. Dies ist in erster Linie dem Einsatz des Antikörpers Trastuzumab zu verdanken. Aber weitere neue wichtige Substanzen sind vielversprechend (Lapatinib, Pertuzumab) und werden derzeit im Rahmen großer klinischer Studien untersucht (ALLTO, Neo-ALLTO, GeparQuinto). Insbesondere die Frage nach dem optimalen Angriffspunkt in der Her-2-vermittelten Signaltransduktion (Rezeptorblockade, Kinaseinhibition oder die Kombination) ist weiterhin offen.

Das Problem der Kardiotoxizität unter dieser Therapie ist vorhanden, scheinbar reversibel und gut kalkulierbar, wobei Daten zu entsprechenden Langzeittoxizitäten, wie sie z.B. nach Anthrazyklintherapie auftreten, derzeit nicht verfügbar sind. Offen ist auch die Frage, wie effektiv die Therapie bei kleinen, Her-2 positiven, nodalnegativen hormonell ansprechbaren Mammakarzinomen ist. Dieses Subkollektiv stellt die klassische Domäne einer adjuvanten endokrinen Therapie dar, allerdings muss Trastuzumab für diese Gruppe mit einer Chemotherapie gekoppelt werden, auch wenn die TANDEM-Studie in der metastasierten Situation gezeigt hat, dass die Kombination Trastuzumab mit Anastrozol zu einer signifikanten Verlängerung des krankheitsfreien Überlebens führt. Allerdings fehlen uns entsprechende Daten für die adjuvante Situation. Hier wäre also Raum für weitere klinische Studien gegeben.

Ein wesentliches Problemfeld stellt die Behandlung sogenannter „triple negativer“ (ER, PR, Her-2 negativ) Mammakarzinome dar. Da weder eine endokrine Therapie, noch die Gabe des Antikörpers Trastuzumab sinnvoll ist, stellt die Chemotherapie derzeit die einzige therapeutische Möglichkeit dar. Somit ist die Identifikation neuer targets in dieser Subgruppe essentiell, da „triple negative“ Karzinome zwar gut auf eine Chemotherapie ansprechen, jedoch leider auch eine hohe Rezidivrate aufweisen.

Das Prinzip der Neoangiogenese ist ein seit langem bereits bekanntes Phänomen, das aber jetzt zunehmend Gegenstand therapeutischer Interventionen ist. Auch hier ist durch den VEGF-Antikörper Bevacizumab ein erfreulicher Fortschritt in der metastasierten Situation gelungen. Offen ist jedoch die Frage der Effektivität im adjuvanten setting, wo die Angiogenese als biologisches Prinzip keine Rolle spielt. Singuläre Tumorzelleri haben keine eigene Gefäßversorgung.

Die Entwicklung der modernen Aromatasehemmstoffe, sowie zunehmende Verbreitung innerhalb des Indikationsspektrums lassen nach wie vor noch zahlreiche Fragen offen, die Gegenstand derzeit laufender sind. Somit bleibt die Frage nach der optimalen Substanz und dem Schedule noch unbeantwortet. In diesem Zusammenhang ist die Definition einer einer endokrinen Ansprechbarkeit aufgrund molekularbiologischer Charakterisierung zwar erheblich vorangekommen, jedoch noch nicht für die tägliche Routine geeignet. Der Hormonrezeptorstatus ist derzeit noch der beste Parameter.

Eine optimale Therapie setzt immer auch eine klare prognostische Einschätzung des Krankheitsverlaufs voraus. Die „klassischen“ klinischen Parameter sind zwar nach wie vor hilfreich, in vielen Fällen jedoch nur von eingeschränkter Aussagekraft. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Gensignaturen etabliert, die eine Verbesserung der Prognoseabschätzung erwarten lassen, sich allerdings in klinischen Studien bisher noch nicht bewährt haben.

Aufgrund des langen Zeitfensters bis zur Publikation solider Daten im Rahmen adjuvanter Studien, stellt der neoadjuvante Therapieansatz neben weiteren klinischen Vorteilen eine sinnvolle Möglichkeit dar, neue Substanzen rasch in den klinischen Einsatz zu überführen. Auch hier gilt, dass translationale Fragestellungen essentiell sind, um Antworten auf Fragen wie z.B. maßgeschneiderte, individualisierte („tailored“) Therapiekonzepte in Zukunft entwickeln zu können, die auf das individuelle Patienten- und Tumorprofil passen. Dabei spielen globale pharmakogenetische („Pharmacogenomics“, „Metabolomics“) bzw. tumorspezifische Analysen eine entscheidende Rolle. Die Identifizierung von therapie-/ tumorspezifischer Resistenz-/Sensitivitätsmarker könnte zweifelsohne einen wichtigen Therapiefortschritt bringen.

Gesundheitspolitisch ist Zentrumsbildung und deren Definition auf der Basis qualitätsbezogener Daten die entscheidende Entwicklung, die uns auch in den nächsten Jahren beschäftigen wird. Allerdings ist eine ausreichende Qualitätssicherung nur durch Erhebung entsprechender Daten möglich. Daher muss der Einführung eines nationalen Krebsregisters dringende Priorität eingeräumt werden. Erfreulicherweise wird die Richtigkeit dieser Forderung kaum angezweifelt. Die Einführung des DMP in diesem Zusammenhang ist mit vielen kritischen Punkten behaftet, die nicht zwangsläufig mit einem medizinischen Fortschritt (sowohl für Patientinnen, als auch Therapeuten) verknüpft sind.

Neue Entwicklungen in der Strahlentherapie bei Brustkrebs

Strahlentherapie nach brusterhaltender Operation: aktuelle Meta-Analysen

Prof. Dr. Jürgen DunstDie Nachbestrahlung der Brust senkt das Risiko für ein intramammäres Rezidiv. Die bessere lokale Tumorkontrolle führt sekundär zu höheren Überlebensraten (1). Die Nachbestrahlung der Brust ist deshalb obligater Bestandteil der brusterhaltenden Therapie. Die Nebenwirkungen und Risiken der Brustbestrahlung sind heutzutage gering. In einer kürzlich publizierten Studie, die den Wert der Nachbestrahlung auch bei prognostisch sehr günstigen Subgruppen (pT1 NO, rezeptorpositiv) belegte, wurden Operation und Tamoxifen j: Strahlentherapie verglichen. Die Rate an schweren Nebenwirkungen Grad 3-4 war mit und ohne Strahlentherapie gleich (2). Eine Mitbestrahlung der regionären Lymphknotenstationen ist heute kaum noch nötig. Für Frauen, deren Brustkrebserkrankung im Rahmen des Sreenings, entdeckt wurde, stellt die prophylaktische Nachbestrahlung deshalb ein schonendes und sehr effektives Verfahren für Tumorkontrolle und Brusterhalt dar.

Strahlentherapie der Brust nach Mastektomie

Die EBCTCG-Meta-Analyse der Nachbestrahlung nach Mastektomie (Postmastektomie-Radiotherapie, PMRT) zeigt, dass ein signifikanter Überlebensvorteil bei denjenigen Patientengruppen erzielt wird, die ohne Strahlentherapie ein Lokalrezidivrisko von >10% nach 10 Jahren haben (2). Dies betrifft Patientinnen mit Tumoren der Kategorie pT3-4 und vor allern Patientinnen mit mehr als drei positiven axillaren Lymphknoten (13). Bei 1-3 positiven Lymphknoten war die Datenlage lange Zeit unklar. Neuere Daten, vor allem auch die Spätergebnisse großer Studien, sprechen dafür, dass auch diese Patientinnen von einer Nachbestrahlung profitieren.

In alten Studien bestand ein erhöhtes Risiko für kardiale Todesfälle; dies war auf Patientinnen mit linksseitigem Tumor beschränkt und erst mehr als 10 Jahre nach der Strahlentherapie relevant. Das Risiko für kardiale Komplikationen war dabei dosisabhängig. Durch eine moderne 3D- Bestrahlungsplanung kann man die Strahlendosis am Herzen erheblich (fast auf Null) verringern und damit das Risiko für Spätkomplikationen reduzieren, so dass bei den heute bestrahlten Patientinnen ein signifikantes Langzeitrisiko sehr unwahrscheinlich ist. In neueren Studien wurde bisher auch keine erhöhte Zahl an Herztodesfällen beobachtet.

Neues Verfahren: Teilbrustbestrahlung

Bei sehr günstigen Tumoren ist das Rückfallrisiko auf das ehemalige Tumorbett und die unmittelbare Umgebung beschränkt. Wenn nur dieses Zielgebiet zu bestrahlen ist, kann man (wegen des wesentlich geringeren Volumens) höhere Einzeldosen applizieren und dadurch die Behandlungszeit wesentlich verkürzen. Diese Verfahren werden zusammenfassend als akzelerierte Teilbrustbestrahlung (accelerated partial breast Irradiation, APBI) bezeichnet (im Gegensatz zur als Standard geltenden Ganzbrustbestrahlung) und können intraoperativ (Nachteil: Patientenselektion auf der Basis des Schnellschnitts) oder postoperativ eingesetzt werden. Technisch kommen verschiedene Methoden zur Anwendung. Das zurzeit aus strahlentherapeutischer Sicht beste Verfahren ist die interstitielle Brachytherapie in Multikatheter-Technik; nur mit diesem Verfahren liegen Daten mit ausreichender Nachbeobachtung vor (3). Die Strahlentherapie dauert bei dieser Methode 4-5 Tagen im Gegensatz zu etwa 6 Wochen bei konventioneller Ganzbrustbestrahlung.

Literatur:
1) Early Breast Cancer Trialists‘ Collaborative Group: Effects of radiotherapy and of differences in the extend of surgery for early breast cancer o­n local. recurrence and 15-year survival: An overview of the randomised trials. , Lancet 366: 2087-2106 (2005)
2) Fyles RW, McCready DR, Manchul LA et a!.: Tamoxifen with or without breast irradiation in women 50 years of age or older with early breast cancer. N EngI J Med 351, 963-970 (2004)
3) Ott 0, Hildebrabdt G, Pötter R, Hammer J, Lotter M, Resch A, Sauer r,] Strnad V. Accelerated partial breast irradiation with multi-catheter ! brachytherapy: local control, side effects and cosmetic outcome for 274J patients. Results of the German-Austrian multi-centre trial. Radiother o­ncol 82,281-286(2007)

Pressekonferenz der Deutschen Krebsgesellschaft und Detlef Höwing


Krebszeitung

--Download Neues vom Brustkrebs als PDF-Datei --


  • So wirkt der EGFR-Blocker - Publics Vital PR
    Lungenkrebs

    Seit im Jahr 2003 die neuartigen Krebsmedikamente der Klasse der EGFR-Blocker in den USA zugelassen wurden (sehr bekannt ist das Gefitinib), haben Ärzte weit über 100 000 Patienten damit behandelt und berichteten auf dem amerikanischen Krebskongress von den Erfahrungen, die sie damit gesammelt haben. Die meisten Studien bleiben vorerst freilich auf den Lungenkrebs, den Darmkrebs und die Kopf-Hals-Tumoren beschränkt.

    […mehr lesen]

  • Kongress - pixabay
    Deutsche Krebshilfe

    19. Krebskongress in der Lüneburger Heide

    Wilsede (gb) – Moderne Trends in der Krebsforschung – mit diesem Thema beschäftigte sich das Wilsede-Meeting, das in diesem Jahr bereits zum 19. Mal im Ort Wilsede in der Lüneburger Heide stattfand. Rund 50 renommierte Krebs-Experten aus aller Welt gaben vom 16. bis 20. Juni 2012 einen intensiven Einblick in den aktuellen Stand der onkologischen Grundlagenforschung. Insgesamt nahmen rund 200 Besucher an der Tagung teil, darunter auch viele von der Deutschen Krebshilfe geförderte Nachwuchsforscher.

    „Seit 1973 ist das Wilsede-Meeting ein besonderer Treffpunkt für anregende Diskussionen und Vorträge“, erklärte Professor Dr. Boris Fehse vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der die Veranstaltung in diesem Jahr zum ersten Mal leitete. „In dieser Zeit hat sich die Tagung einen festen Platz in den Terminkalendern weltweit angesehener Krebs-Experten erarbeitet.“

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit