Neuroblastom: Frankfurter Forscher entwickeln Therapie mit Natürlichen Killerzellen

Erkennung, Wechselwirkung und Eliminierung von Neuroblastomzellen durch aktivierte Natürliche Killerzellen. Quelle: Dr. Stephan Klöß, AG PD Dr. Ulrike Köhl
Erkennung, Wechselwirkung und Eliminierung von Neuroblastomzellen durch aktivierte Natürliche Killerzellen. Quelle: Dr. Stephan Klöß, AG PD Dr. Ulrike Köhl

Besonders aggressive Tumore entziehen sich dem gezielten Angriff des Immunsystems. Die Frankfurter Arbeitsgruppen um die Medizinerin und Biologin Ulrike Köhl an der pädiatrischen Hämatologie/Onkologie in Frankfurt am Main und dem Biologen Joachim Koch am Georg-Speyer-Haus entwickeln neue immunologische Therapieansätze, um diese sogenannten „Tumor-Immun-Escape-Mechanismen“ wirkungsvoll zu überwinden. Im Fokus ihrer Forschung steht das Neuroblastom im frühen Kindesalter.

Normalerweise übernehmen die sogenannten Natürlichen Killerzellen des angeborenen Immunsystems als primäre Verteidigungslinie der Immunabwehr die Überwachung, Erkennung und Zerstörung entarteter Zellen. Bei Patienten mit Neuroblastom im fortgeschrittenen Stadium ist diese gezielte Tumorüberwachung stark eingeschränkt. Grund dafür sind „Störfaktoren“, die die Tumorzellen freisetzen und die verhindern, dass Natürlichen Killerzellen aktiviert werden. Ein vielversprechender Therapieansatz gegen dieses Phänomen beinhaltet zum einen die dauerhafte Steigerung der Anzahl und Aggressivität von Natürlichen Killerzellen und andererseits die Überwindung der Tumorimmunmechanismen, die zur Freisetzung der „Störfaktoren“ führen.

Im Rahmen einer klinischen Studie hat das Frankfurter Forscherteam einen immuntherapeutischen Ansatz entwickelt: Die jungen Patienten erhalten per Infusion eine große Anzahl hoch aktivierter Natürlicher Killerzellen, die aus dem Blut eines Elternteils, isoliert wurden. Die vorbehandelten Natürlichen Killerzellen besitzen eine drastisch erhöhte Anzahl von Oberflächenrezeptoren mit denen Tumorzellen besser erkannt, gebunden und effizienter zerstört werden können. „Dadurch konnten wir die Aggressivität der Natürlichen Killerzellen gegenüber Neuroblastomzellen deutlich steigern“, freut sich Köhl über einen ersten kleinen Erfolg. Allerdings mussten die Forscher auch feststellen, dass die alleinige Immuntherapie mit Natürlichen Killerzellen in dieser Form nicht ausreichen wird, um die Heilungsrate der jungen Patienten mit Neuroblastom im fortgeschrittenen Stadium entscheidend zu verbessern. „Schuld daran sind die im Rahmen der Studie entdeckten Tumor-Immun-Escape-Mechanismen“, erläutert Köhl.

In ihrem aktuellen Forschungsvorhaben nehmen Ulrike Köhl und Joachim Koch diese Tumorimmunmechanismen genauer unter die Lupe. Ziel ist es, die bereits erprobte Therapie mit aktivierten Natürlichen Killerzellen weiter zu entwickeln. „Wir haben die Hoffnung, dass in einigen Jahren junge Patienten mit fortgeschrittenem Erkrankungsstadium bessere Heilungschancen haben“ beschreibt Ulrike Köhl die Motivation zu ihrem Vorhaben.

Die Wilhelm Sander-Stiftung unterstützt die in Kooperation laufenden Arbeiten in den Laboren von PD. Dr. Ulrike Köhl, Dr. Stephan Klöß (Universitätsklinikum Frankfurt, Labor für Stammzelltransplantation und Immuntherapien) und Priv. Doz. Dr. Joachim Koch (Georg-Speyer-Haus) mit rund 250.000 Euro.
Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Weitere Informationen zur Stiftung: www.wilhelm-sander-stiftung.de

Kontakt (Projektleitung):

PD Dr. Ulrike Köhl
Labor für Stammzelltransplantation und Immuntherapie
Klinikum der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Pädiatrische Hämatologie, Onkologie und Hämostaseologie
Direktor Prof. Dr. Thomas Klingebiel
Tel.: +49(69) 6301 4918
E-Mail: ulrike.koehl@kgu.de

Pressemitteilung Wilhelm Sander-Stiftung, Sylvia Kloberdanz


Krebszeitung

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  • Urothelkarzinom der Blase, Bild: KGH, Wikimedia Commons
    Harnblasenkrebs

    Salzgitter – Moment mal… war ich nicht vor ein paar Minuten erst auf Toilette? Warum muss ich denn jetzt schon wieder? Und war das gerade ein unangenehmes Ziehen, das ich in meinem Bauch gespürt habe? – Habe ich etwa eine Blasenentzündung?! Während die einen bei Verdacht auf einen Harnwegsinfekt noch zögern, sitzen andere schon im Wartezimmer ihres Arztes. Übertrieben, oder genau richtig?

    Zunächst einmal: Jede Frau, die eine beginnende Blasenentzündung bei sich feststellt, sollte schnellstmöglich Gegenmaßnahmen ergreifen, denn bei Harnwegsinfekten kommt es auf eine schnelle Behandlung an. Bei akuten, unkomplizierten Blasenentzündungen ist aber nicht immer ein Arztbesuch vonnöten. Denn diese sind zwar schmerzhaft, aber meist harmlos und lassen sich mit pflanzlichen Präparaten aus der Apotheke gut behandeln.

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  • Histologischer Schnitt durch einen Thymus | © dkfz.de
    dkfz

    Histologischer Schnitt durch einen Thymus | © dkfz.deDie so genannten T-(Thymus-abhängigen) Lymphozyten, eine bestimmte Sorte weißer Blutzellen, stammen wie alle anderen Blutzellen von Vorläuferzellen aus dem Knochenmark ab. Im Thymus, einem immunologischen Organ im Brustkorb, reifen die Zellen dann zu aktiven Immunzellen heran. Nach bisheriger Lehrmeinung kann der Thymus ohne ständigen Nachschub aus dem Knochenmark keine T-Zellen produzieren. Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg konnten dieses Dogma nun widerlegen – offenbar ist der Thymus auch ohne Nachschub aus dem Knochenmark für mehrere Monate in der Lage, reife T-Zellen zu erzeugen. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler soeben im Journal of Experimental Medicine veröffentlicht.

    Der Thymus ist ein etwa faustgroßes Organ im Bereich des Brustbeins. Er ist zentraler Bestandteil des Immunsystems, in ihm reifen die so genannten T-Lymphozyten zu aktiven Zellen des Immunsystems heran. Nur Zellen, die zwischen Fremd und Selbst unterscheiden können, dürfen den Thymus verlassen, damit sie infizierte oder entartete Zellen abtöten und gleichzeitig körpereigene Gewebe unbehelligt lassen.

    „Normalerweise wandern die unreifen T-Vorläuferzellen aus dem Knochenmark in den Thymus ein, um dort heranzureifen“, sagt Hans-Reimer Rodewald, der Leiter der Abteilung Zelluläre Immunologie im Deutschen Krebsforschungszentrum. „Wir wollten nun wissen was passiert, wenn der Thymus keine neuen Vorläuferzellen mehr erhält.“ Um das heraus zu finden, untersuchten Vera Martins, Hans-Reimer Rodewald und ihre Kollegen Mäuse, denen sämtliche Lymphozyten-Vorläuferzellen im Knochenmark aufgrund verschiedener genetischer Veränderungen fehlten. In diese Tiere transplantierten die Forscher einen Thymus aus einer normalen Maus. Sie erwarteten, dass der Spender-Thymus für etwa 4 Wochen eigene reife T-Zellen ins Blut der Empfängertiere abgeben würde, danach wären die Thymus-eigenen T-Zellen aufgebraucht und der Thymus würde degenerieren.

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