Neuroblastom-Tumoren – Fortschritt in der Forschung

Erkennung, Wechselwirkung und Eliminierung von Neuroblastomzellen durch aktivierte Natürliche Killerzellen. Quelle: Dr. Stephan Klöß, AG PD Dr. Ulrike Köhl
Erkennung, Wechselwirkung und Eliminierung von Neuroblastomzellen durch aktivierte Natürliche Killerzellen. Quelle: Dr. Stephan Klöß, AG PD Dr. Ulrike Köhl

Neuroblastome sind Tumoren, die bei sehr kleinen Kindern auftreten und sich nicht immer behandeln lassen. Bei der Erforschung dieser Krebsform sind Würzburger Wissenschaftler einen Schritt weitergekommen: Durch das Ausschalten eines Gens konnten sie das Wachstum der Tumorzellen zügeln. Darüber berichtet die neue Ausgabe (6. Januar) der Zeitschrift Cancer Cell.

Häufig entstehen Neuroblastome im Bauch. Die erkrankten Kinder – sie sind meist jünger als ein Jahr – haben dann Bauchschmerzen oder Atembeschwerden, weil der Tumor auf die Lunge drückt. Glücklicherweise kommt diese Krebserkrankung nur relativ selten vor; in Deutschland werden pro Jahr rund 130 Fälle diagnostiziert.

Die Aussichten der Patienten

„Etwa 80 Prozent der erkrankten Kinder geht es relativ gut, bei ihnen wirken die herkömmlichen Therapien“, sagt Professor Martin Eilers von der Universität Würzburg.

Anders sieht es bei den restlichen 20 Prozent aus: Sie sind in schlechter Verfassung, die Behandlungsmethoden versagen und die meisten von ihnen müssen sterben. Alle Versuche, die Therapien für diese Gruppe zu verbessern, sind bislang gescheitert.

Neuroblastome, die sich derart drastisch auswirken, haben etwas

gemeinsam: In den Tumorzellen ist ein Gen namens MYCN mutiert. „Wir haben vermutet, dass diese Mutation nicht allein für die Therapieresistenz der Tumoren verantwortlich ist“, sagt Martin Eilers.

Die Suche nach Krebs-Genen

Sein Team fahndete darum nach weiteren Genen, die für das Wachstum der aggressiven Neuroblastome nötig sind, für gesunde Zellen aber

bedeutungslos: „Wir haben in Zellkulturen systematisch Gen für Gen abgeschaltet und dann geprüft, welchen Effekt das jeweils auf die Krebszellen hat.“

Rund 200 Gene mussten die Forscher lahmlegen und fünf Jahre Arbeit investieren, bis ihre Suche erfolgreich war: Als sie das so genannte AURKA-Gen ausgeschaltet hatten, stellten die Neuroblastom-Zellen ihr Wachstum ein.

Warum das passiert? „Das AURKA-Gen erzeugt das Protein Aurora A. Das wiederum bindet sich an das Mycn-Protein und stabilisiert es. Fehlt Aurora A, wird das andere Protein instabil und die Tumorzellen wachsen nicht weiter“, erklärt der Würzburger Professor.

Die nächsten Forschungsschritte

Bis diese Erkenntnisse möglicherweise einmal zu einer Therapie für krebskranke Kinder führen können, sind noch viele Jahre Forschungsarbeit nötig. Zunächst werden Eilers und sein Team in den Zellkulturen weitere Details des neu entdeckten Mechanismus studieren.

Gleichzeitig beginnt die Suche nach Hemmstoffen, die das Aurora- Protein unterdrücken können.

„Stabilization of N-Myc Is a Critical Function of Aurora A in Human Neuroblastoma“, Tobias Otto,Sebastian Horn,Markus Brockmann,Ursula Eilers,Lars Schüttrumpf,Nikita Popov,Anna Marie Kenney,Johannes H.

Schulte,Roderick Beijersbergen,Holger Christiansen,Bernd BerwangerundMartin Eilers, Cancer Cell, Vol. 15 (1), Seiten 67-78, 6. Januar 2009, doi:10.1016/j.ccr.2008.12.005

Der Beitrag ist auf der Homepage von Cancer Cell als Featured Article öffentlich zugänglich:

;www.cell.com/cancer-cell/home

Die Forschung von Martin Eilers

Martin Eilers hat seit Oktober 2008 den Lehrstuhl für Physiologische Chemie II am Biozentrum der Universität Würzburg inne. Er erforscht grundlegende Mechanismen der Tumorentstehung. Dabei spielen die drei MYC-Gene – eines davon ist MYCN – eine wichtige Rolle: „Sie tragen zur Entstehung vieler, möglicherweise fast aller Tumore beim Menschen bei“, so der Professor.

Die MYC-Gene steuern die Produktion der Myc-Proteine. Von diesen Proteinen stellen Tumore in aller Regel viel größere Mengen her als normale Gewebe. Außerdem regen Myc-Proteine normale Zellen dazu an, unkontrolliert zu wachsen. „Es gibt viele Hinweise darauf, dass es eine gute Tumortherapie wäre, wenn man Myc-Proteine mit Medikamenten hemmen könnte“.

Zur Person: Martin Eilers

Martin Eilers, 1960 in Bonn geboren, studierte Chemie und Biochemie an den Universitäten Münster, Tübingen und Edinburgh. Seine Dissertation fertigte er am Biozentrum der Universität Basel an. Als Postdoc forschte er von 1988 bis 1990 an der University of California in San Francisco im Labor des Nobelpreisträgers Michael Bishop.

1991 kam er zurück nach Deutschland und leitete eine Forschungsgruppe am Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg. Von

1997 bis 2008 war er Professor am Institut für Molekularbiologie und Tumorforschung der Universität Marburg.

Mit den Marburger Wissenschaftlern wird Eilers weiterhin eng zusammenarbeiten: im Transregio-Sonderforschungsbereich „Ras-dependent pathways in human Cancer“ und in der Klinischen Forschergruppe „Genetics of Drug Resistance in Cancer“, ebenfalls eine Kooperation zwischen Würzburg und Marburg.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Martin Eilers,
T (0931) 888-4442,
martin.eilers@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Pressemitteilung Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Robert Emmerich


Krebszeitung

--Download Neuroblastom-Tumoren - Fortschritt in der Forschung als PDF-Datei --


  • Krebssymbol - pixabay
    DGU-Kongress 2016
    10 Jahre Zweitmeinung in der Urologie Fast 90 Prozent der Deutschen würden bei ernsthaften Erkrankungen eine ärztliche Zweitmeinung einholen. Etwa jeder Vierte hat diese Möglichkeit bereits genutzt, und drei von vier Patienten haben daraufhin, wie [...mehr lesen]
  • Bilder aus zwei unterschiedlichen Verfahren werden digital miteinander verschmolzen – Ultraschall-Aufnahmen und Daten aus dem MRT, dem Magnetresonanztomografen. Uniklinikum Tübingen
    Prostatakrebs

    Borna, 10.11.2004. Ein neues Ultraschallgerät in der HELIOS Klinik Borna erweitert die Therapiemöglichkeiten bei Prostatakrebs. Für manche Betroffene bietet die Zerstörung des Tumors mit hoch intensivem, fokussiertem Ultraschall (HIFU) eine Alternative zur Operation. Bisher ist das Ultraschallgerät erst an drei Klinikstandorten Deutschlands – in Hamburg, Regensburg und München – fest etabliert. Weitere sieben Kliniken betreiben das Gerät mobil.

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit

  • Um den Schlaf gebracht
    am 20. Januar 2018 um 02:21

    Um den Schlaf gebracht  Hamburger AbendblattFull coverag […]

  • Was unser Immunsystem fit hält
    am 20. Januar 2018 um 02:19

    Was unser Immunsystem fit hält  Ostthüringer ZeitungStudie: So halten Omega-3-Fettsäuren das Immunsystem fit  Heilpraxisnet.deFull coverag […]

  • 95 Masern-Fälle in Österreich
    am 19. Januar 2018 um 22:43

    95 Masern-Fälle in Österreich  Vorarlberger NachrichtenMasernfälle stiegen im Vorjahr um das Dreifache  SuperMED.at (Blog)Full coverag […]

  • Vierfach-Impfstoff soll vor Grippe schützen
    am 19. Januar 2018 um 20:39

    Vierfach-Impfstoff soll vor Grippe schützen  TagesspiegelFrühere Infektionen entscheiden über den Grippeschutz  DIE WELTGrippe: Müssen die Kassen den Vierfach-Impfstoff zahlen?  Pharmazeutische Zeitung onlineUnwirksame Grippeimpfung: Wie ist die Lage im Landkreis?  SWPFull coverag […]

  • Die schlimmste Influenza-Pandemie der Geschichte
    am 19. Januar 2018 um 15:47

    Die schlimmste Influenza-Pandemie der Geschichte  Bayerischer RundfunkBlaue Haut, schneller Tod: Die Spanische Grippe wird 100  Hannoversche AllgemeineFull coverag […]