Nierentransplantation – Lebendspende

Nierentransplantation-Lebendspende
Nierentransplantation-Lebendspende

Vorentwurf der Richtlinie erstellt und innovatives Operationsverfahren etabliert

Trotz der Erfolge der letzten Jahrzehnte sieht sich die Transplantation weiterhin großen Herausforderungen gegenüber. Zum einen bleibt der eklatante Spenderorganmangel mit den sich daraus ergebenden immer noch offenen Fragen das Hauptproblem, zum anderen gilt es gleichzeitig, Ergebnisse und Rahmenbedingungen zu verbessern.

Dies gilt auch und insbesondere für die Lebendnierentransplantation, die in Deutschland 30 % aller Nierentransplantationen ausmacht. Für die Nierenlebendspende liegt nun der endgültige Entwurf einer Lebendspenderichtlinie vor.

Die Richtlinie ist gezielt auf den Schutz des Spenders ausgelegt. Dieser Schutz beinhaltet eine individuelle Evaluation sämtlicher wesentlicher Umstände, die mit der Lebendspende im Zusammenhang stehen, sowie aber auch die voraussichtliche gesundheitliche Entwicklung nach der Lebendspende und die danach zu ergreifenden Maßnahmen inklusive der Rehabilitation sowie der lebenslänglichen Nachsorge.

In der Richtlinie finden sich also detaillierte Angaben über die einzelnen Schritte, die bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachsorge einer Lebendspende zwingend von den jeweiligen Transplantationszentren einzuhalten sind. Damit wird eine eklatante Lücke in Deutschland geschlossen, da Deutschland europaweit das einzige Land war, das bisher über keine Richtlinie bei der Lebendspende verfügte.

Innovatives Operationsverfahren

Die roboterassistierte Chirurgie ist in der Urologie mittlerweile Routine geworden, heute werden immer komplexere onkologische Operationen robotisch assistiert durchgeführt, vorwiegend funktions- und organerhaltende Tumoroperationen an Prostata und Niere. An ausgewiesenen Zentren konnte zwar die Entnahme der Spenderniere entweder laparoskopisch oder roboterassistiert durchgeführt werden, die Transplantation der Niere selbst blieb aber bislang Domäne der konventionellen offenen Chirurgie.

Auf Initiative von Prof. Dr. Michael Stöckle, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie der Universität des Saarlandes und Vorsitzender des Arbeitskreises Nierentransplantation, entstand 2015 eine Arbeitsgruppe mit dem Ziel, die robotisch assistierte Nierentransplantation in Deutschland zu implementieren. Nach eine Reihe tierexperimenteller und klinischer Vorbereitungsmaßnahmen und einer Hospitation an der Fundació Puigvert in Barcelona bei Prof. Dr. Alberto Breda, der verantwortliche Leiter des dortigen Nierentransplantationsprogrammes, konnten in Homburg (Saar) im Juni diesen Jahres die ersten beiden roboterassistierten Nierentransplantationen in Deutschland durchgeführt werden. Bei den Eingriffen erhielt Prof. Dr. Michael Stöckle Unterstützung von Prof. Breda, der diese Operationstechnik bereits 2015 an seiner Klinik etabliert hatte.

Im August konnten zwei weitere roboterassistierte Nierentransplantationen, ebenfalls mit der Unterstützung von Prof. Breda, am Transplantationszentrum der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale), unter der Leitung von Prof. Dr. Paolo Fornara, durchgeführt werden.

Die roboterassistierte Nierentransplantation ist eine noch junge Errungenschaft der Urologie, europaweit sind erst ca. 30 Operationen dieser Art durchgeführt worden.

Durch den Einsatz des OP-Roboters ist es möglich geworden, den gesamten Vorgang einer Lebendspende minimalinvasiv durchzuführen, die Spenderniere kann ohne chirurgischen Schnitt entnommen und nun minimalinvasiv roboterassistiert ebenfalls ohne Schnitt transplantiert werden. Durch die Reduzierung des chirurgischen Traumas wird die Belastung für Spender und Empfänger geringer, die deutlich besseren Sichtverhältnisse bei der roboterassistierten Transplantation bieten optimale Voraussetzungen für eine optimale Durchführung der Gefäßnaht zwischen den Gefäßen der Spenderniere und denen des Empfängers. Deutschland ist europaweit bereits das vierte Land, in dem roboterassistierte Operationstechniken auch in der Nierentransplantation eingesetzt werden. Die Reduzierung des operativen Traumas spielt bei der Lebendspende eine besondere Rolle, da verständlicherweise dies beim Spender an oberster Stelle steht und beim immunsuppriemierten Empfänger typische Komplikationen der offenen Chirurgie reduziert.

Pressekonferenz des DGU-Kongress 2016 in Leipzig

Univ.-Prof. Dr. med. Paolo Fornara, 2. Vize-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie und des Nierentransplantationszentrums der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Video von Detlef Höwing

69. DGU-Kongress: Urologen stellen neue Entwicklungen der Inkontinenz-Therapie vor


Krebszeitung

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  • Impfen gegen Gebärmutterhalskrebs - Quelle: 16.05.13_foto sanofi pasteur msd
    Forschung

    Um einen neuartigen Impfstoff gegen Tumorerkrankungen zu entwickeln, gehen die Forscher in diesem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt einen ganz neuen Weg: Das Erbgut eines harmlosen, abgeschwächten Erkältungsvirus wird mit Erbinformationen aus Krebszellen kombiniert. Das Virus wird als ‚Transportmittel‘ in die Zentren der Immunaktivierung benutzt, um das Immunsystem des Menschen gezielt anzuregen, um sich mit allen Mitteln gegen Krebserkrankungen zu wappnen und zu wehren.

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  • Kongress - pixabay
    DGU-Kongress 2013

    DGU und europäische Grundlagenforscher tagen unter einem Dach

    International und wissenschaftlich ausgerichtet: So präsentiert sich der 65. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) vom 25. bis 28. September 2013 in der Messe Dresden. Rund 7000 Teilnehmer werden zum weltweit drittgrößten Urologen-Kongress erwartet, der erstmals gemeinsam mit der Jahrestagung der europäischen urologischen Grundlagenforscher, der „EAU Section of Urological Research“ (ESUR), stattfindet und die Tumorerkrankungen von Harnblase, Nieren, Prostata und Hoden in den Mittelpunkt stellt.

    „Die gemeinsame Tagung von DGU und ESUR bietet eine große Chance, den Dialog an der Schnittstelle zwischen Klinik und Labor zu fördern und damit Innovationskraft und Fortschritt zu erzeugen“, sagt DGU- und Kongresspräsident Prof. Dr. Michael Stöckle. Medizinischer Fortschritt im Kampf gegen Krebs steht dabei an vorderster Stelle, denn Urologen behandeln rund ein Viertel der Krebserkrankungen in Deutschland. Neue Tumormarker, individualisierte Krebstherapien und die risikoadaptierte Tumornachsorge werden in Dresden ebenso thematisiert wie die PSA-gestützte Früherkennung des Prostatakarzinoms. „Ziel ist es, die hitzige fachliche und öffentliche Debatte um den PSA-Test in eine sachliche Diskussion im Klima gegenseitigen Vertrauens zu überführen“, so der Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Universitätsklinikum des Saarlandes. Experten aus der Urologie, dem Bereich der Prostatakrebs-Selbsthilfe und aus dem Gesundheitswesen werden den Diskurs in Dresden aufnehmen.

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