Nutzen des PSA-Test weiterhin unklar

CancerCheck-PSA Quelle: consile.de

Die Konzentrationsmessung des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut wird in vielen Ländern als Methode zur Früherkennung von Prostatakrebs eingesetzt. Seit der Einführung dieser Untersuchung haben sich 4ng/ml als kritischer Wert der PSA-Konzentration herausgestellt. Eine genaue Definition des Grenzwertes ist jedoch problematisch: Ein Wert unter 4 ng/ml schließt noch keinen Tumor aus, eine höhere Konzentration kann auch bei einer gutartigen Veränderung der Prostata auftreten. Eine sichere Diagnose gelingt erst durch eine Gewebeprobe. Um den Nutzen des PSA-Screenings für den Patienten zu ermitteln, untersuchten Forscher der Universität Genf die durch Prostatakrebs bedingte Sterblichkeitsrate in 38 verschiedenen Ländern. Es zeigten sich drei Trends: In sieben Ländern sank die Sterberate auf ein Niveau, das niedriger war als vor der Einführung des Screening-Verfahrens. In weiteren 14 Ländern sank die Prostatakrebssterblichkeit ebenfalls, jedoch nicht unter das Niveau vor der Einführung des PSA-Tests. In den verbliebenen 17 Ländern nahm die Sterberate trotz des PSA-Screenings zu. Ob die gesunkene Sterberate tatsächlich auf das PSA-Screening oder eher auf eine bessere Krebstherapie zurückzuführen ist, ist noch nicht klar. Weitere Studien aus den USA und Europa, die mehr als 220 000 Patientendaten umfassen, sollen weitere Ergebnisse liefern.

Ein Forscherteam aus der Schweiz untersuchte die Sterblichkeitsrate an Prostatakrebs nach Einführung des PSA-Tests in 38 Ländern. Der Nutzen der Untersuchung für den Patienten lässt sich noch nicht ausreichend belegen.

Weitere Themen der neuen Ausgabe des International Journal of Cancer (IJC) sind die Beteiligung kleiner Ribonukleinsäuren an der Krebsentstehung und der erfolgreiche Einsatz von Herzmedikamenten bei chemotherapieresistenten Krebszellen. Die aktuelle Ausgabe des IJC erschien am 15.07.2008.

Aktivierte Krebsgene oder blockierte Tumorsuppressorgene spielen bei der Krebsentstehung eine entscheidende Rolle. Chinesische Forscher um Thian-Sze Wong von der Universität Hongkong untersuchten, ob so genannte micro-RNAs, sehr kurze Ribonukleinsäuren, in diesen Prozess eingreifen. Die Wissenschaftler verglichen die Konzentration von 156 verschiedenen micro-RNAs in Epithelzellen eines Zungenkarzinoms beziehungsweise in gesunden Epithelzellen. Zwei der untersuchten Ribonukleinsäuren, miR-133a und miR-133b, kamen in den Krebszellen signifikant seltener vor als in den normalen Epithelzellen. Beide micro-RNAs blockieren normalerweise die Bildung der Pyruvatkinase Typ M2, einem Schlüsselenzym im Tumorstoffwechsel. Ob diese oder weitere micro-RNAs neben dem Zungenkarzinom an weiteren Krebsarten beteiligt sein könnten, ist noch unbekannt.

Darmkrebszelllinien, denen ein wichtiger Reparaturmechanismus fehlt, das so genannte DNA-Mismatch-Reparatursystem (MMR-System), sind resistent gegenüber dem häufig eingesetzten Chemotherapeutikum 5-Fluorouracil (5-FU), reagieren dafür aber besonders empfindlich auf das Herzmedikament Nifedipin. Das MMR-System erkennt Fehler im Erbgut, die während der Zellteilung entstehen, und korrigiert diese. Fehlt dieses System, werden Fehler im Erbgut nicht korrigiert. Bereits gebildete Krebszellen entziehen sich der sonst eintretenden „Notbremse“ durch den körpereigenen Selbstmord (Apoptose).

Australische Wissenschaftler von der University of New South Wales untersuchten 14 verschiedene menschliche Krebszelllinien aus Prostata, Dickdarm, Blase und Eierstöcken mit oder ohne funktionierendem Reparaturmechanismus. Sie prüften die Wirkung von Carboxyamidotriazolen (CAI), Krebsmedikamenten, die die Gefäßbildung hemmen. Tumorzellen, denen das Reparatursystem fehlte, reagierten deutlich empfindlicher auf CAI, ebenso auf den Blutdrucksenker Nifedipin. Worauf die Empfindlichkeit der MMR-defekten Zellen gegenüber dem Herzmedikament zurückzuführen ist, ist noch unklar, dennoch könnten diese Ergebnisse ein wichtiger Schritt für die Behandlung von chemotherapieresistenten Krebsarten sein.

Bouchardy et al. Recent trends in prostate cancer mortality show a continuous decrease in several countries
DOI: 10.1002/ijc.23520

Wong et al. Identification of pyruvate kinase type M2 as potential oncoprotein in squamous cell carcinoma of tongue through microRNA profiling
DOI: 10.1002/ijc.23583

Yang et al. Selective sensitivity to carboxyamidotriazole by human tumor cell lines with DNA mismatch repair deficiency
DOI: 10.1002/ijc.23535

Weitere Artikel sind unter folgendem Link verfügbar:

www3.interscience.wiley.com/journal/119142440/issue


Krebszeitung

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  • Brustkrebszellen - Quelle: Dr. Lutz Langbein, Deutsches Krebsforschungszentrum
    Brustkrebs

    Die Suche nach neuen Medikamenten gegen Krebserkrankungen steht nach wie vor ganz oben auf der To-do-Liste der Pharmaforscher. Eine noch junge Variante sind polymere Chemotherapeutika, Wirkstoffe, die an ein „Rückgrat“ aus langen Kettenmolekülen geknüpft werden. Ein britisches Team geht nun noch einen Schritt weiter und pfropft zwei verschiedene Pharmaka auf ein gemeinsames Rückgrat. Auf diese Weise zu einer Art molekularer Tandemfahrer vereint, sollen ein Cytostatikum und ein Hormontherapeutikum synergistisch den Kampf gegen den östrogenabhängigen Brustkrebs aufnehmen.

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  • Solarium - pixabay
    Deutsche Krebshilfe

    Bonn (sts) – Die Stärke der UV-Strahlen in Solarien ist so intensiv wie die der Sonne mittags am Äquator. Je stärker die UV-Strahlung, umso höher ist die Gefahr, dass Hautkrebs entsteht. Solarien sollten deshalb grundsätzlich nicht genutzt werden, auch nicht für die körpereigene Produktion von Vitamin D. Diese Ansicht vertreten die Deutsche Krebshilfe und die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP).

    „UV-Strahlen sind krebserregend und der größte Risikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs“, erklärt Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe. Gleichwohl haben UV-Strahlen – wohldosiert – aber auch eine lebenswichtige Funktion: Der Körper bildet mit ihrer Hilfe in der Haut Vorstufen von Vitamin D und kann so selbst seinen Bedarf an diesem Vitamin sicherstellen. Dies ist bedeutsam, da nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) rund 60 Prozent der Bundesbürger unzureichend mit Vitamin D versorgt sind. Regelmäßige Aufenthalte im Freien können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, den Vitamin-D-Bedarf zu decken. „Wer sich umsichtig in der Sonne verhält, nutzt die körpereigene Vitamin-D-Synthese und beugt der Entstehung von Hautkrebs vor“, rät Professor Dr. Eckhard Breitbart, Vorsitzender der ADP.

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