Offener Brief: Urologen fordern Stellungnahme von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt - Quelle: ddp
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt - Quelle: ddp

Zum wiederholten Male hat Ministerberater Dr. Karl Lauterbach durch umstrittene Äußerungen in der Öffentlichkeit die Diskussion um den PSA-Test auf eine unsachliche Ebene gelenkt. Als Reaktion darauf haben jetzt der Berufsverband der Urologen (BDU) und die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) einen Offenen Brief an das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung verfasst.

Sehr geehrte Frau Ministerin,
jährlich wird bei etwa 40.000 Männern ein Prostatakrebs, im Regelfall durch Bestimmung des PSA-Wertes, aufgedeckt und etwa 12.000 Männer versterben im gleichen Zeitraum. Der Gesetzgeber hat bekanntlich auch für Männer den Anspruch auf Untersuchungen zur Früherkennung von Krebserkrankungen unter der Voraussetzung festgelegt, dass das Vor- oder Frühstadium dieser Krankheiten durch die diagnostischen Maßnahmen erfassbar ist. Dies trifft in der Tat für den Prostatakrebs zu, aber nur in Verbindung mit dem PSA-Wert. Diese Erkenntnis haben sich im übrigen auch die Bundesländer zu eigen gemacht und über den Bundesrat empfohlen, diesen Blutparameter deshalb in die Krebsfrüherkennungsuntersuchung – Männer – aufzunehmen, wie Ihnen im übrigen bekannt sein dürfte.

Einmal mehr hat Professor Dr. LAUTERBACH demgegenüber öffentlich behauptet: „ Der PSA-Test für die Früherkennung von Prostatakrebs ist wissenschaftlich nicht gesichert. Das heißt, wir müssen davon ausgehen, daß dieser Test, wenn er flächendeckend für Früherkennung von Prostatakrebs eingesetzt würde, mehr schadet als nutzt.“ (Sendung „Paroli“, N3 vom 22.2.05). Aus seinen weiteren Ausführungen lässt sich erkennen, dass Herr Prof. Lauterbach mit den Konsequenzen und der weiteren Abklärung erhöhter PSA-Werte allenfalls oberflächlich vertraut ist. Auch die „Amerikanischen Urologenverbände“, die den Test „nicht empfehlen“, sind uns nicht bekannt.

Umso mehr befremdet es uns, dass er trotz erkennbarer Wissenslücken unsere Arztgruppe zum wiederholten Mal diskreditiert hat, indem er ihr rein merkantile Interessen bei der Anwendung und der Abklärung des PSA-Wertes unterstellt.

Die wiederholte Diskreditierung der Urologenschaft durch einen Ihrer engsten externen gesundheitspolitischen Ratgeber verunsichern in höchstem Maße unsere Bevölkerung. Als zuständige Ressortministerin haben Sie die politische Verantwortung übernommen, die Rahmenbedingungen zur Erhaltung, Wiederherstellung und Verbesserung des Gesundheitszustandes der Versicherten zu gewährleisten.

Sollten Sie, sehr geehrte Frau Ministerin, sich den für uns inakzeptablen Meinungsäusserungen des Herrn Professor Dr. LAUTERBACH anschließen, was wir eigentlich nicht vermuten, dann müssten Sie die Sinnhaftigkeit der Krebsfrüherkennung – Männer – prinzipiell in Frage stellen, auch wenn einzelne Krankenkassen Männern, die diese Untersuchung regelmäßig durchführen lassen, Boni ausloben.

Für eine Stellungnahme wären wir Ihnen sehr verbunden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Klaus Schalkhäuser
BDU-Präsident
Erdinger Straße 17
84405 Dorfen

Prof. Dr. Michael Stöckle
DGU-Generalsekretär
Uerdinger Str. 64
40474 Düsseldorf

Pressemitteilung, Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V., Bettina-Cathrin Wahlers


Krebszeitung

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  • Darstellung eines Hirntumors mit Computer- und Positronenemissions- Tomographie. Die farbigen Konturen dienen zur Planung einer Strahlentherapie - Quelle: dkfz
    dkfz

    Darstellung eines Hirntumors mit Computer- und Positronenemissions- Tomographie. Die farbigen Konturen dienen zur Planung einer Strahlentherapie - Quelle: dkfzKrebspatienten sollen in Zukunft gezielter und schonender behandelt werden. Das ist das Ziel der sechs Partner aus Forschung und Industrie, die ihre Expertise in der Strahlentherapie, der bildgebenden Diagnostik und der Softwareentwicklung im Konsortium „DOT-MOBI“ bündeln. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Vorhaben mit 6,9 Millionen Euro. In Heidelberg sind das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und das Universitätsklinikum mit seiner Radiologischen Klinik sowie dem Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT) beteiligt.

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